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29. Januar 2016

Mainz 05: Druck auf dem Kessel

 Von 
Haben noch einiges zu bereden: Mainz-Präsident Harald Strutz und Manager Christian Heidel.  Foto: imago/Eibner

Wie Mainz 05 mit dem Abgang von Manager Christian Heidel umgehen will, ist nicht erkennbar.

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Es spricht mehr dafür als dagegen, dass aus Anlass des närrischen Jubiläums des FSV Mainz 05 eher Aschermittwochstristesse denn ausgelassene Schunkelstimmung herrschen könnte. Am 6. März wird der Verein 111 Jahre alt und hat deshalb in der Fußballarena zum großen Fest geladen. Aber alle Anzeichen sprechen derzeit dafür, dass bis dahin der Abschied von Manager Christian Heidel zum Saisonende definitiv feststehen dürfte. Nach 23 Jahren. Der FC Schalke 04 lockt den besten Mann von Mainz 05 wie verrückt. Seit Oktober schon ist dies das offenste Geheimnis der Fußball-Bundesliga. Vor dem noch nicht ganz ausverkauften Heimspiel am heutigen Freitag gegen Borussia Mönchengladbach (20.30 Uhr) ist der mediale Druck auf dem Kessel noch einmal größer geworden, und er wird mit einiger Sicherheit den Siedepunkt erreichen, wenn die Mainzer am 12. Februar, ebenfalls einem Freitag, daheim gegen Schalke spielen.

Am Tag vor einem Spiel ist normalerweise der Trainer der meistgefragte Mann, aber am Donnerstag im Mainzer Presseraum war das anders, sogar Pay-TV-Sender Sky war live auf Sendung, was keineswegs üblich ist, und die meisten Fragen musste Manager Heidel beantworten. Was einen Wechsel anginge, sagte der 52-Jährige, müssten „an vier Punkten Haken dran sein: Der neue Klub muss wollen, ich muss wollen, die Gremien des neuen Vereins müssen zustimmen und Mainz 05 ebenfalls.“ Dazu wäre indes ein fünfter Haken notwendig, nämlich eine erfolgreich abgeschlossene Suche nach einem Nachfolger. Ein Nachfolger, der den Job wohl kaum alleine erledigen kann, zu groß erscheinen die Fußstapfen, die Heidel hinterlassen würde. Die Situation, zumal nach zwei Niederlagen in Berlin und Ingolstadt und somit drei Spielen in Folge ohne eigenes Tor, als zunehmend knifflig zu beschreiben, erscheint kaum übertrieben. Heidel sagt zwar tapfer, er habe „die Ruhe weg, was Mainz 05 angeht“, aber angesichts seiner Machtfülle, seines Netzwerkes und seiner umfassenden Kompetenz ist die Gefahr groß, dass ohne ihn im Klub ein Vakuum entsteht, in das auch die Mannschaft mit dem sicher kompetenten, aber ja auch noch recht unerfahrenen Trainer Martin Schmidt geraten könnte. Und wo sonst sieht man einen starken Mann in Mainz?

Untypisch für Mainz

In der ortsansässigen „Allgemeinen Zeitung“ ist dieser Tage ein Artikel erschienen, der die Situation sehr kritisch analysiert und dabei vor allem auf den Präsidenten Harald Strutz zielt. Es heißt dort, Strutz habe es „in dieser heiklen Phase nicht nur verpasst, sich als der starke Mann im Verein zu positionieren, sondern weilt seit Anfang des Jahres im Urlaub – während bei seinem Verein eigentlich dringend Entscheidungen getroffen werden müssten“. Am heutigen Freitag wird der 65-Jährige wieder vor Ort sein. Es passt in die angespannte Lage, die so gar nichts von typisch Mainzer Heimeligkeit hat, dass die „Allgemeine Zeitung“ just in dieser Woche offenbarte, Strutz werde von Mainz 05 mit jährlich 250 000 Euro entlohnt. Viel für einen Präsidenten eines eingetragenen Vereins, wenig für eine Führungsposition in der Fußball-Bundesliga. Entsprechende Führungsstärke darf nun von dem Juristen erwartet werden, andernfalls droht Mainz 05 größeres Ungemach, als der Klub es je erfahren hat.

Um die Zukunft in der ersten Liga nicht zu gefährden, hat Christian Heidel nach der 0:1-Niederlage vom Samstag in Ingolstadt von einem Verkauf des Regisseurs Yunus Malli an Borussia Dortmund Abstand genommen. Trainer Schmidt war ohnehin von vorne herein dagegen gewesen. Seine Argumentation: „Alles dürfen wir nicht mir uns machen lassen, sonst fragen uns auch unsere Spieler: Warum gehen wir zum Teambuilding einen Berg im Schnee hinauf, wenn wir danach den Ausverkauf starten?“

Zumal die Mainzer durch die Verkäufe von Johannes Geis, Shinji Okazaki und Joo-Ho Park ohnehin Kurs auf einen weiteren Rekordgewinn nehmen und ein erklecklicher Teil der zusätzlichen Einnahmen direkt ans Finanzamt ginge. Der Deutsch-Türke Malli muss sich laut Schmidt ohnehin keine Sorgen um die Zukunft machen: „Der Kerl weiß: Wenn er eine gute Rückrunde spielt und eine ordentliche EM für die Türkei, dann kann es knallen.“ Zumal der 23-Jährige im Sommer für die festgeschriebene Ablösesumme von 9,5 Millionen Euro gehen und entsprechend reichlich Handgeld kassieren kann. Unter der Woche im Training, frohlockt Schmidt, sei Malli „auffällig dynamisch über den Platz gelaufen“. Es gibt also auch gute Nachrichten von Mainz 05.

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