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Werkself besiegt FSV: Mainz fehlt Wachheit, Wille und Wut

        

Im Fokus: der Mainzer Choupo-Moting (r.) gegen Kadlec.
Im Fokus: der Mainzer Choupo-Moting (r.) gegen Kadlec.
Foto: dpa

Die 2:3-Niederlage in Leverkusen bringt Thomas Tuchel auf die Palme. Der Mainzer Trainer bemängelt das "emotionale Niveau" seiner Mannschaft, die trotz einer guten zweiten Hälfte gegen Bayer weiter nach unten rutscht.

Leverkusen –  

Es lag eine merkwürdige Atmosphäre über dem hell erleuchteten Fußballstadion in Leverkusen, als die Partie der Werkself gegen Mainz 05 abgepfiffen wurde. Zwar gab es einen Sieger, Bayer 04 hatte 3:2 (2:0) gewonnen, gefeiert haben aber nur ganz wenige der 25.000 Zuschauer. „Das ist neu für mich, aber scheinbar muss man hier am laufenden Band 3:0 oder 4:0 gewinnen“, sagte Leverkusens Trainer Robin Dutt verärgert, und fügte süffisant an: „Für junge Spieler wie Danny da Costa wäre es schon schön, wenn sich so ein Erfolg auch wie ein Sieg anfühlen würde.“

Es sind seltsame Probleme, mit denen dieser Standort sich beschäftigen muss.

Immerhin diese Sorge haben Mainzer nicht, doch auch sie waren ziemlich frustriert nach diesem fünften sieglosen Bundesligaspiel in Folge. Die Mannschaft von Thomas Tuchel rutscht immer tiefer in den Tabellenkeller hinein, und wieder einmal war es die erste Halbzeit, die einer Profimannschaft unwürdig war. „Mit dem emotionalen Niveau, mit dem wir da gespielt haben, ist in dieser Liga nichts zu holen“, sagte Tuchel, „wir haben nichts von dem gezeigt, was Mainz 05 ausmacht.“

Tuchel sorgt für den Wandel

Über 44 Minuten mussten die Mainzer Fans warten, bis sie den ersten guten Spielzug ihrer Mannschaft zu sehen bekamen, nach einer Kombination über die rechte Seite, schoss Deniz Yilmaz ans Außennetz. Yilmaz, den die Mainzer im vorigen Sommer von der Reserve des FC Bayern verpflichtet hatten, und den Tuchel als „echten Straßenkämpfer“ bezeichnet, machte sein erstes Bundesligaspiel. Und er nutzte seine Chance eher nicht. In der Halbzeit nahm der Trainer ihn aus dem Spiel, da lagen die Mainzer völlig verdient mit 0:2 zurück.

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Zunächst hatte Pospech eine gefährliche Hereingabe des jungen Leverkusener Außenverteidigers da Costa ins eigene Tor gegrätscht (11.). Und nachdem Manuel Friedrich in der 35. Minuten im Anschluss an eine Ecke zum 2:0 getroffen hatte, da schien die Partie entschieden. „In der ersten Hälfte haben wir fast nicht existiert“, sagte der Mainzer Torhüter Christian Wetklo. Doch irgendwie verwandelte Tuchel seine Mannschaft in der Pause in einen ebenbürtigen Gegner.

Neben Yilmaz blieb auch Anthony Ujah in der Kabine, Marco Caligiuri und der von einem Kreuzbandriss genesene Adam Szalai kamen in die Partie − und plötzlich lebte die Elf.

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In der ersten Hälfte zählten die Statistiker einen einzigen Mainzer Torschuss, am Ende waren es 18. Und zwei dieser Schüsse landeten tatsächlich im Netz. Der Anschlusstreffer fiel, nachdem Bernd Leno einen gut platzierten Kopfball von Eric Maxim Choupo-Moting abgewehrt hatte, Szalai und Eugen Polanski stocherten den Ball quasi gemeinsam zum Ausgleich über die Linie (50). Und keine drei Minuten später traf Caligiuri mit einem hübschen Heber zum Ausgleich.

Schwächen bei Standards

Tuchel hatte perfekt umgestellt, eine zuvor eher träge und sehr einseitige Bundesligapartie nahm Fahrt auf. Denn auch Bayer fing sich nach dieser Phase des totalen Tiefschlafes, drängte auf den Sieg und Lars Bender traf erneut nach einer Ecke per Kopf zum 3:2 (72.). Tuchel kochte innerlich angesichts der Schwächen bei Standardsituationen. „Das ist keine Frage der Zuordnung“, sagte er, „das ist eine Frage der Wachheit, des Willens und auch der Wut.“

Die gute zweite Hälfte war da nur ein schwacher Trost, denn am Ende steht der Klub wieder ohne Punkte da.

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Nimmt man beide Halbzeiten zusammen, dann war der Leverkusener allerdings verdient, wobei die Mainzer in der 90. Minute großes Pech hatten. Michal Kadlec traf Szalais Bein im Strafraum, der fällige Elfmeterpfiff ertönte jedoch nicht. Und nun folgt das Horrorspiel gegen den SC Freiburg am kommenden Wochenende, gegen eine Mannschaft, deren Leidenschaft gerade erwacht ist.

Mit einem Sieg können die Breisgauer sogar an den 05ern vorbei ziehen, und das ausgerechnet in dieser düsteren Phase, die Mainz gerade durchschreitet.

Autor:  Daniel Theweleit
Datum:  23 | 1 | 2012
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