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Interview mit Chris McCormack: "Es ist eine Frage des Überlebens"

Die Triathlon-Legende Chris McCormack im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über die Lust am Leiden und die Aussichten beim Ironman Frankfurt.

Noch liegt der Australier vorne: Timo Bracht und Chris McCormack auf den letzten Kilometern des Ironman Frankfurt 2009 - das Rennen gewann der Deutsche Bracht.
Noch liegt der Australier vorne: Timo Bracht und Chris McCormack auf den letzten Kilometern des Ironman Frankfurt 2009 - das Rennen gewann der Deutsche Bracht.
Foto: Getty

Herr McCormack, Triathlon wird seit etwa 32 Jahren als Sport betrieben. Seit 21 sind Sie vorne dabei − eine Legende...

...ich sehe mich nicht als Legende, sondern als einen, der dem Sport seit dessen Kindertagen verfallen ist.

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Haben Sie schon mal ans Aufhören gedacht?

Vor ein paar Jahren hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mit 37 Jahren immer noch dabei bin. Aber in Hawaii im vergangenen Jahr lagen Leute vor mir, die zwei bis drei Jahre älter waren. Triathlon ist eigentlich von älteren Männern zu dem gemacht worden, was er heute ist. Es ist für mich hart geworden, weil ich in einer anderen Lebensphase bin. Die ganze Reiserei nervt, und ich besteige ein Flugzeug nicht mehr mit derselben Begeisterung wie früher.

Wann soll also Schluss sein?

Ich höre auf, wenn mir danach ist: Ich bin aber von meinen physischen und psychischen Fähigkeiten in der Lage, zu konkurrieren. In dieser Saison war ich bei allen Rennen, an denen ich teilgenommen habe, ganz vorne dabei .Es gibt kein Alter in unserem Sport − es ist an den jungen Sportlern, uns dazu zu bringen, abzutreten. So lange ich siege, frage ich mich, weshalb ich aufhören sollte.

Ihnen wird nachgesagt, eine große Klappe zu haben, Sie wirken aber irgendwie auch altersmilde?

Ich habe doch gesehen, wie hart mein Vater im echten Leben gearbeitet hat. Ich mache etwas, was ich liebe; es gibt doch nicht viele Leute, die dieses Glück haben. Was es mittlerweile hart macht, ist eben die Verantwortung für Frau und Kinder. Das war anders als ich Anfang 20 war. Damals wollte und musste ich jedes Rennen gewinnen.

Einige Top-Triathleten machen in Frankfurt nicht mit, weil es zeitlich zu nahe an Hawaii liegt. Die Zeit für Regeneration sei zu kurz. Für Sie ist das wohl kein Problem, oder?

Ich glaube ernsthaft, dass die weniger guten Resultate der deutschen Triathleten in Kona (auf Hawaii; Anmerk. d. Red.) in den vergangenen Jahren damit zu tun haben, dass an sie so große Erwartungen in Frankfurt gestellt wurden. Und wenn man die Siege von Stadler und Al-Sultan in Hawaii betrachtet, stellt man fest: In den Jahren ihrer Siege hatten sie nicht so gute Rennen in Frankfurt beziehungsweise in Roth. Das ist das Problem für Bracht oder Raelert: Deren Sponsoren erwarten natürlich einen Sieg in Deutschland.

Ursprünglich wollten Sie nicht in Frankfurt starten, sind dann aber doch noch eingestiegen?

Ich hatte einen Vertrag für zwei Jahre − und erstmal ist niemand mit einer Verlängerung an mich herangetreten. 2008 habe ich gewonnen, 2009 war ich Dritter, und ich war auf Kona fokussiert. Aber ich bin halt eine gute Vergleichsmarke für die Besten − der Frankfurter Veranstalter ist vor acht Wochen an mich herangetreten. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch in der Vorbereitung für Halbdistanz-Rennen, also habe ich im Training nicht ganz die Umfänge für die lange Distanz gemacht. Aber mein Tempo ist gut, und wenn es heiß wird, ist das noch besser für mich. Dann werden manche der Konkurrenten früh leiden, und bei Temperaturen von 36, 37 Grad ist sowieso niemand schnell unterwegs: Das ist dann eher eine Frage des Überlebens.

Interview: Oliver Bechmann

Autor:  Oliver Bechmann
Datum:  2 | 7 | 2010
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