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Manroland in der Krise: Manroland vor der Entscheidung

Während der insolvente Druckmaschinenhersteller Manroland ums Überleben kämpft, muss auch Heideldruck, der weltgrößte Druckmaschinenbauer, Stellen kappen. Die gesamte Druckmaschinen-Industrie steckt in der Krise.

Wie geht's weiter bei  Manroland?
Wie geht's weiter bei Manroland?
Foto: dpa

Schon vor Beginn der Verkaufsverhandlungen war klar: Wer Manroland übernimmt, muss unpopuläre Entscheidungen treffen, muss viele Stellen rasieren, muss das Unternehmen völlig neu aufstellen. Denn nicht Manroland alleine geht es schlecht, die gesamte Druckmaschinen-Industrie steckt knietief in der Krise.

Hoffnung für Fachkräfte

Die von Arbeitslosigkeit bedrohten Ingenieure und Mechaniker des insolventen Druckmaschinenherstellers Manroland haben vergleichsweise gute Chancen auf eine neue Stelle. Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg herrscht bundesweit großer Bedarf an qualifizierten Leuten. Trotz Verkauf des Unternehmens mit Werken in Augsburg, Offenbach und Plauen droht dramatischer Stellenabbau. Die IG Metall sieht Hunderte Stellen in Gefahr.

Maschinentechniker hätten im vergangenen Monat an vierter Stelle der „Top Ten der Arbeitskräftenachfrage“ gestanden, so die Arbeitsagentur. Demnach werden bundesweit 33.600 Experten gesucht. Laut dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) fehlten zuletzt allein in Bayern 15.200 und in Hessen 7.400 Ingenieure verschiedener Fachrichtungen; in Hessen entfällt nahezu die Hälfte der nicht besetzten Stellen auf den Maschinen- und Fahrzeugbau.

Die Pleite von Manroland im vergangenen November kam unerwartet, aber nicht wirklich überraschend. Denn vom Glanz früherer Jahre ist in der einstigen Vorzeigesparte des deutschen Maschinenbaus nicht mehr viel geblieben. Tausende Stellen wurden schon gestrichen. Der Markt ist gesättigt, die Werke sind nicht ausgelastet, es tobt ein ruinöser Preiskampf.

Während in Augsburg, Plauen und Offenbach 6.500 Manroländer um ihre Zukunft bangen, schreckt die Nummer eins der Branche, schreckt Heidelberger Druck mit einer neuen Hiobsbotschaft auf: 2.000 weitere Arbeitsplätze sollen weltweit wegfallen, teilte der weltgrößte Druckmaschinenbauer am Dienstag mit. Um die Existenz von Heideldruck zu sichern, will das Management die Kosten um 180 Millionen Euro drücken und die Fertigungskapazität um 15 Prozent drosseln.

Gewinnzone außer Sicht

„Die Branchenerholung wird sich durch die anhaltenden konjunkturellen Unsicherheiten weiter verzögern“, sagt Bernhard Schreier, Vorstandschef von Heideldruck. Seit 2008 hat der Konzern bereits jede fünfte Stelle gestrichen und ist damit auf knapp 157.00 Mitarbeiter geschrumpft. Die Gewinnzone ist dennoch weiterhin außer Sicht.

Kein Wunder also, dass Heideldruck nicht als Käufer von Manroland zur Verfügung stand. „Ich sehe für uns keinen Bewegungsspielraum“, sagt Schreier zu dem Thema. Als Bieter blieben letztlich nur zwei Branchenfremde: der Lübecker Mischkonzern Possehl und der US-Finanzinvestor Platinum Equity.

Die Geschichte von Manroland in Bildern

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Was ist passiert? Deutschland ist führend in der Technik des Druckens. Mit Heideldruck, Manroland und Koenig & Bauer haben die drei weltweit größten Konzerne hierzulande ihren Sitz. Jeder Verbraucher hat in seinem Leben schon Erzeugnisse in den Händen gehalten, die auf deren Maschinen gedruckt wurden – Zeitungen und Plakate, Werbebroschüren und Geschäftsberichte.

Die vergangene Finanz- und Wirtschaftskrise im Sog der Lehman-Pleite hat die gesamte Industrie hart getroffen. Doch anders als andere Branchen konnten sich die Druckmaschinenbauer seither nicht wieder erholen. Mit der Flaute war das Werbe- und Anzeigengeschäft dramatisch eingebrochen. Das bekamen nicht nur Agenturen und Verlage, Zeitungen und Zeitschriften zu spüren. Die Druckindustrie stellte Investitionen in teure Anlagen zurück, der Bedarf an neuen Druckmaschinen schwand.

Mit dem Aufschwung begannen die Unternehmen zwar wieder ihre Werbebudgets aufzustocken. Doch immer mehr Kampagnen wurden vom Print weg ins Internet verlagert. Mit der Digitalisierung in den Medien, mit dem Siegeszug von Smartphones und Tabletcomputern als Informations- und Werbeträger kam vom Aufschwung nur wenig bei den Druckereien an.

Von diesem Trend betroffen sind vor allem Bogendruckmaschinen, eine Spezialität von Heideldruck. Auch Manroland fertigt solche Anlagen in seinem Offenbacher Werk. Käufer sind große Druckereien sowie eher mittelständisch geprägte Hersteller von Printerzeugnissen für Werbezwecke. In Augsburg montiert Manroland vor allem große Rollenmaschinen für die Zeitungsbranche. Doch die Tagespresse leidet nicht nur in Deutschland unter stetig sinkenden Auflagen.

China, Indien und Brasilien bleiben als Hoffnungsmärkte. Dort herrsche aller Digitalisierung zum Trotz große Nachfrage, heißt es in der Branche. Vor Tagen erst hat Manroland stolz drei millionenschwere Großaufträge aus China vermeldet – wohl auch um sich für potenzielle Käufer attraktiv zu machen. Die Botschaft: Im Reich der Mitte sind die Maschinen aus Offenbach nach wie vor heiß begehrt. Und China entwickelt sich als der mit Abstand größte Einzelmarkt – weit vor Deutschland.

Rettungsschirm gefordert

Kurios: Auch die hohe Qualität der eigenen Produkte erschwert den Absatz. Druckmaschinen sind langlebig. In nicht wenigen Druckereien stehen noch Maschinen aus den 1950er Jahren, die noch für einfache Aufgaben genutzt werden. Umsatz bringen hier Serviceleistungen wie Wartung und Beratung sowie der Verkauf von Ersatzteilen. Die mehreren Millionen Euro, die eine einzige neue Maschine einbringen würde, können diese Einnahmen aber nicht ersetzen.

Längst denken die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten über alternative Produkte nach. In Offenbach wurde die Forderung laut, die werkseigene Gießerei mit rund 60 Leuten solle auch für andere Firmen tätig werden. Zur deren Kompetenz gehöre etwa das Herstellen von Elementen zur Feinsteuerung und von Getrieben wie sie in der Autoindustrie, in der Robotik oder zur Herstellung von Windkrafträdern zum Einsatz kämen. Das eröffne neue Geschäftsfelder. Und das sei besser als einem schrumpfenden Markt für riesige Druckmaschinen hinterher zu sparen.

Seit der Manroland-Pleite verlangt die IG Metall, Bund und Länder mögen ein Rettungsschirm für die gesamte Maschinenbausparte aufspannen – unter Einbeziehung aller großer deutscher Spieler. Schließlich sei die Branche wie die Banken auch systemrelevant: Von Manroland & Co. sei eine ganze Zulieferindustrie abhängig, die eine Vielzahl von Arbeitsplätzen stelle. (mit dpa/dapd)

Autor:  Peter Dietz
Datum:  18 | 1 | 2012
Kommentare:  1
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