Yunus Malli schrie nach seinem aller ersten Tor für Mainz 05 die Freude so extrovertiert heraus, wie es der Deutsch-Türke nur ganz, ganz selten zu tun pflegt. Der 20-Jährige ist ein schüchterner Kerl, sein Trainer Thomas Tuchel wünscht sich den Mittelfeldspieler leidenschaftlicher. So kam es, dass Yunus Malli beim 2:0 (1:0) im DFB-Pokal gegen Erzgebirge Aue für Mainz 05 zwar das 1:0 durch Andreas Ivanschitz sehr fein vorbereitet und das 2:0 selbst erzielt hatte, hinterher aber dennoch Kritik vom gestrengen Vorgesetzten zu hören bekam: „Ich hätte mir von ihm noch mehr Risikobereitschaft gewünscht, noch mehr Zug zum Tor, ich wünsche mir, dass er noch fordernder auftritt. Es gibt keinen Grund, in Lobeshymnen zu verfallen.“
Da sprach der Pädagoge aus dem ehemaligen Jugendtrainer Tuchel. Der junge Malli soll bloß nicht denken, dass jetzt, nach seinem ersten Pflichtspieleinsatz der Saison, alles gut ist. „Ein ganzes Paket“ an Verbesserungen hat Tuchel für den vor einem Jahr aus der Gladbacher Talentschmiede verpflichteten Offensivmann noch parat: „Er läuft Gefahr, sich in seinem Spiel in einem Tempo einzugrooven, das für das, wofür Mainz 05 steht, nicht reicht.“
Mats Hummels leitet mit seinem Treffer den souveränen Sieg der Dortmunder ein. Foto: Marijan Murat
Zweimal Bundesliga und einmal im DFB-Pokal hat Malli vergangene Saison von Anfang an für die Mainzer Bundesligamannschaft spielen dürfen. Danach war der technisch Hochbegabte, der in Spiel- und Ausdrucksweise an seinen Landsmann Mesut Özil erinnert, kaum noch sichtbar gewesen. Er musste achtmal in der Regionalliga Südwest für die zweite Mannschaft der Mainzer spielen, er machte das ordentlich und erzielte dabei fünf Tore, aber im Profitraining war er auch regelmäßig derjenige, den Tuchel besonders oft kritisierte. Auch in seiner zu oft phlegmatisch wirkenden Körpersprache erinnert Malli nämlich an Özil, aber das meint der deutsche Junioren-Nationalspieler natürlich nicht, wenn er sagt: „Von Özil kann man sich schon einiges abschauen.“
Am Dienstagabend nach seinem ersten Pflichtspieleinsatz der Saison, noch ehe die kritischen Töne des Trainers ihm bekannt waren, war Malli der gefragteste Gesprächspartner der Medien. Er wolle „das Positive aus dem Pokalspiel in die Bundesliga mitnehmen“, sagte er und lobte sich in aller Bescheidenheit angesichts der Vorlage und des Torerfolgs ein bisschen selbst: „Ich war auf jeden Fall effektiv, darauf kommt es auf dieser Position auch an.“ Er habe in seiner ersten Saison in der Bundesliga „vom Tempo und von der Härte her viel dazu gelernt und fühle mich ein Stück reifer“.
Seit der U17-Nationalmannschaft, mit der er 2009 Europameister wurde, hat der in Kassel geborene Türke Malli 32 Mal für Deutschland gespielt − zuletzt im U20-Team unter Frank Wormuth gegen Italien.
Vermutlich wird es für eine Karriere im deutschen A-Team angesichts der überragenden Konkurrenz im offensiven Mittelfeld mit jungen Hochkarätern wie Mesut Özil, Mario Götze, Marco Reus und André Schürrle aber nicht langen.
„Ich habe Kontakt zum türkischen Verband, aber ich habe mich noch nicht entschieden“, er wolle sich „nicht unter Druck setzen lassen“. Entscheiden muss er sich ohnehin erst dann, wenn für eine der beiden Nationen ein Pflichtspieleinsatz im A-Team geplant wäre. Erst dann wäre er für das eine oder andere Land festgespielt.
Momentan kann Yunus Malli froh sein, wenn er für Mainz 05 hin und wieder mal von Beginn an mittun darf. Tuchel wird nicht müde werden, mehr von dem Talent mit den überdurchschnittlichen Fähigkeiten am Ball zu verlangen. Ein Lob kommt dem Trainer dann aber doch noch über die Lippen: Malli habe sehr viel „Potenzial, sich schnell zu drehen und den Ball zu beschleunigen.“ Na, immerhin.
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