Die Stadt Mainz und die rheinland-pfälzische Landesregierung haben bei der Frankfurter Flughafenerweiterung viel zu lange geschlafen und es versäumt, entschlossen der hessischen Landesregierung gegenüberzutreten: Mit dieser Auffassung tritt CDU-OB-Kandidat Lukas Augustin bei der Podiumsdiskussion zum Fluglärm in Hechtsheim auf.
Die Politik könne nur dann Druck machen, wenn die Fluglärmfrage im Mainzer Rathaus zur „Chefsache“ gemacht werde. Will heißen: Ex-OB Jens Beutel habe sich nicht genügend gekümmert.
Der Streit über die richtige Strategie gegen den verstärkten Fluglärm dominiert die Diskussion vor mehr als 300 Menschen unter der Moderation von Wolfgang Eckert vom Verein für ein lebenswertes Rheinhessen.
Im Grunde einig, diskutieren die Kandidaten sachlich, können sich aber die eine oder andere Stichelei und Versäumnisvorwürfe nicht verkneifen. Wer hat wann, warum geschlafen, dass es mit der neuen Landebahn und den neuen Flugrouten ein derart böses, lautstarkes Erwachen für die Mainzer und Rheinhessen gibt?
Man hätte sich schon vor zwölf Jahren mit den Planungen für die neue Nordwest-Landebahn wehren müssen, erklärt Augustin. Das sei die „Kampfansage an die Region gewesen“.
„Kampfansage an die Region“
Nein viel früher, nämlich mit den Protesten gegen die Startbahn-West vor gut 30 Jahren. „Das war bereits die Kampfansage an die Region“, stellt Grünen-Mann Günter Beck klar, der einst selbst im Mörfeldener Wald vor Polizeieinheiten wegrennen musste.
Von einer „Deckelung“ des Status Quo der Flugbewegungen wollen alle drei Kandidaten nichts wissen. Der Fluglärm sei derzeit schon so unerträglich, dass es nur ein Weniger geben könne.
Moderator Eckert fragt Augustin provokant, wie er es denn fand, dass seine Parteivorsitzende Angela Merkel mit großem Brimborium zur Eröffnung der neuen Landebahn hier landete und von einer gewaltigen Verbesserung der Infrastruktur sprach. Antwort des CDU-Kandidaten: „Das war das falsche Zeichen. Und eine Verhöhnung der Menschen.“
Der Christdemokrat sieht „die Politik“ gefordert, nicht die Gerichte, wie Mitbewerber Beck und Ebling. „Wir haben den Primat der Politik. Und die Politik hat bisher versagt“, erklärt er an die Adresse des Ex-OB und die der vorherigen SPD-Landesregierung.
SPD-Kandidat Michael Ebling setzt auf die „Breite“ des Protests. Auch Betriebe gelte es per „Lobbyarbeit“ in den Protest einzubinden. „Nicht klein-klein, sondern eine offene Strategie“ müsse gefahren werden. Die Situation habe sich grundlegend gewandelt, sagt Ebling.
Als Sozialdemokrat sehe er das sogar an den Gewerkschaften, die früher den Erhalt von Arbeitsplätzen hoch-, Belastungen und Gesundheitsgefährdungen aber niedrig gehalten hätten. Auch hier ortet er einen Sinneswandel. Weitere juristische Schritte bis hin zur Verfassungsklage einerseits, Verbreiterung des Protests in immer mehr gesellschaftliche Gruppen andererseits: „Aus beidem wird ein Schuh.“
Beck bleibt skeptisch: „Wenn mir einer erzählt, die Industrie- und Handelskammer würde mit uns gegen Fluglärm marschieren, dann falle ich vom Glauben ab.“ Er setzt auch auf einen Bewusstseinswandel im eigenen Konsum- und Flugverhalten. Ob man im Winter am Flughafen umgeschlagenen Spargel aus Chile oder Trauben aus Indien braucht, bezweifelt er ebenso wie Kontrahent Augustin. „Es kann auch nicht sein, dass man für 86 Euro von Frankfurt nach Berlin fliegen kann, aber 240 Euro für ein Bahnticket zahlt.“ Solche Schieflagen könnten jedoch nur bundesweit gelöst werden.
Beck will das Bundesverwaltungsgerichts-Urteil abwarten und setzt aufs Wachsen des Protests, der „richtig wehtun muss. Wenn wir montags mit 10 000 Menschen dieses Terminal lahmlegen würden, müssen die reagieren“, sagt Beck felsenfest.

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