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Insolvenz: Manroland zahlt einen hohen Preis fürs Überleben

Manroland beschäftigt in Deutschland rund 5000 Menschen.
Manroland beschäftigt in Deutschland rund 5000 Menschen.
Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Dem insolventem Druckmaschinenhersteller Manroland drohen Zerschlagung und Personalabbau. Von der Bildfläche verschwinden wird das Unternehmen aber wahrscheinlich nicht. Es hätten mittlerweile Investoren Interesse gezeigt - für alle drei Standorte.

Der pleitegegangene Druckmaschinenhersteller Manroland wird voraussichtlich nicht von der Bildfläche verschwinden, aber in mehrere Teile zerschlagen. Darauf deuten die bisherigen Ergebnisse der Investorensuche des vorläufigen Insolvenzverwalters Werner Schneider. „Es liegen inzwischen ernsthafte Interessenbekundungen für alle drei Produktionsstandorte in Augsburg, Offenbach und Plauen vor“, gab Schneider bekannt, nachdem er auch über Weihnachten hinweg Verhandlungen mit potenziellen Käufern geführt hat.

Erfolgreicher Unternehmensretter
Werner Schneider

Werner Schneider, in dessen Händen das Schicksal von Manroland und seiner weltweit 6.500 Beschäftigten liegt, ist ein erfahrener Insolvenzverwalter. Zwei Drittel aller Arbeitsplätze in Sicherheit gebracht hat der 68-jährige Unternehmensretter zum Beispiel beim einstigen Augsburger Bauriesen Walter Bau. Auch beim Kuvertiermaschinenhersteller Böwe Systec oder der Faserfabrik Trevira war der gebürtige Ulmer erfolgreich. Schneider ist Betriebswirt, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Personalunion. Sein erster Insolvenzfall war ein Jaguar-Händler. Heute beschäftigt seine Kanzlei Scheider, Geiwitz & Partner mehr als 200 Experten.

Es gebe zwar auch Interessenten für den Gesamtkonzern, ein Verkauf an zwei oder drei verschiedene Unternehmen aus der Branche sei jedoch die wahrscheinlichste Lösung, hieß es im Umfeld Schneiders.

Noch nichts unterschrieben

„Unterschrieben ist aber noch nichts“, warnte der Wirtschaftsprüfer vor zu großem Optimismus. Ein verbindliches Angebot liege noch nicht auf dem Tisch, bestätigte Manroland-Betriebsratschef Jürgen Bänsch. Dem Vernehmen nach zählen auch deutsche Firmen zu den Interessenten sowohl für den Standort Offenbach als auch für das Zentralwerk in Augsburg. Dabei könne es sich um einen der beiden anderen großen Druckmaschinenbauer im Land handeln, Heidelberger Druck sowie Koenig & Bauer oder einen Maschinenbauer, der sein Produktspektrum in Richtung Druckmaschinen erweitern will.

Namen potenzieller Käufer will niemand offiziell nennen. Als Interessenten im Gespräch sind neben deutschen Maschinenbauern der zum japanischen Canon-Konzern zählende Digitaldrucker Oce, die Wifag Maschinenfabrik aus der Schweiz, die finnische Metso sowie der chinesische Mischkonzern Shanghai Electric, der jüngst den US-Druckmaschinenbauer Goss gekauft hat. Die Aussichten auf einen positiven Investorenprozess, an dessen Ende ein Verkauf der drei Werke steht, haben sich zuletzt verbessert, machte Schneider Hoffnung.

Manroland-Demonstration (8.12.2011)

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Personalabbau wird erheblich sein

Das allein hierzulande 5.000 Menschen umfassende Personal muss gleichwohl mit größerem Stellenabbau rechnen. Am härtesten wird es die Augsburger Zentrale treffen, wo neben dem Rollendruckbereich auch die Verwaltung sitzt.

Selbst im günstigsten Fall eines Verkaufs aller drei Standorte wird der Personalabbau aber erheblich sein, sagte eine mit dem Investorengesprächen vertraute Person. „Eine Halbierung der Belegschaft ist nicht unrealistisch“, sagte sie. An Auffanggesellschaften für die der Pleite zum Opfer fallenden Beschäftigten sollen sich die beiden Manroland-Altgesellschafter Allianz und MAN beteiligen. Für nächste Woche sind entsprechende Zusagen angepeilt.

Lösung muss bis Anfang Februar stehen

Binnen zwei Wochen müsse dann ein Käufer für mindestens einen Manroland-Standort, vorzugsweise Augsburg, präsentiert werden, weil neue Aufträge pleitebedingt derzeit ausbleiben.

„Der Zeitdruck ist immens“, stellte der Insider klar. Allein Augsburg zählt 2 400 Beschäftigte. Weitere 1 900 Beschäftigte arbeiten im Offenbacher Bogendruckbereich. 700 Menschen sind im Werk Plauen beschäftigt, das vor allem dem Standort Augsburg zuliefert.

Der Erhalt möglichst vieler Stellen sei das oberste Ziel der Investorensuche, betonte Schneider. Aber die Uhr tickt. Bis Anfang Februar muss eine Lösung stehen, weil die Arbeitsagentur den noch laufenden Betrieb nur bis Ende Januar finanziert. Dann muss Manroland – gestützt von einem Investor – wieder auf eigenen Beinen stehen.

Bislang sei eine Stornierung von Aufträgen verhindert worden und die Produktion sei auch über Ende Januar hinaus sichergestellt, sagte Schneider. Alles hängt aber davon ab, dass er rasch einen oder mehrere Käufer präsentieren kann, die auch eine langfristige Perspektive für den weltweit drittgrößten Druckmaschinenhersteller bieten. Reißen alles Stricke, wird das 1845 gegründete Traditionsunternehmen geschlossen und abgewickelt.

Die Geschichte von Manroland in Bildern

Bildergalerie ( 9 Bilder )
Autor:  Thomas Magenheim
Datum:  5 | 1 | 2012
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