Thomas Tuchel weiß, dass Freundschaftsspiele nur bedingte Aussagekraft besitzen. Doch aus jedem Test ließen sich zumindest individuelle Schlüsse ziehen, und was der Trainer des FSV Mainz 05 etwa am Freitagabend am Bieberer Berg bei seinem dritten Torwart Loris Karius gesehen hatten, stellte den anspruchsvollen Fußballlehrer ausnahmslos zufrieden. „Er hat trotz seines jungen Alters schon eine gute Ausstrahlung. Er hat keinen Fehler gemacht und alle Rückpässe gut verarbeitet.“
Tatsächlich bewegten sich die Erkenntnisse nach einem müden 1:1 beim Drittligisten Offenbacher Kickers bei den Feldspielern gegen null.
Pikante Torhüter-Rochade
Nicht aber beim dritten Tormann, der sich erst kürzlich per Vertrag bis 2014 plus zusätzlicher Option an die Rheinhessen gebunden hat. Der Blonde hätte sich „nur gewünscht, dass ich mehr zu tun bekomme“, sagte Karius keck.
Obwohl bislang ausnahmslos in der Regionalliga-Mannschaft zum Zuge gekommen, will der 18-Jährige schon bald an der Hierarchie im Bundesliga-Ensemble rütteln. „Ich habe mich für Mainz entschieden, weil ich hier die besten Chancen sehe, kurzfristig Bundesliga-Torwart zu werden.“
Am Freitag profitierte der 1,87-Meter-Mann davon, dass Christian Wetklo eine Oberschenkelzerrung plagte und Heinz Müller über Rückenbeschwerden klagte.
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Pikant erschien die erzwungene Rochade auch deshalb, weil eigentlich Müller, 33, eine Kampfansage gegenüber Wetklo, 32, getätigt hatte und zur Rückrunde wieder die Nummer eins werden will. Ansonsten droht sogar Müllers Weggang – sein Arbeitspapier läuft am Saisonende aus.
Von Stuttgart nach Manchester
Wenn Tuchel am Dienstag zur nächsten Übungseinheit bittet, geht er davon aus, dass zumindest Müller genesen ist. Und wenn nicht? Dann wird der in Biberach geborene Karius den finalen Test am Mittwoch am Mainzer Bruchweg gegen den VfL Bochum und vielleicht sogar den Rückrundenstart bei Bayer Leverkusen bestreiten.
„Wenn es so kommen sollte, steht eben Loris im Tor“, hegt der Cheftrainer keine Bedenken. Schließlich war der Junioren-Nationalspieler ja nach halbjähriger Ausleihe deswegen fix unter Vertrag genommen worden, „weil er sich gut präsentiert hat und ein aufstrebender junger Torhüter mit Perspektive ist“, wie Manager Christian Heidel betont.
In Karius’ Werdegang lassen sich etliche Parallelen zum Nationalelf-Debütanten Ron-Robert Zieler entdecken. Der verließ einst den 1. FC Köln, um sich bei Manchester United stählen zu lassen; beim bis zum 16. Lebensjahr vom VfB Stuttgart ausgebildeten Karius hieß Manchester City die letzte Station. „Ich habe dort zwei super Jahre verbracht“, sagt er, „als Torwart hat man es schwer in England, aber das bringt einen schon voran.“
Allerdings habe er zuletzt erkannt, dass kein Vorbeikommen an Joe Hart und Shay Given möglich sei. Vom täglichen Training mit dem englischen und irischen Nationalkeeper habe er trotzdem profitiert. Und an Selbstbewusstsein mangelt es ihm ohnehin nicht: „Ich bin ehrgeizig und lautstark. Meine Philosophie ist das moderne Torwartspiel.“
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