Friedemann Schrenk ist der 13. Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur. Der Paläanthropologe gehört zu den weltweit führenden Wissenschaftlern seiner Zunft. 1991 entdeckte er in Malawi den bisher ältesten erhaltenen Unterkiefer eines Vertreters der Gattung Mensch. 2,5 Millionen Jahre hat das Fundstück auf dem Buckel.
An der Johannes Gutenberg-Universität wird der gebürtige Stuttgarter zum Sommersemester eine Vorlesungsreihe mit dem Titel „Out of Africa: Zur Globalgeschichte des Homo Sapiens“ halten. „Herr Schrenk war zu dieser Thematik von Anfang an unser Wunschkandidat“, meint Andreas Cesana. Als Vorsitzender der Stiftung „Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur“ freut er sich nicht nur auf den Paläanthropologen Schrenk: „Es ist auch ein glänzender Wissenschaftskommunikator, der sich für sein Fach, die Universität und Afrika sehr engagiert.“
„Es geht um sieben Milliarden Menschen, es geht aber auch um sieben Millionen Jahre Geschichte des Menschen“, fasst Schrenk sein Gebiet kurz zusammen. „Homo sapiens sind wir alle. Es ist die Frage, wie wir unseren Ursprung sehen.“ Dass der Ursprung in Afrika liegt, scheint längst sicher. „Wenn ich das in Europa erzähle, werde ich immer noch seltsam angeschaut. Aber noch seltsamer werde ich in Afrika angeschaut.“
Schrenk will räumliche, biologische und kulturelle Verflechtungen herausarbeiten, die zum heutigen Menschen führen. Dazu zählt auch der Wendepunkt, den sein Fund aus Malawi markiert: „Damals begann die kulturelle Evolution. Die Nahrungsgrundlage änderte sich hin zu hartfaserig und hartschalig.“ Ein Zweig des frühen Menschen entwickelte Riesenzähne zum Zermahlen der Nahrung. „Der andere Zweig löste das anders, nämlich mit Kultur, mit Werkzeugen.“ Dies war der Vorläufer des Homo Sapiens.
„Ich will aber auch die Frage stellen: Was bedeutet es für uns, dass wir aus Afrika stammen? Es wird ja oft gesagt: Afrika hat keine Geschichte.“ Gegen diese irrige Annahme will Schrenk im Sommersemester angehen, so wie er es längst außerhalb der Vorlesungssäle und in Afrika selbst tut. Unter anderem ist er Mitbegründer eines Museumszentrums in Malawi. „Dazu gab es die Diskussion: ,Was brauchen die ein Museum? Da müssen wir Mais hinschicken.' Die Menschen dort sagen aber: ,Wir wollen keinen Mais. Wir wollen Wissen, Bildung.'“

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