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Trainingsauftakt bei Mainz 05: Tuchel setzt nicht auf Methode Magath

Beim Trainingsauftakt des FSV Mainz 05 fordert Trainer Thomas Tuchel von seinen Profis für die Rückrunde mehr mentale Widerstandskraft. Transfers in der Winterpause lehnt Tuchel ab: „Wir sollten die Mannschaft eher beruhigen als ihr zu drohen.“

Mainz-Coach Thomas Tuchel (Archivbild vom 21.12.2011).
Mainz-Coach Thomas Tuchel (Archivbild vom 21.12.2011).
Foto: Bongarts/Getty Images
Mainz –  

Zehn Tage lang hat Thomas Tuchel mal richtig ausgespannt und sich ausnahmsweise nur ganz, ganz wenig mit Fußball beschäftigt. „Ich habe ja auch noch eine andere Lebensaufgabe als Mainz 05“, berichtete der Fußballlehrer am Dienstagmittag. Zwei kleine Töchter zum Beispiel und eine Ehefrau. Die werden den Familienvater fortan wieder seltener zu Gesicht bekommen. am Dienstag bat der seine durchweg nur aus Männern bestehende Zweitfamilie zum Laktattest auf den Kunstrasenplatz hinter dem alten Mainzer Bruchwegstadion.

Tuchel will ganz genau herausfinden, wie hart er seine Spieler beim am kommenden Freitag auf Mallorca beginnenden Trainingslager belasten muss, um das zu erreichen, wovon der Trainer des aktuellen Tabellenvierzehnten der Bundesliga ausgeht. „Ich glaube, dass wir den Anschluss ans Mittelfeld kurzfristig schaffen“, sagte der 38-Jährige.

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Die Witterung auf der Balearen-Insel dürfte dem Klub dabei allerdings nicht entgegen kommen. Pressesprecherin Silke Bannick hat bereits recherchiert und erwartet Tagestemperaturen von allenfalls acht, neun Grad. Das Betriebsklima bei den Rheinhessen, die noch den Jahreswechsel 2010/2011 auf dem zweiten Tabellenplatz verbracht hatten, ist aber allem Anschein nach wärmer als das Wetter am Ballermann. Dort testen die Mainzer gegen einen noch nicht benannten spanischen Drittligisten, nach der Rückkehr gastieren sie am 13. Januar (19 Uhr) beim Drittligisten Kickers Offenbach. Zum letzten Test kommt am 18. Januar (18.30 Uhr) Zweitligist VfL Bochum nach Mainz.

Tuchel wäre nicht Tuchel, hätte er während der freien Tage, für die er seinen bienenfleißigen Kollegen im Trainerteam zu deren Selbstschutz „absolutes Videoverbot für die eigenen Spiele“ erteilte, nicht doch ein paar Mal mit Manager Christian Heidel telefoniert. Angesichts von nur zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 und offenkundigen Problemen, in ausreichender Regelmäßigkeit auch mal sogenannte „dreckige Siege“ einzufahren, könnte der Mainzer Chefcoach jetzt auf neue Spieler drängen. So, wie es sein Kollege Armin Veh bei Eintracht Frankfurt in der zweiten Liga tut oder Felix Magath beim Mainzer Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg. Aber das lehnt Tuchel ab. „Ich glaube nicht daran, mir irgendwelche Alibis verschaffen zu müssen“, betont er.

Es gehöre „zum Verständnis meines Berufs auch dazu, Potenziale zu entwickeln und Vertrauen zu geben.“ Darauf hätten seine Spieler „jedes Recht“. Grundsätzlich ist Tuchel der Meinung: „Wir sollten die Mannschaft eher beruhigen als ihr zu drohen.“

Svensson fehlt

Allenfalls der im letzten Hinrundenspiel in Mönchengladbach erlittene Kreuzbandriss des dänischen Nationalspielers Bo Svensson könnte die Mainzer veranlassen, sich nach einer Alternative für die Defensive umzuschauen. Das wäre nachvollziehbares und seriöses Geschäftsgebaren. Vorne im Angriff dürfte der Ungar Adam Szalai noch einige Zeit brauchen, ehe er auch nur annähernd wieder das ungezähmte Boygroup-Niveau des Herbstes 2010 erreicht. Zu schlimm war die komplizierte Knieverletzung nach dem Zusammenprall mit dem Kaiserslauterer Torwart Tobias Sippel vor knapp einem Jahr. Szalai nahm gestern am Laktattest teil und soll auf Mallorca mit der Mannschaft trainieren. Der Österreicher Andreas Ivanschitz, bester Mainzer der Vorrunde, muss wegen einer Innenbanddehnung, die ihm eine Abwehraktion des Hamburgers Jeffrey Bruma beschert hatte, noch kürzer treten. Nicht dabei war auch Sami Allagui, der Stürmer nimmt mit Tunesien am Afrika-Cup in Gabun teil.

Gerade Svensson (32) und Ivanschitz (28) sind Kerle, die Mainz 05 nicht nur wegen deren individuellen Fähigkeiten benötigt, sondern gerade auch als Anführer bei unwirtlichen Bedingungen. Beide fehlten zum Jahresabschluss im DFB-Pokal beim 0:2 beim Viertligisten Holstein Kiel. Tuchel hatte eigentlich erwartet, „dass die Mannschaft emotional gegen Widerstände Mechanismen findet, so ein Spiel mit purem gemeinschaftlichem Willen zu gewinnen.“ Diese Emotionalität erscheint im drohenden Abstiegskampf dringend geboten.

Tuchel fühlt keinen Druck

„Es wäre gut“, analysiert der Mainzer Trainer, „wenn die Mannschaft es konstant hinbekommen würde, sich dicker zu machen als wir sind und eine nicht so gute Form durch Ausstrahlung zu überspielen.“ Sich selbst glaubt der Trainer indes nicht dicker machen zu müssen als er tatsächlich ist. Dass Präsident Harald Strutz ihm neulich im FAZ-Interview „jede Zeit der Welt“ einräumte, hätte er genauso auch erwartet. „Ich fühl’ mich hier total sicher und hatte auch nach neun Spielen, die wir zwischenzeitlich in Folge nicht gewonnen hatten, nicht den Eindruck, als bekäme ich nicht genügend Zeit“, sagte Tuchel.

Weniger amüsiert wirkte Tuchel darüber, dass Strutz im selben Interview anmerkte, ihm als Vereinschef wäre „es lieber, wenn unser Trainer Journalisten gegenüber die Umgänglichkeiten, die ihn sonst auszeichnen, auch unmittelbar nach dem Spiel an den Tag legen könnte“. Der sanft Gerügte sah gestern nicht so aus, als gehörte dieser gut gemeinte Vorschlag ganz weit oben auf seine persönliche Prioritätenliste für das neue Jahr. Das muss er auch gar nicht. Ein bisschen Reibung gehört dazu.

Autor:  Jan Christian Müller
Datum:  4 | 1 | 2012
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