Marathon Frankfurt 2014
Frankfurt-Marathon am 26. Oktober 2014: Wir berichten mit vielen Bildern.

26. Oktober 2012

Frankfurt Marathon 2012: Marathon-Hoffnungen aus Hessen

 Von Frank Hellmann
Debüt in Frankfurt über 42,195 Kilometer: Lisa Hahner. Foto: BMW/Annegret Hilse (10/2012)

Sören Kah und Lisa Hahner haben vor nicht allzu langer Zeit noch Fußball und Tischtennis gespielt. Beim Frankfurt Marathon 2012 sind die Quereinsteiger die deutschen Hoffnungsträger.

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Das gemeinsame Fotoshooting führte in der Mittagszeit ans Mainufer. Sören Kah und Lisa Hahner haben dabei für den Frankfurt Marathon 2012 vor der Skyline posiert, obgleich die Hochhaus-Silhouetten noch im Nebel lagen. Dass die beiden dieser Tage herumgereicht werden, kann einer Laufszene nur gefallen, die immer wieder über fehlende nationale Gesichter klagt. Sören Kah, 30, aktuell im Frankfurter Stadtteil Rödelheim beheimatet, und Lisa Hahner, 22, derzeit an der Mainzer Gutenberg-Universität eingeschrieben, sind als deutsche Hoffnungsträger unterwegs.

Kah sagt, er peile eine Zeit von 2:13:59 Stunden an, „ich will es defensiv angehen“. In Hamburg hatte er im Frühjahr mit 2:14:25 Stunden aufhorchen lassen und gilt seitdem als Lichtblick bei den deutschen Marathon-Männern. „Ich finde nicht, dass wir wirklich in der Krise stecken“, erklärt der Blondschopf, „Jan Fitschen ist in Berlin auch stark gewesen.“

Ziel: Olympia 2016

War mal Fußballer, ist jetzt Marathonläufer mit Olympia-Optionen: Sören Kah.
War mal Fußballer, ist jetzt Marathonläufer mit Olympia-Optionen: Sören Kah.
Foto: Michael Schick

Von sich selbst sagt er: „Seit meinem Trainingslager in St. Moritz bin ich obenauf.“ Wochenumfänge von bis zu 260 Kilometern absolvierte der 1,83 Meter große Athlet, an dessen hagerer Statur bei 63 Kilo Körpergewicht nichts mehr daran erinnert, dass sich dieser Mann mit etlichen Pfunden mehr einst beim Bezirksligisten SC Birlenbach als Fußballer verdingte. „Ausgerechnet im Aufstiegsspiel habe ich mir vor sechs Jahren beim Torjubel das Kreuzband gerissen.“

Dass er sich danach dem Laufen verschrieb und einen phänomenalen Aufstieg nahm, hat ihm schon diverse Ehrungen eingebracht. Sein langfristiges Ziel: die olympischen Spiele 2016 in Rio. Eine starke Vorstellung ist dem von Lutz Preußner betreuten Läufer am Sonntag deswegen wichtig, „weil bestimmt 50 Freunde, Kollegen und ehemalige Mitspieler an der Strecke sind.“

Wink des Schicksals

Auf ähnliche Unterstützung darf Lisa Hahner hoffen. Die wichtigste Verbündete der in Fulda geborenen Läuferin gibt dabei auf dem Fahrrad ihre Zwillingsschwester Anna Hahner ab, die jüngst beim Berlin-Marathon in 2:30:37 Stunden ins Ziel hetzte. „Ich habe mir eine 2:32 vorgenommen – 2:30 sind ein zu großes Risiko.“ Die zierliche Blondine gibt schließlich am Main ihr Debüt über die 42,195 Kilometer, und die Furcht vor dem „Mann mit dem Hammer“, der nach 30, 35 Kilometer jedem Starter droht, hegt eben auch eine bestens präparierte Athletin, die vom Trainer Wolfgang Heinig betreut wird.

Anna und Lisa Hahner haben keine klassische läuferische Grundausbildung durchlaufen, „wir haben bis vor ein paar Jahren nur Tischtennis gespielt und Jiu-Jitsu gemacht.“ Nun lautet ihre Vision, gemeinsam bei der Leichtathletik-WM nächstes Jahr in Moskau im Marathon zu starten.

Genau wie Sören Kah haben auch die Hahner-Geschwister einen Wink des Schicksals gebraucht, um sich den trainingsintensiven Strapazen des Laufsports auszusetzen. „Mich hat damals ein Vortrag von Joel Kelly fasziniert.“

Ein unkompliziertes Duo

Sinngemäß habe der ehemalige Sänger und bekennende Ausdauerspezialist gesagt, man solle das, was man sich vornimmt, sofort umsetzen. „Und dann bin ich mit meiner Schwester am nächsten Tag losgelaufen.“ Der Startschuss vor fünf Jahren sei bis heute eine Riesenmotivation, „vor zwei Wochen habe ich Joel Kelly in Haslach im Kinzigtal persönlich kennengelernt – er ist jetzt der größte Fan von uns beiden.“

Lisa Hahner und Sören Kah besitzen die Gabe, ihre ungewöhnlichen Geschichten auf eine rührende Art zu erzählen. Christoph Kopp, der Sportliche Leiter, verspricht sich eine Menge von dem unkomplizierten Duo. „Sören kann die Szene beleben und hat noch fünf, sechs gute Jahre vor sich. Ich hoffe, dass er am Sonntag nicht zu lange die Handbremse drin hat.“ Und Lisa Hahner? „Sie fängt ihre Marathonkarriere ja erst an. Den Schwestern können die nächsten Jahre gehören.“ Das gestrige Fotoshooting dürfte nicht das letzte gewesen sein.

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