Triathlon, ein Ironman zumal, ist mehr als Schwimmen, Rad fahren und Laufen. Gerade in der extensiven Variante kommen mindestens noch die Disziplinen Mentalsport und Ernährung hinzu. Fünf Teile also, die im vergangenen Jahr in Frankfurt keiner besser zum großen Ganzen zusammenfügte als Timo Bracht.
Am Sieger 2009 hätten ihm vor allem dessen "Coolness und die Rennstrategie imponiert", sagt Andreas Raelert, "Timo hat sich akribisch vorbereitet und seinen Marschplan exakt umgesetzt." Was der Rostocker, wiewohl im Vorjahr Vierter, von sich nicht behaupten kann: "Ich war zu euphorisch, bin über meine Verhältnisse Rad gefahren und habe Fehler bei der Nahrungsaufnahme gemacht", sagt der 33-Jährige im Rückblick auf seinen erst zweiten Ironman und wenige Tage vor seinem vierten. Dazwischen lag der vorläufige Höhepunkt der erst kurzen Langstreckenkarriere des zweimaligen Olympiateilnehmers: der ziemlich überraschende dritte Platz im Oktober bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii. Raelert: "Seither weiß ich, dass an einem perfekten Tag auch ich ein Rennen gewinnen kann."
Diese Erkenntnis hätte der frühere Kurzstreckentriathlet ohne die Erfahrungen von Frankfurt und den Anschauungsunterricht des Siegers aus Eberbach vermutlich nicht erlangt. "Man muss den Rennverlauf auf seine eigenen Fähigkeiten ausrichten und darf nicht auf die anderen achten, muss mental vorbereitet sein und auch Glück haben", hat Andreas Raelert begriffen, der beim Frankfurter Ironman eine Essensstation ausgelassen hatte und dann in ein Energiedefizit gefallen war - mit der fatalen Folge, dass der Magen rebellierte. Ein Anfängerfehler.
Richtige Nahrungsaufnahme ist also das A und O, doch die fängt nicht im Rennen an, sondern Monate vorher. Weshalb der Umsteiger in der Vorbereitung auf seine zweite Ironman-Saison das Augenmerk besonders auf einen Ernährungsplan gerichtet hat, an den er sich akribisch hält. "Nur so kann ich mein optimales Potenzial ausschöpfen", weiß der Mitfavorit auf den Europameistertitel am Sonntag in Frankfurt, der "mit Selbstvertrauen" ins Rennen geht.
Geholt hat sich der Sympathikus diese Stärke in den drei Wettkämpfen sowie in der Vorbereitung auf die Saison 2010, die er gemeinsam mit seinem Bruder absolvierte. Auf den ist er mächtig stolz. Der 29-Jährige heißt Michael und hat schon jenen Titel auf der halben Ironmandistanz, den sich Andreas nach der Frankfurter "Generalprobe für Oktober" auf Hawaii auf der legendären Strecke holen will: Weltmeister.