Kurz nach 16 Uhr: Sechs Polizisten bahnen sich im Laufschritt einen Weg durch die Menge, Richtung Münsterplatz. Kurze Rücksprache mit den Kollegen vor Ort. Danach zielstrebig auf ein diskutierendes Grüppchen junger Erwachsener zu. Ein Respekt einflößender Rempler, und die Gruppe geht auseinander. Was nun folgt ist vor allem eins: Klare Fronten schaffen aber trotzdem deeskalierend wirken. Was in dieser Situation auch gelingt.
Eine Situation wie viele am Rosenmontag in der Mainzer Innenstadt. Wo viel getrunken wird, kocht das Mütchen hoch, geraten Hitzköpfe aneinander, aus nichtigen Gründen. Und mit fortschreitender Dauer in Richtung Abend immer häufiger. „Im Moment kommen wir nicht dazu, die einzelnen Vorkommnisse zu zählen“, sagt Polizeisprecher Rene Nauheimer am späten Nachmittag auf Nachfrage.
Bis dahin hatte es aus Polizeisicht wenig Spektakuläres zu Berichten gegeben – „wie jedes Jahr“. Das bedeutet in harten Zahlen: 800 Polizisten und 300 Bundespolizisten versuchten, die rund 500.000 Feierwütigen im Zaum zu halten.
Und die hatten vom Morgen an zu tun. Schon um 10 Uhr gab es Ärger, als 15 bis 20 Personen in einem Zugabteil die Sitze aufschlitzten und Fenster demontierten.
460 minderjährige Jugendliche mussten sich kontrollieren lassen. Bei 240 fanden die Polizisten Alkohol oder Zigaretten. Insgesamt mussten die Kontrollierten 107 Liter alkoholische Getränke abgeben, die in den Gully flossen. Dorthin floss natürlich nur der kleinste Teil – das meiste rann durch die Kehlen: „Früher als erwartet“ ging es für die DRK-Helfer am Institut Francais „zur Sache“. Schon gegen Mittag herrschte Hochbetrieb.
Dagegen gab es bei den Johannitern, die in der Martinusschule ihr Lager eingerichtet hatten, noch um 14 Uhr ein angenehm entspanntes Umfeld. „Über die Jahre ist es hier ruhiger geworden“, freut sich Axel Ostertag, der den Einsatz der 120 Johanniter an vier Hilfsstellen leitet.
Die „erste Alkoholspitze“ kurz nach Zugende (17 Uhr) schlägt sich in der Arbeit der 500 Hilfskräfte von DRK, ASD, Maltesern und Johannitern mit 268 Hilfeleistungen und 42 Krankenhaustransporten nieder. „Tendenziell mehr als in den vergangenen Jahren“, bilanziert Einsatzleiter Matthias Hirsch, der „immer wieder beeindruckt ist“ von der schieren Masse der Alkoholpatienten.

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