Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Harald Strutz heute Abend im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz nicht zum Präsidenten des ansässigen Fußball-Zweitligisten wiedergewählt würde. Der 57-Jährige geht in sein 21. Amtsjahr, nachdem er am 18. September 1988 völlig unverhofft durch einen Zuruf aus der Alte- Herren-Mannschaft des FSV Mainz 05 zum Boss der einst grauesten Maus des deutschen Profifußballs gewählt wurde. Noch bis in die 90-er Jahre hinein hat der Rechtsanwalt bei den "Nullfünfern" Basisarbeit geleistet. "Ich erinnere mich gut, dass unser Torwart Moppes Petz zu mir kam und fragte, ob er fürs Team einen Satz neue Stutzen besorgen könnte oder ob kein Geld mehr da sei."
Vergangene Zeiten: Heute Abend wird Schatzmeister Friedhelm Andres den Mitgliedern einen Umsatz von 23 Millionen Euro für die vergangene Zweitligasaison und einen Gewinn von 650 000 Euro mitteilen können. In der Bundesliga waren es sogar 34 Millionen Euro, Strutz lässt keinen Zweifel, dass es nur ein Ziel gibt: "Den Aufstieg".
Der in der Landeshauptstadt gut vernetzte stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende, Vater zweier erwachsener Kinder, muss sich längst nicht mehr um die Kluft der Mannschaft kümmern. Zweimal wöchentlich lässt er es sich aber nicht nehmen, beim Training vorbeizuschauen, und wenn ein Spieler ein Problem mit seinem Vermieter oder nach einem Verkehrsunfall hat - der nach dem Freiburger Achim Stocker dienstälteste Präsident im deutschen Lizenzfußball kümmert sich.
Auch im Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball Liga weiß der doppelte Vizepräsident Freunde an seiner Seite. Deshalb ist sich Strutz sicher, dass bei der Eröffnung der neuen Mainzer Arena am Europakreisel im Jahr 2010 die deutsche Nationalmannschaft ein Länderspiel austragen wird. "Der Theo (DFB-Präsident Zwanziger/ die Red.) wird mir das nicht abschlagen", sagt der immer gut gelaunte Freizeitmusiker breit lächelnd. Womöglich wird er es dann sogar wagen, als Leadsänger seiner Coverrockband The Stags vor 35 000 Zuschauern aufzutreten. Zuletzt rockte Strutz auf dem Wiesbadener Weinfest. "Mit unserer siebenköpfigen Band tob' ich mich richtig aus. Andere nehmen einen Knüppel in die Hand und versuchen, einen kleinen Ball in ein kleines Loch zu bugsieren, aber das ist nichts für mich."
Im neuen Stadion, darauf legt Strutz Wert, "werden wir Herr im Hause sein." Will heißen: Ein Madonna-Konzert drei Tage vor einem Punktspiel, wie zuletzt in Frankfurt, wird es nicht geben. "Wir werden uns selbst vermarkten." Damit dabei mehr Einnahmen sprudeln, schlägt Strutz "eine Erweiterung der Bundesligen auf je 20 Klubs" vor und regt an, sich im Zwist mit dem Kartellamt "nicht so klein zu machen". Bundesligafußball am zweiten Weihnachtstag hält der praktizierende Katholik zwar für wenig praktikabel, "aber warum denn nicht zwischen den Jahren?" Mit Mainz 05 im Oberhaus, versteht sich.
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