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Doping: Marathon mit zweifelhaften Rekorden

Unheimlich ausdauernd: New-York-Marathon-Sieger Geoffrey Mutai.
Unheimlich ausdauernd: New-York-Marathon-Sieger Geoffrey Mutai.
Foto: dapd

Kenianische Asse verschieben die Bestmarken im Marathon in unheimliche Sphären. Der Erfolg von Geoffrey Mutai in New York zeigt Kenias Dominanz. Gleichzeitig läuft der Zweifel mit. Insider beschuldigen Kenias Läufer schon länger des Dopings.

Berlin –  

Die im Umlauf befindlichen Summen sind mittlerweile ebenso schwindelerregend wie die atemberaubenden Bestmarken. Um stolze 200.000 Dollar ist Geoffrey Mutai seit Sonntag nach seinem Sieg beim legendären New-York-Marathon reicher – 130.000 Dollar brachte ihm der Sieg ein, weitere 70.000 Dollar der neue Streckenrekord von 2:05:06 Stunden. Zehn Jahre lang hatte die alte Bestmarke des Äthiopiers Tesfaye Yifar (2:07:43) bestanden, nun pulverisierte der 30-Jährige auf den Straßen von Staten Island, Brooklyn, Queens und der Bronx bis nach Manhattan, über fünf Brücken und fast 400 Höhenmeter, diesen Rekord im Marathon.

Auf jeder flacheren Strecke wäre der in der Höhenluft der Provinz Rift Valley geborene Läufer wohl unter 2:03 Stunden ins Ziel gerannt.

Geoffrey Mutai läuft Streckenrekord in New York

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Dass der mit ihm nicht verwandte Emmanuel Mutai, 27, sogar 635.000 Dollar einstrich – 135.000 Dollar als Zweitplatzierter, eine halbe Million als Sieger der zweijährigen Saisonwertung der World Marathon Majors − passte ins Bild. Kein Rekord ist vor den schnellen Kenianern sicher, die 2011 alle Preise abräumen.

Doping-Anschuldigung von Matschiner

Geoffrey Mutai ist als Ältester von neun Geschwistern in der Höhenluft der Provinz Rift Valley aufgewachsen und das besondere seiner Tempojagd ist, dass er auf Unabhängigkeit größten Wert legt. Pflichttrainingslager des Verbandes Kenya Athletics besucht er ungern. „Kenianer haben eine andere Kultur, sie brauchen ihre Freiheiten, das müssen wir verstehen“, sagt sein Manager Gerard van der Veen, unter dessen 45 betreuten Athleten sich auch Wilson Kipsang befindet, der in Frankfurt mit der zweitschnellsten je gelaufenen Zeit (2:03:42) verblüffte.

„Mir wird fast schwindlig“, hatte Renndirektor Jo Schindler beim Blick auf die Bestzeiten seines Rennens in der Vorwoche zugegeben, als die Top Ten in einer Durchschnittszeit von 2:05:45 unterwegs waren – weniger als drei Minuten pro Kilometer, mehr als 20 Kilometer pro Stunde schnell.

Frankfurt-Marathon 2011

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Schindler erklärt die Hatz damit, dass die meisten Kenianer die einst typische Karriere über die Mittelstrecken auf der Bahn, den beschwerlichen Weg über Cross- und Hindernisläufe auslassen – und sich stattdessen gleich im Marathon verdingen, wo das Geld auf der Straße liegt. Für Athleten. Und für Manager.

In dieser Funktion hat sich auch ein gewisser Stefan Matschiner für Mittel- und Langstreckenläufer aus Kenia verdingt, und was der als Dopingdealer enttarnte Österreicher 2010 in seiner Beichte „Grenzwertig“ verriet, klingt nicht gut für die Klientel. „Ich musste nicht aktiv auf sie zugehen, manche kamen ganz offen auf mich zu und fragten, ob ich nicht ,special vitamins‘ für sie besorgen könne. Es lag ihnen offenbar daran, im direkten Duell mit ihren Landsleuten, die bei anderen Managern unter Vertrag standen, nicht benachteiligt zu sein.“

Wer läuft in London?

Nur maximal drei Teilnehmer in jeder Leichtathletikdisziplin darf eine Nation bei den Olympischen Spielen 2012 stellen. Das macht für die Langstreckenläufer-Nation Kenia die Nominierung für den Marathon in London zur Qual. Möglich, dass Weltmeister Abel Kirui, in Daegu in 2:07:38 Stunden siegreich, außen vor bleibt, weil die Zeit nicht taugt, um unter die 20 besten Kenianer zu kommen, die die Weltrangliste anführen.

Auch Frankfurt-Sieger Wilson Kipsang muss bangen - trotz seiner weltweit zweitschnellsten Zeit. Nach welchen Kriterien der kenianische Verband entscheidet, bleibt bislang undurchsichtig. Vermutlich sind es nicht nur sportliche.

Der Sportmanager, der einst den österreichischen Radstar Bernhard Kohl mit Dopingmitteln versorgte, behauptet: „Es hatte sich offenbar bis ins letzte Dorf herumgesprochen, mit welchen Methoden man in Europa arbeitet, um aus Hoffnungs- echte Leistungsträger zu machen.“ Dass die Kenianer stets als Begabungen und selten des Dopings bezichtigt werden, wischt Matschiner beiseite: „Natürlich sind sie wegen ihrer Herkunft bevorteilt. In der Spitze ist es bei denen also genau wie überall. Warum sollte es bei den Kenianern anders sein, als bei anderen Nationen.“

Marathon: Die Kontrollen sind lückenhaft

Zudem hat das Kontrollsystem in Afrika größte Lücken. Auf dem ganzen Kontinent gibt es seit der Suspendierung des Analyse-Instituts in Tunis nur noch ein einziges von der Welt-Antidopingagentur akkreditiertes Labor, das Urinproben untersucht. Das Labor, das erst seit 2010 auch Blutanalysen durchführen kann, liegt weit weg von Kenia − im südafrikanischen Bloomfontein. Blutanalysen haben bis 2009 in Afrika gar nicht stattgefunden. Das gab der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) am Rande der WM 2009 in Berlin zu. Blutprofile sind ein frommer Wunsch. Und Trainingskontrollen, die die IAAF angeordnet hat, betreffen längst nicht jeden. Im von der IAAF veröffentlichten Testprotokoll für 2010 fehlen tatsächlich die Namen der Fabelzeitläufer Kipsang oder Mutai.

Wer ihren Manager van der Veen mit dem Verdacht unerlaubt erhöhter Ausdauerleistung im Marathon konfrontiert, erntet energischen Widerspruch. In diesem Jahr zählten beide zur Gruppe der von der IAAF kontrollierten Marathon-Läufer, „bei denen ist kein Doping im Spiel“. Sondern? „Das Level geht höher und höher. In Qualität und Quantität. Im nächsten Jahr wird der erste Läufer einen Marathon in 2:02 Stunden schaffen.“ Daran bestehen tatsächlich wohl die wenigsten Zweifel.

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Autor:  Frank Hellmann
Datum:  8 | 11 | 2011
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