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Neue Komödie von Stephen Frears: Malerische Hölle

In „Immer Drama um Tamara“, zeichnet Stephen Frears den südenglischen Traum einer Dorfidylle. Doch für manchen Teenager ist das malerische Kaff die Hölle auf Erden.

Tamara (Gemma Arterton) in englischer Ideallandschaft.  Foto: prokino

"Immer Drama um Tamara" (im engl. Original „Tamara Drewe“), der neue Film von Stephen Frears, eröffnet mit Panoramen, wie die englische Mutter aller ruralen Wohnzeitschriften, Country Living, sie nicht schöner hätte herrichten können. Fernab von Massentierhaltung und vernutzter Landschaft erblicken wir den südenglischen Traum wirklichkeitsscheuender Stadtflüchtlinge.

Mittendrin in diesem Idyll steht Hausfrau Beth, die ihre abgeschiedene Stonefield Farm, ein Refugium für Schriftsteller, mit hingebungsvollem Glauben an das einzig richtige Landleben pflegt. Die arbeitsame Gattin des berühmten Krimiautors Nicholas Hardiment ist fraglos die perfekte Inkarnation eines Country-Living-Role-Models. Als kreativer Katalysator erledigt sie nicht nur die Fanpost, die Steuern, die Terminkoordination und die Erstellung lesbarer Manuskripte für ihren Gatten, mit erlesenem Gebäck und Köstlichkeiten aus der eigenen biologischen Landwirtschaft verwöhnt sie die schreibenden Gäste des Hauses. Als eine der wenigen Zugereisten pflegt sie sogar Kontakt zur Ureinwohnerschaft, die ihr mitunter zuarbeitet.

Doch mehr als ein Riss geht bei genauerem Hinsehen durch die schöne heile Welt. Da wäre zum einen der erfolgsverwöhnte Nicholas. In seinem Understatement auf schmierige Weise arrogant, untergräbt er mit seiner notorischen Untreue das Selbstwertgefühl seiner Frau.

Der Graben zwischen Landbevölkerung und Zugezogenen ist tief

Und aus der Perspektive eines sozial schwachen Teenagers erweist sich das malerische Ewedown in der Grafschaft Dorset als wahre Hölle. Der Graben zwischen der überwiegend um die Existenz kämpfenden Landbevölkerung und den wohlhabenden Zuzüglern ist tief. Wohl isst man gern die Gans vom Nachbarn, dass diese dafür geschlachtet werden muss, ist dann aber doch zu barbarisch.

Vor diesem unversöhnlichen Klassengegensatz hat Tamara Drewe (Bond-Girl Gemma Arterton) ihren Auftritt. Als Jugendliche hat sie hier eine Zeit lang mit ihrer gerade verstorbenen Mutter gelebt, einst ein eher unauffälliges Mädchen, an das man sich vor allem wegen der sehr prominenten Nase erinnert. Mittlerweile ist sie in London erfolgreiche Kolumnistin einer Klatschspalte und nach einer journalistisch ausgebeuteten Nasenverkleinerung zum sexy Blickfang geworden, dem alle Männer auf Stonefield verfallen. Der attraktive Andy, Sohn eines bankrott gegangenen Bauern, Glen, ein amerikanischer Schriftsteller, der an einem Thomas-Hardy-Roman schreibt und schließlich Beth Gatte Nicholas.

Tamara genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Männer, vergnügt sich wiederum aber mit dem Regenbogenpresse-Dauergast und Punk-Rock-Schlagzeuger Ben. Mit seinem gelbem Porsche jagt er durch die engen Gasse des Dörfchens Ewedown und weckt Fantasien und Begehrlichkeiten bei den beiden weiblichen Jugendlichen Jodey und Casey, die mangels anderer Beschäftigungsmöglichkeiten tagein tagaus an der einzigen Bushaltestelle der Umgebung herumlungern.

„Hüte dich vor gelangweilten Dorf-Teenagern!“ könnte eine der Lehren lauten, die aus dem Film zu ziehen wäre. Denn sie bringen die Verhältnisse zum Tanzen, ein Reigen, der schließlich in einer Kuhstampede sein tragisches Ende findet.

Immer Drama um Tamara, Regie: Stephen Frears, UK 2010, 111 Minuten.

Autor:  Katja Lüthge
Datum:  29 | 12 | 2010
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