MZ 05
Spielberichte, Interviews, News und Hintergründe zu Mainz 05

03. Dezember 2012

Mainz 05 gegen Hannover: Mainz beweist Moral

 Von Jan Christian Müller
Grund zum Feiern: Szalais (M.) Siegtreffer ist zugleich sein 9. Saisontreffer. Foto: dpa

Im Gegensatz zu Eintracht Frankfurt lässt sich Mainz durch die rote Karte von Torhüter Wetklo nicht aus dem Konzept bringen. Stürmer Adam Szalai beweist mit seinem sehenswerten Siegtreffer wieder einmal seine derzeit überragende Form.

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Im Gegensatz zu Eintracht Frankfurt lässt sich Mainz durch die rote Karte von Torhüter Wetklo nicht aus dem Konzept bringen. Stürmer Adam Szalai beweist mit seinem sehenswerten Siegtreffer wieder einmal seine derzeit überragende Form.

Mainz –  

Stadionsprecher Klaus Hafner war vor Freude ganz außer sich und forderte Fans und Profis gleichermaßen zur „emotionalen Fettverbrennung“ auf. Gerade hatte Mittelstürmer Adam Szalai mit einem sehenswerten Kopfball nach präziser Vorarbeit von Eugen Polanski in der 90. Minute das 2:1 für den FSV Mainz 05 gegen Hannover 96 besorgt, es war also schon eine ganze Menge Emotion im Spiel gewesen. Der Mainzer Co-Trainer Arno Michels hatte gar einen astreinen Jubel-Diver aus der Coaching-Zone heraus aufs Spielfeld vollzogen, als Hafner seine Aufforderung zur ultimativen Kraftanstrengung angesichts von vier Minuten Nachspielzeit kundtat. Hinterher, als auch diese vier Minuten in Unterzahl überstanden waren, lagen sie sich alle miteinander in den Armen. Die Fans sangen „Oh, wie ist das schön“, und „Europapokal“, und Präsident Harald Strutz fand, diese „emotionale Explosion“ habe ihn an alte Tage am ehrwürdigen Bruchweg erinnert. Nach drei Monaten im zweiten Jahr in der schmucken Arena am Europakreisel ist Mainz 05 an diesem Samstag endgültig in der neuen Heimspielstätte angekommen.

Dazu benötigte das Spiel aber seine ganz eigene Dramaturgie. Für die sorgte Torwart Christian Wetklo, als er kurz nach der Halbzeit den Ball nach einem Missverständnis mit Verteidiger Bo Svensson per Hand außerhalb des Strafraums klärte. Schiedsrichter Günter Perl blieb nichts anderes übrig, als Wetklo vom Platz zu stellen. Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel musste den bundesligaunerfahrenen Torwart Loris Karius, gerade 19, einwechseln und entschied sich, den gleichaltrigen Stürmer Shawn Parker dafür auszuwechseln.

Kaum Arbeit für Karius

Anders als am Vortag Eintracht Frankfurt in Düsseldorf, wurden die dezimierten Mainzer von den uninspirierten Niedersachsen dann aber nicht in ihre Einzelteile zerlegt. Karius wehrte sogleich den fälligen Freistoß von Christian Pander ab − und die Mainzer, in zwei Viererketten hinter dem plötzlich zu immenser Schaffenskraft erwachenden Stürmer Szalai gereiht, liefen alle Lücken zu. Der junge Karius, intern wegen schwankender Trainingsleistungen nicht unumstritten und hinter den wegen eines Adduktorenabrisses am rechten Oberschenkel seit Sommer verletzten Routinier Heinz Müller eigentlich nur dritter Mann, musste nur noch Routinewerk verrichten.

Thomas Tuchel wusste hinterher, warum die Rote Karte für Keeper Wetklo im Rückblick sogar eine gute Sache war: „Bis dahin hatten wir für unsere Verhältnisse ein zu gewöhnliches Spiel erlebt. Danach war die Ausgangslage sonnenklar. Da hatten wir plötzlich eine Rolle, mit der wir etwas anfangen konnten.“ Die Rolle des Underdogs in Unterzahl. „Wir haben um jeden Zentimeter und jedes Foul gefightet“, berichtete Andreas Ivanschitz später. Es entwickelte sich ein kollektiver Geist, der stärker war als die Überzahl des Gegners. „Das Spiel hat sich nicht so entwickelt, wie wir das wollten. Wir konnten nirgends durchstarten“, bemerkte Trainer Mirko Slomka enttäuscht. Seine Konterspezialisten waren nicht in der Lage, mit dem Ballbesitz im verdichteten Raum Sinnvolles anzufangen, ehe Szalai der „Lucky Punch“ (Tuchel) gelang.

Szalai macht den Unterschied

Der Torschütze beschrieb seinen neunten Saisontreffer hinterher in aller Bescheidenheit. Er habe „nach Polas unglaublicher Flanke nur noch den Kopf hinhalten müssen“. Das stimmte so natürlich nicht, Szalai verfügt über eine überdurchschnittliche Kopfballtechnik, die der Ungar schon vor vier Wochen in Bremen eindrucksvoll demonstriert hatte. Außerdem ist der ab nächster Woche 25-Jährige einer, der sich auch von wiederholt misslungenen Aktionen nicht runterziehen lässt. Bis zum Platzverweis war er ziemlich neben der Spur gelaufen, ehe er seinen mächtigen 1,93-Meter-Körper wie einen Panzer in die niedersächsische Abwehr warf und so Freistoß um Freistoß und noch ein paar Eckstöße dazu herausholte. Szalais Mentalität entspricht insoweit dem Idealbild seines anspruchsvollen Trainers.

Der muss nun für das Auswärtsspiel am Sonntag in Mönchengladbach entscheiden, ob er den wiedergenesenen Heinz Müller (34) oder den kaum mehr als halb so alten Teenager Karius als Vertreter des gesperrten Wetklo nominiert. Noch mochte sich Tuchel nicht festlegen. Müller spielte in der Bundesliga zuletzt Anfang Mai beim 0:3 gegen Mönchengladbach. Seinen Stammplatz hatte er bereits vor mehr als einem Jahr an Wetklo verloren und war seit dem Sommer bei mehreren Trainingsversuchen immer wieder durch die Oberschenkelprobleme zurückgeworfen worden.

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