Am Aschermittwoch fängt er erst richtig an – der Kampf um das höchste Amt der Stadt. Heute stimmen sich die aussichtsreichsten OB-Kandidaten auf die heiße Phase des Wahlkampfes ein. Lukas Augustin (CDU), Michael Ebling (SPD) und Günter Beck (Grüne) laden jeweils zum Politischen Aschermittwoch ein.
Besonders spannend dürfte es werden, wenn der CDU-Bewerber um 18 Uhr in den Frankfurter Hof bittet. Hat doch Augustin bei zwei Stimmungstests nicht eben gut ausgesehen. Bei einer von Mainzer Rhein-Zeitung und SWR in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage der Universität Mainz lag der Christdemokrat mit 21 Prozent weit abgeschlagen hinter seinen beiden Hauptkonkurrenten. Beck erhielt 32 Prozent, Ebling 37 Prozent.
Auch in einer Umfrage des Instituts dimap sahen die Zahlen für den CDU-Mann nicht besser aus.
Augustin gab sich unbeeindruckt und kündigte eine Offensive nach Fastnacht an. Am heutigen Aschermittwoch also müsste es der eher sachlich-höfliche Kandidat so richtig krachen lassen.
Ihm zur Seite steht heute Abend eine Frau, die auf jeden Fall die Emotionen hochkochen lassen kann: CDU-Landeschefin Julia Klöckner will ihrem Wunschkandidaten im Frankfurter Hof wortgewaltige Schützenhilfe leisten.
Für die CDU geht es bei der OB-Wahl um alles: Im Stadtrat sieht sie sie sich einer Ampelkoalition ausgesetzt, die trotz internen Knirschens bei Abstimmungen stets geschlossen auftritt. Im Stadtvorstand ist kein einziger Christdemokrat mehr vertreten. Ein Oberbürgermeister Augustin hielte die Partei in den Reihen der Macht.
Das will die SPD unbedingt verhindern. Mit einem Stadtchef Michael Ebling wollen die Genossen nicht nur ihre Jahrzehnte währende OB-Tradition fortsetzen, sondern auch ihre eigene Position nach der vergurkten Kommunalwahl langfristig stabilisieren.
Ministerpräsident Kurt Beck wird beim Politischen Aschermittwoch heute um 17 Uhr im Kurfürstlichen Schloss sein gesamtes politisches Gewicht in die Waagschale werfen, um die Parteibasis und SPD-Sympathisanten auf Michael Ebling einzuschwören. Dass der SPD-Kandidat selbst ebenfalls in der Lage ist, das Publikum in einem Saal hinter sich zu bringen, ist bekannt.
Das kann auch Günter Beck. Der Grüne wittert seine große Chance, den Sprung vom bisher zweiten zum ersten Mann im Mainzer Rathaus zu schaffen. Seinen Status als kommissarischer Oberbürgermeister nutzt er seit Jahresbeginn geschickt, um sich einerseits als politischer Macher und andererseits als volksnaher Mainzer zu profilieren.
Zum Politischen Aschermittwoch der Grünen um 16.30 Uhr im Kulturclub „Schon schön“ in der Großen Bleiche 66 hat sich Günter Beck gleich mehrere prominente Unterstützer eingeladen. Allen voran den wortgewaltigen Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin.
Allenfalls Außenseiterchancen werden dem rührigen ÖDP-Kandidaten Claudius Moseler zugebilligt. Er lädt heute um 19.30 Uhr zum Politischen Aschermittwoch ins Weingut Stenner in der Hechtsheimer Grauelstraße 11.
Alle acht Bürgermeister-Kandidaten können bei einer SWR-Diskussion am morgigen Donnerstag, 19 Uhr, im Foyer des Funkhauses, Am Fort Gonsenheim 139, begutachtet werden. Dort werden die Bewerber auch mit den Ergebnissen der vom MRZ und SWR in Auftrag gegebenen Umfrage konfrontiert und können dazu Stellung nehmen.

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