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Atommüll: Versuche mit Radioaktivität

Das Institut für Kernchemie untersucht, welches Gestein für ein Atommüll-Endlager geeignet ist

        

Tobias Reich leitet das Institut für Kernchemie,  das     an der Forschung füreinEndlager beteiligt  ist .
Tobias Reich leitet das Institut für Kernchemie, das an der Forschung füreinEndlager beteiligt ist .
Foto: dapd

Wo künftig ein atomares Endlager für Deutschland entsteht, könnte sich vielleicht auch in Mainz entscheiden. Am Institut für Kernchemie der Universität testet der Wissenschaftler Tobias Reich im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums Gesteine auf ihre Tauglichkeit für ein Endlager. Im Verbund mit sieben anderen Forschungseinrichtungen soll die Mainzer Uni helfen, eine Alternative zu den Salzstöcken in Gorleben und anderswo zu finden.

Für den von Bund und Ländern erstellten Fahrplan zur Endlagersuche ist die Frage nach einem geeigneten Gestein unverzichtbar. Bei den Verhandlungen über ein Gesetz zur Endlagersuche von Bund und Ländern war die Frage zentral, ob der Atommüll in Salz oder Ton gelagert werden soll – die Antwort ist aber offen.

        

Gesucht wird eine Alternative zum Salzstock in Gorleben.
Gesucht wird eine Alternative zum Salzstock in Gorleben.

Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) hat Zweifel an Gorleben als Endlager. Sie schlägt vor, den Salzstock nach schwedischem Vorbild zu einem Forschungslager zu machen, aber nicht zum Endlager. Bei der Suche soll keine Gesteinsschicht ausgeschlossen werden, weder Salz, Ton oder Basalt, sagt Lemke.

Und der grüne Fraktionsvorsitzende Daniel Köbler sagt: „Jetzt ist der Müll da. Und wir wissen: Gorleben ist nicht sicher. Daher ist Gorleben als Endlager heute politisch tot. Daher müssen wir die ergebnisoffene Suche nach einem Endlager forcieren.

Die Forschung ist Teil davon. Im Mainzer Labor untersuchen Reich und sein Team die Ausbreitung radioaktiver Stoffe in Tongestein. Dafür spannen die Wissenschaftler eine kleine Tonstein-Scheibe in einen Metallzylinder, durch einen dünnen Schlauch wird radioaktives Wasser zugeleitet. Nach einiger Zeit messen die Forscher, wie weit die radioaktiven Stoffe in den Ton vorgedrungen sind.

Ihre Experimente haben ergeben, dass Plutonium und Neptunium im Ton nur sehr langsam vorwärtskommen. Zudem macht der Ton das radioaktive Material schwerer löslich, was seine Ausbreitung zusätzlich erschwert. „Die im Ton enthaltenen Eisenmineralien scheinen dabei eine Rolle zu spielen“, erklärt Institutsleiter Reich das Ergebnis. Zum Einschließen der gefährlichen Stoffe wäre Ton demnach gut geeignet.

Auch für den Experten für Nukleartechnik und Anlagensicherheit am Öko-Institut Darmstadt, Gerhard Schmidt, hat Ton einige Vorteile. Jedoch gebe es weder das perfekte Endlager noch das perfekte Wirtsgestein. So leite Ton Wärme weniger gut als Salz, was wegen der Hitze des radioaktiven Abfalls von Nachteil sei. Auch hätten Ton und Tonstein-Formationen von Standort zu Standort unterschiedliche Eigenschaften.

Reich und sein Team arbeiten mit Opalinus-Ton aus der Schweiz, wie man ihn auch in Süddeutschland findet. Gern hätten die Wissenschaftler Ton aus Deutschland verwendet, erklärt Reich. Dann hätte aber der Eindruck entstehen können, dass damit eine Vorauswahl für einen neuen Endlager-Standort getroffen würde. „Ähnlich wie in Gorleben wären dann vielleicht sofort die Wellen hochgeschlagen“, sagt Reich.

Seit dem Sommer arbeiten die Kernchemiker mit Ton, dem Salzwasser zugesetzt wurde. Ton mit hohem Salzgehalt findet man besonders in Norddeutschland. Ob salzhaltiges Gestein Radioaktivität besser einschließt, können die Forscher noch nicht sicher sagen.

Ein Endlager in Norddeutschland würde damit wahrscheinlicher. (dpa/dib)

Datum:  24 | 12 | 2011
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