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Marathon Frankfurt 2014
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06. Juli 2012

Ironman: Ärger zwischen Frankfurt und Roth

 Von Frank Hellmann
Ja, wo kraulen sie denn?  Foto: dpa/Boris Roessler

Zwischen dem Ironman Frankfurt und der Traditionsveranstaltung in Roth tobt vor dem zeitgleichen Start am Sonntag eine heftige Schlammschlacht.

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Frankfurt –  

Andreas Raelert hat wirklich lieb gelächelt bei der Frage. Um dann mit jener Diplomatie zu antworten, die sich der Weltklasse-Triathlet eben auch antrainiert hat. Frankfurt oder Roth? Ein professionell organisiertes Ironman-Event, das auf seinen Flair in der Großstadt setzt oder eine historisch gewachsene Triathlon-Veranstaltung, die ihren Charme aus ländlicher Idylle zieht?

„Beide setzen eine Benchmark, beide spielen in der ersten Liga“, hat der beste deutsche Langstrecken-Triathlet diagnostiziert, um dann auch sein Bedauern über diesen Fakt auszudrücken: „Es ist natürlich unglücklich, dass beides an einem Tag stattfindet.“

In der Tat. Diesen Sonntag erfolgt in Frankfurt für 2800 Einzelstarter der Startschuss am Langener Waldsee, gleichzeitig werden in Roth 3200 Teilnehmer im Main-Donau-Kanal auf die Kultstrecke geschickt. Die gegenseitige Konkurrenz kommt wie ein Schildbürgerstreich einer Randsportart daher, die sich selbst kannibalisiert.

Längst tobt hinter den Triathlon-Kulissen ein erbitterter Kampf um Marktanteile und Macht. Hier die in die Hände eines profitgierigen amerikanischen Finanzinvestors gelangte World Triathlon Corporation (WTC), die das weltweite Ironman-Label verbreitet; dort die traditionsbehaftete Familie Walchshöfer, die eine basisorientierte Challenge-Serie kreiert hat. Felix Walchshöfer, der das Erbe des 2007 verstorbenen Herbert Walchshöfer fortführt, erhebt im Gespräch mit dieser Zeitung nicht nur schwere Vorwürfe wegen der Terminkollision am Wochenende („äußerst ungeschickt“), sondern berichtet von einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem neuen WTC-Chef Andrew Messick wegen dessen aggressiver Expansionspolitik.

Zur Abzocke verkommen

Die Ironman-Dachorganisation habe auch erneut ein Übernahmeangebot getätigt. „Es gab wieder die Anfrage, ob wir nicht verkaufsbereit wären.“ Ist der 32-Jährige aber nicht: „Das wäre nicht im Sinne meines Vaters, der Roth mit Blut, Schweiß und Tränen als familienfreundliches Festival aufgebaut hat. Zu unserem Rennen kommen die Sportler, weil sie wollen; nach Frankfurt gehen sie, weil sie müssen, weil sie sonst nicht die Hawaii-Qualifikation kriegen.“

Roth war bis 2001 mit dem Ironman-Alleinstellungsmerkmal gesegnet, ehe Begründer Kurt Denk für Frankfurt von der WTC die Lizenz erwarb. Als der Ironman-Organisator Kai Walter von Walchshöfers Angriff erfuhr, standen dem 44-Jährigen im 21. Stock des Frankfurter Athletenhotels im Mainufer die Schweißperlen auf der Stirn. „Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Der Ironman läuft absolut nicht in die falsche Richtung, sondern wir sind mit unserem Spirit auf dem richtigen Weg.“ Walter beteuerte, er sei doch nur dem engen Terminkalender gefolgt, am 1. Juli sei der Ironman Klagenfurt, am 15. Juli das Rennen in Zürich angesetzt.

„Für uns ist das eine globale Frage. Aber wir haben das Ohr am Athleten.“ Genau das negiert die Konkurrenz. Walchshöfer: „Die Zahlen sind doch eindeutig: Wir waren innerhalb von drei Stunden ausgebucht, in Frankfurt hat es diesmal acht Wochen gedauert. Und Regensburg hat 1000 Teilnehmer verloren.“ Der Ironman sei zur Abzocke verkommen, so Walchshöfer, der beteuert, keine persönlichen Animositäten gegen Walter zu hegen. „Das Problem ist ja, dass er und Rolf Aldag an der strengen Leine der WTC liegen.“

„Der Kunde entscheidet“

Dafür spricht, dass der als Ironman-Direktor Deutschland angestellte Aldag angeblich in die Übernahmepläne zu Roth nicht involviert gewesen sei. Der ehemalige Radprofi versteht gerade die Aufregung nicht: „Letztendlich entscheidet der Kunde. Genauso wie er zwischen einem Mercedes und einem BMW auswählt.“ Aber haben nicht auch Aldag und andere Angestellte im Deutschland-Domizil der WTC in Hanau-Steinheim oft den schwierigen Informationsfluss zur Zentrale in New York beklagt? „Handlanger der Amerikaner zu sein, kommt für mich nicht in Frage“, sagt Walchshöfer.

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