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Manroland: Zeit zum Durchatmen

Die Beschäftigten von Manroland schöpfen Hoffnung und sind hoch motiviert. Nach den Entlassungen vieler Kollegen stürzen sich die Übriggebliebenen mit Feuereifer in die Arbeit.

Für die Mitarbeiter von Manroland ist es schwer, viele ihrer Kollegen gehen zu sehen.
Für die Mitarbeiter von Manroland ist es schwer, viele ihrer Kollegen gehen zu sehen.
Foto: Monika Müller

Thomas Vetter aus dem Print Technology Center bei Manroland spürt wieder Hoffnung: Dass mit der Langley Holding ein Investor für den Offenbacher Druckmaschinenhersteller gefunden wurde, lässt den 49 Jahre alten Drucker aufatmen. Die wochenlange Zitterpartie, ob und wie es mit dem Unternehmen weitergeht, ist zu Ende. Zumindest zunächst einmal. Was der neue Investor für die Zukunft bringt, kann Vetter noch nicht einschätzen. Aber er ist froh, dass er keine Heuschrecke sein soll – nach allem, was man so hört.

Zu Ende ist auch die quälende Zeit des Abschiedsnehmens. „Mit Tränen in den Augen haben die Kollegen auf Wiedersehen gesagt“, erzählt Vetter. „Ich wusste nicht, was ich ihnen sagen sollte.“ Immer neue Kollegen kamen für ein letztes Adieu. Thomas Klassert versuchte in den letzten Januartagen, sich in die Arbeit zu stürzen, weil er die vielen Abschiede nicht ertragen konnte. Er hielt den Kopf immer schön im Innern seiner geliebten Druckmaschinen. „Diese Schicksale – ich hatte einen so netten Kollegen, Familienvater, der steht jetzt auf der Straße“, sagt er sichtlich betroffen. Im Print Technology Center, wo Vetter und Klassert Kunden die laufenden Druckmaschinen vorführen, arbeiteten im Januar 56 Personen. Seit 1. Februar sind es noch 28. Das funktioniert nur, weil die die Planzahlen um etwa die Hälfte reduziert wurden.

Die Insolvenz

Die britische Holding Langley übernimmt das Offenbacher Druckmaschinenunternehmen Manroland. Das wurde gestern bekannt. Dort sind jetzt 860 Personen beschäftigt.

Ende November hatte Manroland Insolvenz angemeldet. Damals hatte das Unternehmen zuletzt 4700 Beschäftigte in Deutschland. Daraufhin wurde der Offenbacher Standort von den Standorten Augsburg und Plauen getrennt. In Offenbach arbeiteten 1750 Menschen.

In Offenbach mussten am 31. Januar rund 900 Beschäftigte den Betrieb verlassen und in eine Qualifizierungsgesellschaft wechseln.

Ähnlich sieht es in der Abteilung Forschung und Entwicklung aus. Dort waren früher 350 Leute beschäftigt, jetzt sind es 200. Das gleiche Bild in der Produktion: Der ehemalige Auszubildende Johannes von Engelmann, der im Januar seinen Abschluss zum Mechatroniker machte, ist zwar wie alle Azubis übernommen worden. Doch die Abteilung Montageband G 3, wo er jetzt eingesetzt wird, ist von 35 auf 17 Beschäftigte geschrumpft.

Nur noch eine Schicht

Die Abläufe zur Herstellung der besonders großen Maschinen R 900 und R 900 XXL bleiben gleich. Aber anstatt zwei Schichten wird nur noch eine gefahren. Das bedeutet auch, dass die Zulagen für den Spätdienst entfallen. Doch die Kollegen wollen nicht klagen. Die Normalschicht sei eh besser, sagt einer. „Die Stimmung ist durchwachsen“, sagt Frank Winter (52) vom Montageband G 3. „Es weiß ja keiner, was jetzt kommt.“

Marcus Pabsch vom Product Marketing möchte den Blick nach vorne richten. „Die letzte Zeit war bitter, aber jetzt können wir durchatmen“, sagt der 40-Jährige. Auch seine Abteilung verkleinerte sich von vier auf zwei Kollegen. „Wir bauen doch Superprodukte. Die Kunden brauchen nur Gewissheit, dass es weitergeht, dann verkaufen wir wieder“, wirft Thomas Vetter ein. Der Mann sagt das nicht auf Bestellung. Die Begeisterung für die Roland 700 Hiprint, eine Sechs-Farb-Maschine plus Lackwerk, steht ihm im Gesicht geschrieben. Er zeigt, was sie alles kann: Lackeffekte auftragen, die Farben exakt so drucken, wie der Kunde es verlangt.

Stolz verweist er auf Ergebnisse, wie sie in großen Bögen aus der Maschine kommen: Russische Zigarettenpackungen, Etiketten für Bier, Kartons für Parfüm. „Die Verpackung hat doch Zukunft. Wenn die armen Länder auch erst mehr Produkte kaufen“, sagt er. Die verbliebene Mannschaft ist motiviert – daran lässt Vetter keinen Zweifel.

Der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) begrüßt die Übernahme Manrolands durch die Briten. „Die industrielle Kompetenz Offenbachs“ sei gesichert, teilt er mit. Die Stadt ziele darauf, Standort für Unternehmen mit hochwertigen Produkten zu sein. Mit der Weiterführung des Betriebs habe die Drucktradition auch in Zukunft ein ökonomisches Standbein. Die Lithographie wurde von Alois Senefelder 1800 erstmals in Offenbach angewendet.

Autor:  Madeleine Reckmann
Datum:  3 | 2 | 2012
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