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08. September 2015

Frankfurt Marathon: Der Spagat des Arne Gabius

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Letzter Lauf auf der Bahn: Arne Gabius beim 10 000-Meter-Lauf der WM in Peking.  Foto: imago/Chai v.d. Laage

Arne Gabius, der beste deutsche Langstreckenläufer, hat eine Zielzeit für den diesjährigen Frankfurt Marathon versprochen - und steht in Frankfurt zwischen Rekord und Rechtfertigung.

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Eine Bestmarke anzustreben, ist das eine. Arne Gabius aber kündigt sie voller Überzeugung auch noch an. „Der Rekord wird fallen. 2:08 oder 2:07 Stunden: Warum nicht? Ich kann so schnell sein.“ Der beste deutsche Langstreckenläufer hat eine Zielzeit für den diesjährigen Frankfurt Marathon versprochen, die in jüngerer Vergangenheit hierzulande in der darbenden Langläufer-Szene in die Rubrik Realitätsverlust verortet worden wäre. Der deutsche Rekord über 42,195 Kilometer stammt schließlich aus belasteten DDR-Zeiten: Jörg Peter rannte am 14. Februar 1988 in Tokio 2:08:47 Stunden. Der in Stuttgart beheimatete Gabius, der im Vorjahr auf Anhieb bei seinem beifallumtosten Debüt in der Mainmetropole die viertbeste deutsche Marathonzeit aufstellte (2:09:32), sieht sich dafür gerüstet, am 25. Oktober in der Festhalle die Annalen umzuschreiben. „Von meinem Training spricht vieles dafür, dass ich es kann.“ Seit Juli schrubbt er teilweise Wochenumfänge von bis zu 260 Kilometern in rekordverdächtigen Sphären.

"Kenia eines der korruptesten Länder der Welt."

Deshalb war sein 10 000-Meter-Rennen bei der Leichtathletik-WM in Peking, wo er als 17. vom späteren Sieger Mo Farah (Großbritannien) sogar überrundet wurde, gleichbedeutend mit seinem Abschied von der Bahn. „Ich war der zweitälteste in dem WM-Team“, so der 34-Jährige, „da ist es ein logischer Schritt, der Bahn Goodbye zu sagen.“ Drei, vier Jahre will er nun auf der Straße das schaffen, was Generationen deutscher Läufer nicht hinbekamen. Ihr Problem glaubt Gabius zu kennen: „Viele Quereinsteiger, die keine leichtathletische Grundausbildung genossen oder komplett die Schnelligkeit vergessen hatten.“ Er bringe die bessere Basis mit.


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Aber ist nicht auch Vorsicht geboten? Von den ARD-Dopingenthüllungen ist speziell auch die dominierende kenianische Läufer-Szene betroffen. Mit dem Dopingexperten und Filmemacher Hajo Seppelt hat sich Gabius in Peking getroffen, weil er in vielerlei Hinsicht eine andere Meinung vertritt. „Mir kam das so vor wie der deutsche Elefant im Porzellanladen: herumpoltern und sich dann wundern, dass er nicht mehr in das IAAF-Council gewählt wird.“ Nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, reiche nicht aus. „Klar war ich erschrocken, als ich die Bilder mit den Spritzen in der Tiefkühltruhe gesehen habe.“ Und aus eigener Erfahrung – Gabius hat ein Trainingslager in der Läufer-Hochburg Eldoret abgehalten – kann er behaupten, „dass Kenia eines der korruptesten Länder der Welt ist.“ Nur gebe es auch in Deutschland noch viel zu tun.

Der ausgebildete Arzt, der später mal als Sportmediziner oder in der Prävention arbeiten möchte, kennt die Materie zur Genüge, verspürt aber nur indirekten Rechtfertigungsdruck. Die Videobotschaft von Robert Harting vor der WM fand er aktionistisch, weil vom Zeitpunkt unpassend. Gabius: „Ich kann dieses Thema vor einem Wettkampf nicht zu nah an mich ranlassen. Ich darf nicht am Start stehen und denken: Ich bin sauber, alle anderen sind gedopt.“

Es ist ein Teufelskreis

Der einst eng mit Dieter Baumann verbandelte 5000-Meter-Europameister von 2012 hat auf seiner Homepage inzwischen die Blutwerte aus dem Kontrollsystem Adams offen gelegt, sogenannte Off-Score-Werte. Wohlwissend: Daraus sind zunächst nur Rückschlüsse auf Epo-Missbrauch, aber nicht auf Bluttransfusion möglich. Im Training ist Gabius in diesem Jahr sechsmal kontrolliert worden.

Es ist gerade ein Teufelskreis, in dem sich Athleten wie Veranstalter einer Ausdauerdisziplin bewegen. In Frankfurt, wo vor vier Jahren der Kenianer Wilson Kipsang nur um vier Sekunden den damaligen Weltrekord verfehlte und vor drei Jahren der ehemalige Weltrekordhalter Patrick Makau gewann, wird in diesem Jahr die Hatz nach einem Weltrekord – Dennis Kimetto mit 2:02:57 in Berlin 2014 – nicht mehr mitmachen. Aber in erster Linie deshalb, weil ein Hauptsponsor fehlt. Dadurch klafft im Etat eine Lücke von 500 000 Euro. Organisator Jo Schindler setzt darauf, dass sein Rennen unter dem Gold Label der IAAF auch mit deutschen Zugpferden – bei den Frauen startet Lisa Hahner – ein Erfolg wird. Für Gabius hat das noch einen Vorteil: Er kann den ältesten deutschen Stadtmarathon sogar gewinnen.

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