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08. August 2012

Tattoo-Messe Mainz: Tätowierungen gefragt wie nie

Fans von Tattoos und Piercings können auf der Tattoo-River-Expo in Mainz den Meistern über die Schulter schauen.  Foto: dpa

Künstler aus aller Welt treffen sich bei der Tattoo-River-Expo am Wochenende in Mainz. Dann surren die elektrischen Nadeln der Tätowierer, bohren zahlreiche - oft auch verrückte - Bilder in die Haut. Thomas Köhler hat die Messe organisiert und spricht im Interview über crazy Tattoos und die Faszination des Tätowierens.

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Künstler aus aller Welt treffen sich bei der Tattoo-River-Expo am Wochenende in Mainz. Dann surren die elektrischen Nadeln der Tätowierer, bohren zahlreiche - oft auch verrückte - Bilder in die Haut. Thomas Köhler hat die Messe organisiert und spricht im Interview über crazy Tattoos und die Faszination des Tätowierens.

Thommy Köhler liebt Tattoos. Seit rund 35 Jahren ist der Mitbegründer des Berufsverbands DOT (Deutsche Organisierte Tätowierer) im Geschäft, betreibt die drei South-West-Studios in Mainz, Nidda und Hanau und organisiert derzeit die zweite Tattoo-River-Expo in Mainz.

Haben Sie schon mal „Weck, Worscht und Woi“ tätowiert?

Als Schriftzug noch nicht, Brötchen, Fleischwurstringe und Flaschen aber schon. Allerdings nicht speziell mit Mainzer Bezug.

Ist Mainz ein guter Ort für die Szene?

Ja, das stimmt, und es könnten gern ein paar mehr Besucher kommen als beim Auftakt. Doch wir sind sehr optimistisch, denn das bunte Tattoo-Völkchen verbreitet sich wie ein Virus auf der ganzen Welt. Ich arbeite seit mehr als 30 Jahren in dem Gewerbe, und Tätowierungen sind so gefragt wie nie.

Was haben Sie aus dem Auftakt 2011 gelernt?

Wir wollten einen schönen Sommerevent veranstalten, denn die meisten Conventions sind von Herbst bis Frühjahr. Doch auch dieses Jahr macht das Wetter nicht so richtig mit, man kann sich auf den Sommer nicht mehr verlassen. Wir überlegen, mit der Expo in den Herbst zu gehen, um Besucher nicht vor die Wahl stellen zu müssen: Zur Tattoomesse oder das endlich mal gute Wetter draußen auszunutzen, weil es vorher wochenlang schlecht war.

Es gibt diverse Wettbewerbe bei der Messe. Was erwartet einen bei den „Crazy Tattoos“?

Das sind total verrückte Tätowierungen. Da gibt es jedes Mal Überraschungen, auch für uns. Ich habe in 20 Jahren Tattoo-Convention in Frankfurt, die ich auch veranstalte und die eine der größten ihrer Art ist, viel gesehen. Doch die Leute erstaunen uns immer wieder mit Ideen, etwa mit einem Elefantenkopf auf dem Bauch, bei dem der Rüssel in 3D tätowiert direkt darunter hängt. Oder Mister Cool Ice, der eine nach hinten hängende Sonnenbrille auf die Glatze gestochen hat.

Programm

Mehr als 100 internationale Tätowierer treffen sich bei der zweiten Tattoo-River-Expo von Freitag bis Sonntag, 10. bis 12. August, in der Rheingoldhalle. Fans von Tattoos und Piercings können den Meistern bei der Arbeit zusehen oder sich bei Schmuck-, Textil- und Zubehörhändlern versorgen.

Am Freitagabend gibt es die große After-Show-Party mit Tattoo-Ball in der Rheingold Riverside Bar. Eintritt und Öffnungszeiten: Tageskarte 17,50 Euro, Wochenendticket 48 Euro, Freitag von 15 bis 22 Uhr, Samstag von 12 bis 22 Uhr und Sonntag von 12 bis 20 Uhr.

Infos: www.tattoo-expo-mainz.com. Bilder und Berichte zur Messe 2011 gibt es auf www.ku-rz.de.tattooexpo011.

Was macht einen guten Tätowierer aus und wie kann ein Kunde sichergehen, dass er ein gutes Studio erwischt hat?

Wenn ein Studio dem Verband DOT angehört, ist das schon sehr gut. In dieser Organisation unterwerfen wir uns in Absprache mit dem Gesundheitsamt strengen Auflagen bei Hygiene und Qualität. Was die Kunst selber angeht: Da sind die Geschmäcker verschieden. Ich kann den Leuten nur raten, eine Vorauswahl von Studios im Internet zu treffen und sich dann bei drei oder vier Studios vor Ort ein Bild zu machen, wie sauber und gut sie arbeiten.

Worin liegt die Faszination des Tätowierens?

Darin, dass jeder Mensch seine persönliche Freiheit ausleben kann. Manche Leute, die vielleicht nicht so sprachgewandt oder etwas schüchtern sind, sehen hier einen guten Weg sich mitzuteilen.

Wie viele Tattoos haben Sie schon gestochen und an welche erinnern Sie sich besonders?

Nach fast 30 Jahren, die ich tätowiert habe, kann ich beim besten Willen keine Anzahl nennen. Das Tattoo, das mich am meisten beeindruckt hat, ist in meinem Hanauer Laden entstanden. Da kam eine Oma von 89 Jahren zu mir. Ich dachte erst, die hätte sich verlaufen. Doch sie wollte sich unbedingt einen Jugendwunsch erfüllen, bevor sie diese Erde verlassen muss. Sie sagte, dass sie das im Dritten Reich nicht machen konnte, dass sie aber Tattoos bei Amerikanern und Soldaten immer bewundert habe. Sie hat sich einen kleinen Fisch auf die Schulter stechen lassen.

Die Tätowierer reisen aus den USA, Mexiko, Indonesien und halb Europa an. Welche sind besonders berühmt?

Da die Mainzer Tattoo-Expo noch in den Kinderschuhen steckt, ist hier noch nicht – wie etwa in Frankfurt – die Weltelite vertreten. Aber es sind Craigy Lee aus England, Andy Engel und Body Electric dabei. Außerdem American Tattoo aus den USA und Monkey Tattoo aus Borneo.

Wieso ist Sea Shepherd, eine Organisation zum Schutz der maritimen Tierwelt, dabei?

Ein Freund, der mir bei der Organisation hilft, ist Mitglied bei Sea Shepherd. Da ich seit Jahren in Frankfurt Peta unterstütze, hatte er die Idee, dass man Sea Shepherd in Mainz supporten sollte. Das finde ich sehr gut.

Im Programm findet man auch original polynesische Stammestänze. Was weiß man über den Ursprung der Tätowierkunst?

Die Kunst ist Tausende Jahre alt. Eismensch Ötzi hatte schon Tattoos. Die meisten glauben, dass das traditionelle Tattoo aus der Südsee kommt. Ich war aber gerade in Taiwan auf einer Messe und habe dort gehört, dass auch Chinesen den Anspruch erheben, das Tätowieren schon seit Tausenden von Jahren zu betreiben. Wir werden es wohl nie ganz genau herausfinden.

Das Interview führte Alexandra Schröder

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