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Marathon Frankfurt 2014
Frankfurt-Marathon am 26. Oktober 2014: Wir berichten mit vielen Bildern.

25. Oktober 2012

Frankfurt Marathon 2012: „Es laufen Menschen und keine Maschinen“

Jo Schindler lässt als Renndirektor den Frankfurt Marathon ständig weiter wachsen.Foto: Boeckheler

Jo Schindler, der Renndirektor des Frankfurt Marathon, äußert sich im Interview zur Chance, am Sonntag den Weltrekord zu brechen und zur Gefahr, in die Dopingfalle zu tappen

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Jo Schindler, der Renndirektor des Frankfurt Marathon, äußert sich im Interview zur Chance, am Sonntag den Weltrekord zu brechen und zur Gefahr, in die Dopingfalle zu tappen

Jo Schindler, 53, steht im elften Jahr dem Frankfurt Marathon als Renndirektor und Organisator vor. Der älteste Stadtmarathon geht auf eine ganz besondere Rekordjagd: Zum einen wird die Veranstaltung mit 16000 Läufern erstmals wohl komplett ausgebucht sein, zum anderen soll der Kenianer Patrick Makau seinen eigenen Weltrekord brechen.

In der Frankfurter Innenstadt sind bereits die blauen Linien auf dem Asphalt. Was löst der Anblick bei Ihnen aus?

Wenn die Strecke markiert ist, beginnt bei mir das Kribbeln, weil es nur noch wenige Tage bis zum Start sind. Es ist ja der Weg, der den schnellsten Weg in die Festhalle weist.

Das Frankfurter Motto 2012 lautet „laufend besser“. Sogar Ihr Streckenchef Dieter Bremer spricht von einer Mission, um die 2:03:37 Stunden zu erreichen. Was spricht für einen Weltrekord?

Vorweg: Vor vier, fünf Jahren wären wir sicherlich nicht so weit gewesen, um einen Patrick Makau zu verpflichten. Wir hatten dazu das Glück, dass für ihn ein Start im Rahmen der World Marathon Majors-Wertung, also in Berlin, Chicago oder New York nicht im Vordergrund stand, und Makau vom kenianischen Verband nicht für die Olympischen Spiele nominiert wurde. Diese Gelegenheit haben wir beim Schopfe gepackt. Für einen Weltrekord haben wir alle Hausaufgaben gemacht; an der Strecke gefeilt, entsprechende Konkurrenten und Tempomacher verpflichtet. Der Weltrekord ist möglich, aber er ist nicht zwingend.

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Erklären Sie das.

Es hängt zu viel von der Tagesform und vom Wetter ab. Nach den Wetterprognosen könnte es beim Start am Sonntag zwischen null und sechs Grad sein – das wäre ein bisschen zu kalt. Und wenn beispielsweise dann eine 2:03:45 herauskommt, bin ich auch nicht enttäuscht. Das wäre immerhin die schnellste Zeit des Jahres (bisher Geoffrey Mutai 2:04:15 in Berlin; Anm. d. Red.). Wir können nicht einfach einen Startknopf drücken und da kommt am Ende eine Bestzeit raus: Es laufen Menschen und keine Maschinen.

Die Flut von Fabelzeiten in den vergangenen Jahren hat nicht nur verdächtig gewirkt, sondern ARD-Recherchen haben Hinweise geliefert, dass Doping auch unter Kenias Topläufern verbreitet ist. Wie ist Ihre Haltung?

Unsere Linie ist da seit Jahren klar. Erstens: Wir laden niemand ein, der jemals positiv erwischt wurde. Zweitens: Wir machen bei den Zielkontrollen mehr, als uns vorgegeben wurde und testen beispielsweise auch auf Epo. Drittens: Wir zahlen das Preisgeld erst nach den Ergebnissen der Kontrollen aus. Und viertens: Bei Athleten bestimmter Manager sind wir vorsichtig.

Dass es aber bis heute keine Blutpässe beim Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) gibt, kann den Veranstaltern aber doch nicht gefallen, oder?

Das gefällt uns auch nicht, und wir denken, dass die IAAF in dieser Hinsicht mehr machen müsste. Nur wir als Veranstalter können so etwas nicht auffangen – wir können kein Kontrollsystem in Kenia durchführen. Die IAAF sammelt schon Blutwerte in einer Datenbank, aber gibt das nicht so offensiv nach außen…

Der Weltklasseläufer Mathew Kisorio hat behauptet, in den kenianischen Trainingszentren würden Ärzte Dopingdienste anbieten. Schürt deshalb nicht jede Bestzeit aktuell Argwohn?

Das würde ich nicht sagen: Leistungen von Topläufern lassen sich über Jahre genau nachverfolgen. Und bleiben wir bei Patrick Makau: Der ist aus meiner Sicht ein glaubwürdiger Athlet, weil er auch als völlig Unbekannter über Jahre auf den Unterdistanzen herausragende Leistungen gebracht hat. Der hätte früher doch gar nicht die finanziellen Möglichkeiten gehabt, um zu dopen. Und heute ist er einer der am meisten kontrollierten Athleten.

Bei Lance Armstrong sind die Kontrollen nutzlos gewesen.

Dieser Fall zeigt doch eigentlich, dass man Doping nicht vertuschen kann. Es gab bei ihm ja positive Tests. Dass diese allerdings unter den Tisch fielen, hatte ja eher mit seinem Netzwerk, seiner Macht und seiner Einschüchterung zu tun.

Wie würden Sie reagieren, wenn in Frankfurt wie nach dem diesjährigen Hamburg Marathon herauskommen würde, der Sieger wäre gedopt?

Das kann auch uns passieren. Der Sportler würde kein Preisgeld bekommen und seine Antrittsprämie wäre weg. Ich könnte da nicht leichtfertig drüber hinweggehen, aber deswegen stirbt eine Marathon-Veranstaltung nicht gleich. Weder bei den Sponsoren noch bei den Freizeitläufern.

Interview: Frank Hellmann

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