Hinter der Ziellinie jedes Marathons bieten sich dieselben Bilder. Erschöpfte wie glückliche Athleten offenbaren die ganze emotionale Bandbreite. Ständige Beobachter der Frankfurter Veranstaltung konnten an „einem Traumtag“ (Renndirektor Jo Schindler) sich aber nicht erinnern, dass schon mal so viele der fast 10.000 Finisher fast erstaunt auf ihre Puls-, Digital- oder Armbanduhren geblickt hatten. Denn in der Breite wie in der Spitze purzelten persönliche Bestzeiten.
So endete der kenianisch-äthiopische Zweikampf nicht nur bei den Männern, sondern auch bei den Frauen in einem neuen Streckenrekord: Die 29-jährige Caroline Kilel (2:23:25) aus Kenia ließ sich mit tatkräftiger Unterstützung ihres als Tempomacher fungierenden Ehemannes von der vier Jahre jüngeren Dire Tune (2:23:44) letztlich nicht einholen und pulverisierte damit den fünf Jahre alten Streckenrekord der Russin Alewtina Biktimirowa (2:25:12). Dazu trug natürlich „das Traumwetter“ (Lauflegende Herbert Steffny) bei: Pünktlich nach dem Startschuss am Messeturm durchschnitten die Sonnenstrahlen den Morgennebel, und nicht mal in den Straßenschluchten wehte ein Windzug. Dazu herrschten Temperaturen von 13, 14 Grad. „Bessere Bedingungen kann es kaum geben“, befand Christoph Kopp, der Sportliche Leiter.
Neuer Titelsponsor
Der 62-Jährige hat zusammen mit Schindler, 51, die laufende Rekordjagd am Main mit Bedacht vorangetrieben. Zur Weiterentwicklung gehört, dass nach dem vorzeitigen Ausstieg der Commerzbank als Titelsponsor (die FR berichtete) ein noch zahlungswilligerer Finanzier gefunden ist: Für die nächsten vier Jahre steigt BMW als wichtigster Geldgeber ein – die bayrischen Autobauer werden ab 2011 auch neuer Namenssponsor für den Berlin-Marathon.
Schindler erhofft sich von der Zusammenarbeit, die der Veranstaltung rund 500.000 Euro jährlich einbringen soll, einen wichtigen Fingerzeig: „Der Laufsport ist ein schlummernder Riese, der noch wachgeküsst werden muss.“ Frankfurt hat nunmehr seinen Status als drittwichtigster deutscher Marathon gefestigt, „und jetzt wollen wir im internationalen Ranking noch weiterkommen“, gibt Kopp als Devise aus. Dieter Baumann hält theoretisch gar einen Weltrekord in der Bankenmetropole für möglich.
Wegen dieser Perspektiven fiel nichts ins Gewicht, dass die Zahl der Marathonläufer (12.475) ganz leicht rückläufig war. Schindler: „Wir wollen hier weiter internationalen Spitzensport mit der Spitzenleistung im Breitensport zusammenbringen.“ Neue Wege im Marketing sind vorgesehen, um vermehrt internationale Teilnehmer anzulocken. Die neuen Schallmauern dürften indes nicht mehr leicht zu unterbieten sein. „Uns hat der liebe Gott geholfen, dieses Rennen war ein Glücksfall, und damit habe ich wirklich ein Problem fürs nächste Jahr“, sinnierte Schindler eingedenk von Wilson Kipsangs Fabelzeit, „denn was machen wir jetzt zum 30. Geburtstag?“ Da wusste wohl schon einer, dass sich Traumtage eben nicht auf Knopfdruck wiederholen lassen.