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Manroland: Eigner geben 24 Millionen

Für die Qualifizierungs- und Transfergesellschaften des insolventen Konzerns stellen die Haupteigner Allianz und MAN 24 Millionen Euro zur Verfügung.

Auch im gefährdeten Werk Offenbach der Manroland läuft die Produktion vorerst weiter.
Auch im gefährdeten Werk Offenbach der Manroland läuft die Produktion vorerst weiter.
Foto: Rolf Oeser/Archivbild
Offenbach –  

Hoffnung für die Beschäftigten von Manroland. Die Haupteigner Allianz und MAN haben zugesagt, rund 24 Millionen Euro für Qualifizierungs- und Transfergesellschaften an den drei Standorten des Konzerns zur Verfügung zu stellen. Damit soll die Not der Arbeitnehmer gemindert werden, die nach einer Insolvenz nicht weiterbeschäftigt werden können.

Die IG Metall begrüßt die Zusagen der beiden Altgesellschafter. Allianz und MAN hätten nach konstruktiven Gesprächen erklärt, dass sie die Beschäftigten „nicht im Regen stehen lassen werden und sich an möglichen Lösungen finanziell beteiligen werden“, sagte Jürgen Kerner, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Manroland und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall am Montag in Frankfurt. „Die Zusagen zeigen, dass beide Konzerne sich ihrer Mitverantwortung für die Arbeitnehmer von Manroland bewusst stellen“, sagte Kerner weiter.

„Die Höhe der finanziellen Beteiligung ist ein Kompromiss. Natürlich hätte es mehr sein können, da mit dem Verlust von vielen Arbeitsplätzen gerechnet werden müsse“, betonte der Gewerkschafter. „Doch die Zeit drängt, bis Ende Januar müssen die Verhandlungen auf betrieblicher Ebene über einen Interessensausgleich und Sozialplan abgeschlossen sein.“ Eine Finanzierung einer Beschäftigungs- und Transfergesellschaft sei ohne eine erhebliche finanzielle Beteiligung der Altgesellschafter nicht darstellbar.

Qualifizierungs- und Transfergesellschaften würden nötig, da weder bei einem Einstieg eines Investors an einem der Manroland-Standorte noch bei einer vorübergehenden Eigenfortführung des Insolvenzverwalters alle Arbeitsplätze erhalten werden könnten.

Zukunftskonzepte gesucht

Nun müsse es darum gehen, bis Anfang Februar zusammen mit dem Insolvenzverwalter und möglichen Investoren Zukunftskonzepte für die Manroland-Standorte zu entwickeln. Hierzu sei auch die Politik gefordert. „Jedes neue Unternehmen braucht finanzielle Unterstützung  in Form von Bürgschaften oder Krediten und dies ohne monatelange Prüfung der Konzepte. So unkompliziert wie man den Banken mit dem Rettungsschirm geholfen hat, so muss nun auch die Unterstützung für die Fortführung von Manroland erfolgen“, forderte Kerner. Hier seien die Wirtschaftsminister und Ministerpräsidenten der beteiligten Länder Bayern, Hessen und Sachsen in der Pflicht.

Kerner kündigte an, dass die IG Metall und die Betriebsräte die Aktivitäten der Politik, des Insolvenzverwalters und möglicher Investoren weiter konstruktiv und kritisch begleiten werden. Ziel sei es, an allen Standorten möglichst viele Arbeitsplätze dauerhaft zu erhalten und unvermeidbaren Arbeitsplatzabbau so zu gestalten, dass die betroffenen Arbeitnehmer in der Region alternative Arbeitsplätze finden könnten.

Großaufträge aus China

Dafür gibt es auch gute Nachrichten: Der insolvente Druckmaschinenbauer  hat drei Großaufträge aus China in seine Orderbücher schreiben können. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, bringen die bestellten Maschinen eine Summe „im unteren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“ in die Kasse. Für das angeschlagene Unternehmen ist das ein wichtiger Erfolg im Ringen um den Fortbestand.

Für Bogenoffset-Maschinen habe sich China im vergangenen Jahr als der mit Abstand größter Einzelmarkt erwiesen – vor Deutschland und Brasilien. Dieser Trend setze sich nun fort, teilt der Konzern mit. Im Reich der Mitte seien die Maschinen von Manroland nach wie vor sehr begehrt.

So habe die Jiangsu Post Printing Factory in der westchinesischen Stadt Changzhou  bei der Erweiterung ihres Maschinenparks erneut auf ein Offenbacher Drucksystem gesetzt und eine Vierfarben-Maschine „Roland 700 HiPrint“ bestellt. Das Unternehmen gehört  zur Jiangsu Post-Gruppe und ist auf Postdrucksachen sowie Postdienstleistungen spezialisiert. Vor allem Grußkarten werden auf den Offenbacher Maschinen produziert.

100 Millionen Neujahrskarten

Noch vor einigen Jahren habe die Jiangsu Post Printing Factory Neujahrskarten in zweistelligen Millionenauflagen gedruckt, heute seien es rund 100 Millionen. Laut Management hat das westchinesische Druckhaus in den vergangenen drei Jahren neue Produktionsrekorde aufgestellt und erfreue sich an einem jährlichen Wachstum von 20 Prozent.

Die Manroland AG mit weltweit rund 6500 Mitarbeitern hatte Ende November vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet, nachdem die Haupteigner Allianz und MAN dem verlustreichen Unternehmen den Geldhahn zugedreht hatten. Der Insolvenzverwalter will bis zum Ende des vorläufigen Insolvenzverfahrens am 31. Januar 2012 wesentliche Teile des Unternehmens verkaufen, um den Geschäftsbetrieb fortzuführen und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Manroland hat Standorte in Augsburg, Offenbach und Plauen in Sachsen.

In Offenbach fertigen 1900 Beschäftigte Maschinen für den Bogendruck. Abnehmer sind große Druckereien, aber auch eher mittelständisch geprägte Hersteller von Druck-Erzeugnissen für Werbezwecke. Im Werk Augsburg werden Maschinen für die kriselnde Zeitungsbranche montiert.

Autor:  Peter Dietz
Datum:  9 | 1 | 2012
Kommentare:  2
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