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Frankfurt-Marathon 2011: Der Marathon hat viele Helden

Die Begeisterung des Publikums ist beim Frankfurt-Marathon 2011 ungebrochen. Um zukünftig noch mehr Langlaufwillige auf die Strecke schicken zu können, will die Stadt nun die zu engen Streckenabschnitte auf den Prüfstand stellen.

Bunt zieht man die Blicke auf sich:  Günter (Mitte) und seine Freunde aus dem clownesken Quartett.
Bunt zieht man die Blicke auf sich: Günter (Mitte) und seine Freunde aus dem clownesken Quartett.
Foto: Michael Schick

Die letzte Stunde vor dem Marathon ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Die einen bemühen sich noch einmal um Ruhe vor dem Sturm auf die 42,195 Kilometer lange Strecke und sitzen mit geschlossenen Augen irgendwo in den Messehallen an einer Wand. Andere stürzen sich frühzeitig ins Getümmel rund um die Startlinie.

Sie suchen in einer letzten Umarmung den Beistand ihrer Angehörigen oder posieren mit Gleichgesinnten für ein Foto, das später, wenn sie am Ende ihrer Kräfte sein werden, an frischere Zeiten erinnern soll. So wirklich nervös erscheinen aber nur diejenigen, die sich kurz vor dem Start notgedrungen in die langen Schlangen vor den Dixi-Klos auf dem Vorplatz des Messeturms einreihen mussten und denen die Zeit davonzurennen scheint.

Horst Jendrasch gibt sich dagegen ganz cool. Inmitten des Ameisenhaufens der erstmals mehr als 15.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen plaudert der 75-Jährige noch gut gelaunt mit Journalisten, als die dunkelhäutigen Rekordjäger bereits hinter die rot-weiße Startleine gedrängt werden. Für ihn ist das alles noch mehr Routine als für die Profis aus Kenia: Der Läufer der TuS Hornau ist zum 30. Mal dabei und gehört damit zu einem Quartett von Laufbegeisterten, das alle bisherigen Frankfurter Marathons absolviert hat. Erst als Sportdezernent Markus Frank (CDU) auf der Sprechertribüne bereits den Arm zum Startschuss in die Höhe streckt, drängt sich Jendrasch, noch immer lächelnd, zu seiner Tempogruppe durch.

Frankfurt-Marathon 2011

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Frankfurt-Marathon 2011: Bunte Vögel

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Die Masse setzt sich in Bewegung. Fast 20 Minuten wird es dauern, bis die ganz am Ende Stehenden über die rote Matte unter dem luftigen Starttor gelaufen sind und damit per Chip ihre individuelle Zeitmessung in Gang gesetzt haben. Die Schnellsten sind dann bereits – auf der anderen Seite – zum zweiten Mal durch die Friedrich-Ebert-Anlage gesprintet.

Doch so ernst wie sie nehmen viele dieses Anrennen gegen die eigenen körperlichen Grenzen nicht: Rolf etwa, der mit drei Mitstreitern als Clown verkleidet mit roter Perücke und bemaltem Gesicht auf die Strecke geht. Normalerweise buhlt er in seinem lustigen Outfit um Spenden; diesmal jedoch will der Teilzeit-Witzbold einfach nur dabei sein und neben den neugierigen Blicken der Zuschauer am Streckenrand auch einen größeren Teil von deren Begeisterungsfähigkeit auf sich ziehen. Die scheint auch nach so vielen Jahren ungebrochen, was vor allem in der Innenstadt zu beobachten und zu hören ist.

Auf dem Opernplatz etwa, an dem jeder achtmal vorbei kommt, der die Herausforderung zu Ende bringt, sorgen Tröten, Pfeifen, Klatschen, Jubelrufe, aber auch die von der Fressgass herübergetragenen Trommelrhythmen einer Sambagruppe für stetige Motivation. Zum ersten Mal richtig laut wird es, als Jan Fitschen als bester Deutscher über die Ziellinie läuft, was auf einer monumentalen Videoleinwand mitten auf der zu gesundem Essen verleitenden Bio-Meile bestens zu beobachten ist.

Mit dem Schweinehund um die Wette laufen

Eine ältere Dame an den Bio-Biertischen davor bleibt jedoch ganz ungerührt. Sie wartet, mit diversen Fan-Utensilien bewaffnet, auf ihren Mann, und der braucht noch bestimmt zwei Stunden, bis er wieder diesen Ort passiert. Überhaupt scheint die Stimmung im Laufe der Zeit ebenso zu steigen wie die Zahl der an der Strecke Wartenden. Die wahren Helden des Marathons kommen für die meisten nämlich nicht aus Kenia oder Äthiopien, sondern sind die eigenen Bekannten und Verwandten, die vielleicht zum ersten und einzigen Mal mit ihrem Schweinehund um die Wette laufen.

„Kathrin, du bist die Beste“, prangt es da auf einem Transparent oder „Achtung Renntier – du schaffst es, Conny“ auf einem neu kreierten Verkehrsschild. Am Ende werden die meisten das Ziel in der Festhalle erreicht haben und dort mit Discolicht und ohrenbetäubender Musik empfangen werden. Ihren Traum haben sie sich dann erfüllt; die bittere Realität aber ist, dass die Beine so sehr schmerzen, dass auf dem Heimweg selbst die Treppen runter zur U-Bahn wie ein kaum zu überwindendes Hindernis erscheinen.

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Die Organisatoren zeigten sich mit dem „fantastischen Rennen“, so Renndirektor Jo Schindler, ebenso zufrieden wie die Vertreter der Stadt – auch wenn Sieger Wilson Kipsang aus Kenia den erhofften Weltrekord um vier Sekunden verfehlt hat.

Für die Zukunft, so Stadtrat Frank, müsse man nun schauen, „wie man die Flaschenhälse wegbekommt“, um eventuell noch mehr Langlaufwillige auf die Strecke schicken zu können. Limitierender Faktor ist dabei in erster Linie die Festhalle mit ihrem nur sechs Meter breiten Einlauftor; aus der Halle kommt zudem nicht jeder Finisher schnell wieder heraus.

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Autor:  Katja Sturm
Datum:  31 | 10 | 2011
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