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12. April 2012

Demenzdorf in Alzey: Im Demenzdorf frei aber stets behütet

 Von Claudia Renner

Ein eigenes Stadtquartier soll Pflegebedürftigen Heimat bieten. Jan Bennewitz, Krankenpfleger und Betriebswirt, ist von der Idee überzeugt. Eine Zusammenfassung.

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Wenn das in Alzey geplante „Demenzdorf“ Wirklichkeit wird, hätte es sofort Interessenten aus einem Umkreis von 50 Kilometern und Pilotcharakter für ganz Deutschland. Davon ist Jan Bennewitz überzeugt. Seit über einem Jahr wirbt der Betriebswirt und gelernte Krankenpfleger für das Projekt, für das sein Beratungsbüro „Bennewitz & Georgi“ als Träger fungieren würde. „Wir nehmen den Menschen ein Stück weit die Angst, ihr gewohntes Leben aufzugeben“, sagt Jan Bennewitz.

Was ist das Besondere?

Die Bewohner leben in zwölf beschützten Wohngruppen zu jeweils zehn Personen. Ihr Umfeld ist nach Lebensstilen differenziert, die für das rheinhessische Einzugsgebiet noch anzupassen wären. Im niederländischen Vorbild „De Hogeweyk“ gibt es zum Beispiel „städtisch“, „handwerklich“, „gehoben“ oder „kulturell“. Die Bewohner können sich innerhalb ihres Stadtquartiers frei bewegen, mit einer eigenen Quartierswährung im Laden einkaufen oder zum Friseur gehen. Wenn sie wollen, können sie bei Alltagsarbeiten wie Kochen, Wäschepflege, Gartenarbeit mitmachen. Motto: „Alltag als Therapie.“

Wie ist die Betreuung geregelt?

Die Pflege leisten ambulante Dienste, Pflegedienste und andere Dienstleister. Neben examinierten Kräften für die medizinische Pflege werden angelernte Kräfte eingesetzt, die die alltägliche Betreuung in den Wohngruppen leisten. Nachts wird die Überwachung durch ein System ähnlich dem „Babyfon“ unterstützt. Bennewitz und Georgi setzen einen Betreuungsschlüssel von 1,2 Kräften je Zehnergruppe an. Dies sei im Vergleich zu stationären Einrichtungen sehr gut.

Wie sieht die Architektur aus?

Der Entwurf des auf Senioren-Immobilien spezialisierten Berliner Architekten Eckard Feddersen sieht ein- bis zweistöckige Wohngebäude mit Einzelhaus-Charakter zu beiden Seiten eines Boulevards vor – dazwischen Grünflächen. Pro Zehner-Wohngruppe gibt es drei Bäder und eine Küche.

Was kostet das?

Der Platz im Demenzdorf soll größtenteils günstiger sein als der klassische Heimplatz. Abgerechnet wird nicht nach den Sätzen für Heime, sondern für ambulante Pflege, um der politischen Forderung nach „ambulant vor stationär“ gerecht zu werden. Träger Bennewitz & Georgi kalkulieren mit einem Eigenteil der Bewohner zwischen 1200 und 1400 Euro im Monat. „Das entspricht maximal dem Niveau des Eigenanteils im Pflegeheim in der Pflegestufe eins“, sagt Bennewitz. Grundlage ist die vom Bundeskabinett beschlossene Anhebung der Pflegesätze in der Stufe zwei auf 1250 Euro und in der Stufe drei auf 1550 Euro.

Was hätte die Region davon?

Zunächst ein zusätzliches Angebot für einen rapide steigenden Bedarf. Der „Demenz-Report“ des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung sieht bis 2025 im Kreis Mainz Bingen eine Steigerung um 59 Prozent auf dann 4500 Personen voraus, für die Stadt Mainz plus 36 Prozent auf 3750. In Alzey-Worms werden 71 Prozent mehr erwartet (2900). Zudem versprechen die Projektierer 80 Vollzeitarbeitsplätze für examinierte Pflegekräfte und angelernte Betreuer. Eine ins Quartier integrierte Tagespflege mit zwölf Plätzen könnte pflegende Angehörige aus der Umgebung entlasten, die ihre dementen Verwandten daheim betreuen.

Was sagen Kritiker?

Der Haupteinwand richtet sich gegen die „Kasernierung“ von Dementen, die in einer Art Ghetto unter sich blieben, statt mittendrin zu sein. Dem halten die Planer entgegen, dass im fortgeschrittenen Stadium für demente Menschen nur mehr das unmittelbare Umfeld zählt und sie sich gar nicht mehr gefahrlos in der Stadt bewegen könnten.

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