„Es war nicht Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Stella Schindler-Siegreich. Als die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde erstmals die Pläne der Neuen Synagoge von Architekt Manuel Herz sah, war sie zurückhalten. Aber der Mann kann offenbar überzeugen. Und heute, wenn mal wieder ein Reisebus am Synagogenplatz hält und eine Schar ausländischer Touristen herausströmt, um das imposante Gebäude zu knipsen, ist sicher: Dieser Bau hat für Aufsehen gesorgt, in Deutschland und international.
Der Verlag Schnell & Steiner hat das Heft zur Neuen Synagoge in der Reihe „Kleiner Kunstführer“ herausgebracht. Es bietet 24 Seiten mit Fotos, Zeittafel und Grundriss und ist für 3 Euro in der Synagoge und im Buchhandel erhältlich.
Architekt Manuel Herz wurde von dem Verlag, der bald 80 Jahre alt wird, 2010 mit dem Kulturpreis „Kunst und Ethos“ geehrt. Schnell&Steiner hat bereits mehrere Publikationen zur jüdischen Kultur der Städte Speyer, Worms und Mainz veröffentlicht. Weitere Informationen auf www.schnell-und-steiner.de.
Wer eine Führung in der Synagoge machen möchte, sollte sich per Formular auf www.jgmainz.de anmelden.
Ulrike und Joachim Glatz haben nun einen kleinen Architekturführer geschrieben. „Wir wollen das Gebäude erklären, denn es gibt viel zu erzählen“, sagt der Denkmalpfleger, der den Synagogenbau jahrelang begleitet hat. Gar nicht so einfach bei einem Gebäude, das allein wegen seiner leicht reflektierenden Keramikfassade bei jedem Besuch einen anderen Eindruck hinterlässt. „Auch in der Reihe der Synagogen-Neubauten der vergangenen Jahre ist das Mainzer Haus eine singuläre Leistung.“
Das Heft beginnt mit einer Geschichte des Judentums in Mainz. Schon im Mittelalter gab es eine blühende Gemeinde. Über Synagogen dieser Zeit ist wenig bekannt, wie es überhaupt wenige Erinnerungsorte aus dieser Epoche gibt. Der Neubau steht auf dem Platz, wo die Hauptsynagoge von 1912 bis zur Zerstörung 1938 stand. Das neue Gemeindezentrum sollte ein Haus der Versammlung, eine Stätte des Gebets und ein Ort des Lernens werden.
Herz hat eine eigene Formensprache entwickelt, einen Traditionsbogen vom Mittelalter zur Gegenwart gespannt, wie die Autoren im Heft erklären. Die stark bewegte Fassade folgt der Kontur des hebräischen Wortes „Keduscha“, was so viel wie Segnung bedeutet. Dieses Wort spielt eine wichtige Rolle im Jugendtum und der Synagoge: Die Wände im Gebetsraum sind überschwemmt von einem schimmernden Meer aus Buchstaben, von Liedern, Gebeten und Geboten. Mit diesem Bau, so schreibt das Ehepaar Glatz, besitze die Gemeinde wieder ein angemessenes Zentrum, einen in die Zukunft gerichteten Entwurf, fest verankert in der langen Tradition der Mainzer Juden.
Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Mainz. Aus der Nachbarschaft informieren wir auf den Seiten über die Stadt Wiesbaden und den Main-Taunus-Kreis.
Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.