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Insolventer Druckmaschinenhersteller: Manroland wird zerschlagen

Der insolvente Druckmaschinenhersteller Manroland wird in drei Teile aufgespalten. Rund 2000 Arbeitsplätze fallen weg, davon mehr als die Hälfte in Offenbach. Die Lübecker Possehl-Gruppe übernimmt das Ruder.

Manroland-Standort in Offenbach
Manroland-Standort in Offenbach
Foto: REUTERS

Der insolvente Druckmaschinenbauer Manroland wird in drei selbstständige Einheiten zerstückelt. Der Standort Augsburg geht an den Lübecker Mischkonzern Possehl. Plauen soll Augsburg zuliefern. Für das Offenbacher Werk gibt es noch keinen Käufer; der soll nach der Sanierung über ein Management-Buy-out erst noch gefunden werden. Das Land Hessen muss die Suche über eine Bürgschaft absichern.

Damit bleiben zwar alle drei Standorte erhalten, die Zahl der Arbeitsplätze aber wird von 6500 auf 2540 gestutzt. Allein im Werk Offenbach mit derzeit 1900 Beschäftigten verlieren 1150 Männer und Frauen ihren Job. Die Belegschaft in Offenbach sei enttäuscht, sagte Marita Weber von der IG Metall.

Drastischer Stellenabbau

Nicht zum Zug kam der US-Finanzinvestor Platinum Equity, der die Übernahme aller drei Werke in Aussicht gestellt hatte. Die Gläubiger hätten sich mit Possehl für einen Investoren entschieden, der an einer langfristigen und eigenständigen Fortführung des Unternehmens interessiert sei, erklärte Insolvenzverwalter Werner Schneider am Mittwochabend. Wie viel die Lübecker Gruppe für den Augsburger Teil von Manroland zahlt, sagte er aber nicht.

Das Rettungskonzept sieht vor, dass Possehl die Augsburger Sparte Rollenoffset als eigenständigen Bereich innerhalb des Konzerns führen wird. Zudem soll der Standort Plauen durch langfristige Lieferbeziehungen gestützt werden. Auch eine spätere Beteiligung an diesem Standort ziehe Possehl in Erwägung. Plauen soll aber zunächst als eigenständige Einheit agieren.

An der Offenbacher Gesellschaft für Bogendrucksysteme wollen sich laut Schneider leitende Angestellte beteiligen; sie sollen den Betrieb aus den roten Zahlen bringen, um ihn für einen Käufer attraktiv zu machen. Investoren aus China seien durchaus „eine Option“, sagte Schneider. „Im Grunde beginnt für Offenbach nun die zweite Runde.“

Die Geschichte von Manroland in Bildern

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Bisher habe die Zeitknappheit bei der Suche nach einer Lösung für den gesamten Konzern verhindert, dass chinesische Geldgeber zum Zuge kamen. Mit Management-Buy-out und Landesbürgschaft hätte man aber für Offenbach eine solide Basis für weitere Gespräche. In Offenbach werden Maschinen für den Werbedruck gefertigt; aus Augsburg und Plauen kommen vor allem große Anlagen für den Zeitungsdruck.

IG Metall: Noch nicht gerettet

Die IG Metall spricht von einer ersten Teillösung. Bisher sei lediglich ein Standort durch einen breit aufgestellten Mittelständler gesichert. Jetzt müssten sich alle Anstrengungen darauf richten, auch für die anderen Standorte tragfähige Lösungen für eine langfristige Fortführung zu finden.

„Manroland ist noch nicht gerettet“, sagte Armin Schild, Bezirksleiter IG Metall Bezirk Frankfurt. Erst in den nächsten Wochen werde sich zeigen, welche Zukunft das Unternehmen in allgemein schwierigen Zeiten der Druckmaschinenbranche habe.

Vom Glanz früherer Jahre ist in der einstigen Vorzeigesparte des deutschen Maschinenbaus nicht mehr viel geblieben. Tausende Stellen wurden schon gestrichen. Der Markt ist gesättigt, die Werke sind nicht ausgelastet, es tobt ein ruinöser Preiskampf. Am Dienstag erst schreckte die Nummer eins der Branche, Heidelberger Druck, mit einer neuen Hiobsbotschaft auf: 2000 weitere Arbeitsplätze sollen weltweit wegfallen.

Branche in der Krise

„Die Branchenerholung wird sich durch die anhaltenden konjunkturellen Unsicherheiten weiter verzögern“, sagte Bernhard Schreier, Vorstandschef von Heideldruck. Was ist passiert? Deutschland ist führend in der Technik des Druckens. Mit Heideldruck, Manroland und Koenig & Bauer haben die drei weltweit größten Konzerne hierzulande ihren Sitz.

Die vergangene Finanz- und Wirtschaftskrise im Sog der Lehman-Pleite hat die gesamte Industrie hart getroffen. Doch anders als andere Branchen konnten sich die Druckmaschinenbauer seither nicht wieder erholen. Mit der Flaute war das Werbe- und Anzeigengeschäft dramatisch eingebrochen. Das bekamen nicht nur Agenturen und Verlage, Zeitungen und Zeitschriften zu spüren. Die Druckindustrie stellte Investitionen in teure Anlagen zurück, der Bedarf an neuen Druckmaschinen schwand.

Mit dem Aufschwung begannen die Unternehmen zwar wieder ihre Werbebudgets aufzustocken. Doch immer mehr Kampagnen wurden vom Print ins Internet verlagert. Mit der Digitalisierung in den Medien, mit dem Siegeszug von Smartphones und Tabletcomputern kam vom Aufschwung nur wenig bei den deutschen Druckereien an.

China, Indien und Brasilien bleiben als Hoffnungsmärkte. Dort herrsche aller Digitalisierung zum Trotz große Nachfrage, heißt es in der Branche. Vor Tagen erst hat Manroland stolz drei millionenschwere Großaufträge aus China gemeldet – wohl auch um sich für potenzielle Käufer attraktiv zu machen. Die Botschaft: Im Reich der Mitte sind die Maschinen aus Offenbach nach wie vor heiß begehrt. China entwickele sich als der mit Abstand größte Einzelmarkt – vor Deutschland.

Längst denken die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten über alternative Produkte nach. In Offenbach wurde die Forderung laut, die werkseigene Gießerei solle auch für andere Firmen tätig werden. Zu deren Kompetenz gehöre etwa das Herstellen von Elementen zur Feinsteuerung und von Getrieben, wie sie in der Autoindustrie, in der Robotik oder zur Herstellung von Windkrafträdern zum Einsatz kämen. Das eröffne neue Geschäftsfelder. Und das sei allemal besser, als einem schrumpfenden Markt hinterher zu sparen.

Autor:  Peter Dietz
Datum:  18 | 1 | 2012
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