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16. November 2012

Mainz 05: Potenzial in den Hosentaschen

 Von Jan Christian Müller
Manchmal eine Wundertüte: Andreas Ivanschitz. Foto: dpa

Andreas Ivanschitz zeigt nicht oft, was er zu bieten hat. Bei Mainz 05 hat sich der Mittelfeldspieler zwar weiterentwickelt. Sein Potenzial schöpft Ivanschitz aber längst noch nicht aus.

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Andreas Ivanschitz zeigt nicht oft, was er zu bieten hat. Bei Mainz 05 hat sich der Mittelfeldspieler zwar weiterentwickelt. Sein Potenzial schöpft Ivanschitz aber längst noch nicht aus.

Hamburg –  

Thomas Tuchels Wahrnehmung ist kaum zu widersprechen. Angesprochen auf die internationalen Einsätze seiner Fußballer vor der Bundesligapartie an diesem Samstag beim Hamburger SV, sagte der Trainer von Mainz 05 in dem ihm eigenen Duktus: „Die Art und Weise, wie die meisten dieser Länderspiele gelaufen sind, zeigt, dass die Wertigkeit am Ende für alle Beteiligten nicht gegeben war. Und das gilt auch für die Beurteilung der Leistungen.“ Zum Beispiel die von Andreas Ivanschitz, der mit Österreich ziemlich sang- und klanglos 0:3 gegen die Elfenbeinküste verlor und dem danach vom Fachportal news.at nüchtern beschieden wurde: „Guter Einsatz. Aber mit wenig Fortune. Kein Abend zum Erinnern.“

Er kam 2009 als Spieler, der sich fürs Verteidigen kaum zuständig fühlte

Bei Mainz 05 haben sich für den gerade 29 Jahre alt gewordenen gebürtigen Burgenländer Tage mit und ohne Fortune in dieser Saison hübsch abgewechselt. Ohne Fortune vor zwei Wochen beim 1:2 in Bremen, mit Fortune vor einer Woche beim 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg. „Die Mannschaft“, sagt Tuchel, „lebt auf dem Platz das Teamwork aus.“

Andreas Ivanschitz trägt einen erheblichen Teil dazu bei. Vor vier Jahren kam der im Alter von 16 jüngste Ligadebütant und mit 19 jüngste Teamkapitän Österreichs als Individualist nach Mainz, der sich mit seinem großen Gefühl im linken Fuß nahezu ausschließlich für das Offensivspiel verantwortlich fühlte. „Er war damals ein ganz anderer Spieler, als er es jetzt ist“, sagt der Mainzer Manager Christian Heidel, „mittlerweile haut er sich voll rein.“

Das empfindet auch der 58-malige Nationalspieler so: „Ich spiele inzwischen viel körperlicher in der Art, in die Zweikämpfe zu gehen.“ Der hohe Aufwand in der Defensivarbeit sorgt aber auch dafür, dass Ivanschitz vor dem Tor mitunter Kraft und Konzentration fehlen.

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Hinzu kommt, dass er seinen schwachen rechten Fuß aus guten Gründen nur ungern nutzt. Ein technischer Mangel. Außerdem kommt ein zwar auffällig hohes Maß an Sozialkompetenz im Umgang mit Mitspielern und Öffentlichkeit dazu, aber mitunter auch eine Form der Lethargie auf dem Platz, die eine Herausforderung für alle Beteiligten darstellt. „Andi wird gekitzelt, solange er bei uns ist. Er braucht das immer wieder“, hat Heidel festgestellt. Ivanschitz selbst stellt sich der Kritik, sagt aber zu Recht auch: „Ich bin ein Spieler, der sich immer verausgabt und schon viele wichtige Tore geschossen hat.“ 18 Treffer in 83 Bundesligaspielen, dazu 15 Vorlagen, um genau zu sein.

Vergleich mit Mehmet Scholl

Es könnten angesichts Ivanschitz’ weit überdurchschnittlichem Gefühl für heimliche Wege zum Tor und seiner starken Schusstechnik mit links viel mehr erfolgreiche Abschlüsse sein, findet nicht nur Trainer Tuchel, der seinen Offensivmann nach dessen zwei vergebenen Großchancen vor zwei Wochen in Bremen unumwunden deutlich kritisierte. Entsprechende Medienreaktion war die Folge, Ivanschitz hat sich darüber natürlich nicht gefreut, sagt aber auch: „Ich ärgere mich mehr darüber, dass ich die Tore nicht gemacht habe als über die Berichterstattung.“ Und Tuchel gibt sich mit ein paar Tagen Abstand längst wieder versöhnlich: „Dass Andi ab und zu angeschoben werden muss, ist im vierten Jahr auch nichts Neues, und es ist auch nicht böse gemeint.“

Die Mainzer Rhein-Zeitung hat in einer sehr treffenden Analyse Parallelen zwischen Andreas Ivanschitz und Mehmet Scholl gezogen: Der ehemalige Bayernprofi hätte zum Ende seiner Laufbahn eingeräumt, einen Teil seines Potenzials wohl immer nur in den Hosentaschen mit sich herumgetragen zu haben.

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