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Ironman Frankfurt
Der längste Tag des Jahres: Schwimmen, Radfahren und ein Marathon. Wir berichten mit vielen Bildern.

29. Februar 2016

Ironman: Der Traum lebt

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Fährt am 3. Juli wieder in Frankfurt: Andreas Raelert.  Foto: imago/Eibner

Andreas Raelert startet am 3. Juli beim Ironman Frankfurt und glaubt noch an den Hawaii-Sieg.

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Plötzlich hatte Andreas Raelert die Lacher auf seiner Seite. Die Frage hatte zuvor gelautet, wie der Triathlet denn die neue Vaterrolle annehme. Antwort auf der Talkrunde in der Langener Stadthalle: „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt.“ Sportler sind halt um einen lockeren Spruch nicht verlegen. Genau wie Jan Frodeno, der mit dem Coup beim Ironman Hawaii zum „Sportler des Jahres“ aufstieg, ist auch der Vizeweltmeister just in den Genuss von Vaterfreuden gekommen. Ehefrau Julia, zuvor die PR-Strategin bei den „Raelert-Brothers“, brachte Sohn Theo gesund, aber fast vier Wochen zu früh zur Welt. Am 1. Januar.

Seit diesem Tag, gibt der ältere der beiden Raelert-Brüder zu, „gab es mit meinem bisherigen Leben einen kompletten Bruch.“ Der 39-Jährige, der ansonsten 300 Tage im Jahr in Trainingslagern und bei Wettkämpfen zubrachte, unterstützt die Mutter in Rostock nach Leibeskräften. Und richtet danach seinen Trainingsplan aus. „Früher bin ich zu diesem Zeitpunkt schon in mindestens zwei Trainingslagern auf Fuerteventura und Mallorca gewesen“, erinnert er sich, „jetzt warte ich zu Hause als Vater am Spielfeldrand auf meine Einwechslung.“ Will heißen: ein Kommando zum Windeln wechseln.

Schwimmen um sechs Uhr

Davor, dazwischen oder danach wird allerdings trainiert. Nur einen Fixtermin gibt es dafür derzeit: „Ich stehe um 4.50 Uhr auf und gehe dann um sechs Uhr zum Schwimmen.“ Das Laufen – mitunter im Fitnessstudio auf dem Band – und das Radfahren – bei Wind und Wetter – gestaltet er fernab von Bruder Michael, der sich derzeit gerade in Thailand aufhält. Natürlich führt er ob des Vaterglücks („berührt das Herz“) keine Klage, sondern drückt seine Anerkennung übers weibliche Geschlecht so aus: „Was eine Frau bei der Geburt leistet, dagegen ist ein Triathlon ein Kindergeburtstag.“ Dennoch wirkt er nicht minder ehrgeizig, noch etwas Großes zu schaffen. Sein nächster Wettkampf wird am 17. April der Cannes International Triathlon sein.

„Und dann mache ich auf jeden Fall einen Ironman im Sommer“, sagte Raelert auf dem Triathlon Convention Europa, zu dem in der zweiten Auflage am vergangenen Wochenende erneut 3000 Besucher erschienen, um sich bei den Ausstellern umzusehen, einen Indoor-Triathlon zu bestreiten oder Vorträgen zu lauschen.

Nach FR-Informationen wird Raelert definitiv beim Ironman Frankfurt starten, womit sich der Veranstalter nach der Frodeno-Entscheidung, lieber bei der Konkurrenz in Roth anzutreten, glücklich schätzen kann, immerhin den zweitbesten Langdistanz-Triathleten am Start zu haben. Gut möglich, dass sich dazu wie im Vorjahr auch noch Sebastian Kienle gesellt; dann würde die Europameisterschaft am 3. Juli auf ein hochkarätiges deutsches Duell hinauslaufen. Raelert hat in der Mainmetropole schon alles erlebt: 2010 gewann er ein stark besetztes Rennen vor Timo Bracht und Chris McCormack, verfehlte indes bei den letzten drei Starts das Podium: 2012 wurde er Vierter, 2014 gab er auf der Laufstrecke auf, im Vorjahr quälte er sich als Sechster ins Ziel – dem Zusammenbruch nahe.

Kein Neid gegenüber Frodeno

Umso bemerkenswerter dann im Oktober sein zweiter Rang auf Hawaii, der aber wegen des Frodeno-Triumphes in der öffentlichen Wahrnehmung fast unterging. Deswegen verspürt das 72-Kilo-Leichtgewicht aber nullkommanull Neid. Im Gegenteil: „Jan hat sich das alles erarbeitet. Er hatte die größere Leidensfähigkeit.“ Den insgesamt bereits fünften Podiumsplatz auf Hawaii hatten dem asketischen Altmeister nicht mehr viele zugetraut – rückblickend ist es für ihn auch die Motivation, sich noch einmal den Traum von der Krone auf Kona zu erfüllen.

Wie aber soll das gehen, wo Frodeno scheinbar mit der Konkurrenz spielen kann? An diesem Punkt widerspricht der Rostocker sofort. „Ich hatte beim Rennen mehrfach das Gefühl, ich könnte es wirklich schaffen.“ Bei seiner Stippvisite in Langen verriet Raelert überdies, dass seine Wiederauferstehung auf Big Island auch einer Umstellung beim Radfahren zu verdanken sei. Die intensive Zusammenarbeit mit einem Schweizer Unternehmen habe letztlich eine deutlich verbesserte Aerodynamik und eine Einsparung von 13 Watt erbracht, die gleichbedeutend mit einem Zeitgewinn von zehn Minuten seien, rechnete Raelert vor. Um den Rückstand zu reduzieren, wird die Techniktüftelei weiter intensiviert. Sofern Theo es erlaubt. Raelert: „Für mich hat sich viel verändert, aber das ganze große Ziel bleibt. Wenn ich den Anspruch nicht mehr habe, einen Ironman gewinnen zu können, dann beende ich meine Karriere sofort.“

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