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08. Juli 2015

Ironman Frankfurt: „Das Risikoprofil ist eine Zeitbombe“

 Von 
Viel trinken: An einer Verpflegungsstation am Mainufer gibt’s isotonische Getränke für die Läufer.  Foto: Michael Schick

Die realistische Einschätzung von Gefahren ist vielen nicht bewusst, sagt der Facharzt Lothar Böckler.

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Ein Teilnehmer am Ironman ist tot. Wie kann so ein Unglück passieren?
Bei der Ironman-Veranstaltung ist die Gesamtbelastung sowieso hoch. Hinzu kam die starke Hitzebelastung, wie wir sie seit Jahren nicht mehr hatten. Das reicht aus, um auch einen gesunden und leistungsfähigen Athleten in Probleme zu bringen.

Trotzdem sind 2643 Leute an den Start gegangen und haben dafür mehr als 500 Euro pro Kopf bezahlt. Nehmen wir an, Sie persönlich wären ein Eisenmann. Hätten Sie am Sonntag abgesagt?
Die Frage ist schwer zu beantworten. Ich habe volles Verständnis dafür, wenn ein Sportler, der die relativ hohe Anmeldegebühr bezahlt und sich monatelang intensiv vorbereitet hat, wenn der es jetzt auch wissen will. Dass es nicht unbedingt gesundheitsförderlich ist, bei so einer Hitze sich stark zu belasten, ist jedem klar. Im Prinzip ist man als Athlet am Start in der Zwickmühle. Als Altersklassenathlet nehme ich vielleicht ein bisschen Leistung zurück, bin etwas vorsichtiger und versuche es mal. Der Spitzensportler gibt natürlich Vollgas. Die Zeiten, die gelaufen wurden, sind ja grandios.

Kann man sich wirklich zurücknehmen, wenn man vollgepumpt mit Ehrgeiz und Adrenalin am Start ist?
Die Steuerungsfähigkeit muss ja ein Stück weit erhalten bleiben. Wenn alle nur adrenalingesteuert Vollgas gegeben hätten, wäre die Rate jener, die kollabiert sind oder abgebrochen haben, weitaus höher. Natürlich versucht man, das Rennen mit einem bisschen Körpergefühl und Rationalität in geordneten Bahnen verlaufen zu lassen.

Zur Person

Lothar Böckler ist Facharzt für Allgemeinmedizin mit der zusätzlichen Bezeichnung Sportmedizin.

Der 57-Jährige arbeitet in Frankfurt am Institut für Sportmedizin. Dort ist Böckler zuständig für die Bereiche Leistungsdiagnostik und Innere Medizin. jur

Vor dem Ironman gab es in diesem Jahr schon einen Toten beim Mitternachtslauf in Wallau. Im Langener Waldsee ist ein Mann beim Training gestorben. Ist das im Moment ein Boom? Meint jeder, er müsse einen Triathlon oder Marathon machen?
Ja. Die realistische Einschätzung von Gefahren steht dabei immer noch ein bisschen im Hintergrund. Gesamtgesellschaftlich heißt es ‚Sport ist gesund, Sport ist in‘. Sport ist ein Stück Selbstdarstellung und Vermittlung von Selbstwertgefühl. Das ist alles gut und schön. Aber je mehr Leute Sport treiben, desto mehr sind dabei, die vielleicht irgendwelche Krankheiten oder ein Risikoprofil haben. Da muss man Vorsorge treffen.

Was empfehlen Sie jenen, die mit Marathon anfangen?
Man sollte sich untersuchen lassen, sein individuelles Risikoprofil zumindest einigermaßen kennen, um dann angemessen damit Sport zu treiben. Es bringt einen Benefit, wenn ich mich sportärztlich untersuchen lasse. Wer in unseren Nachbarländern Frankreich und Italien an einem Marathon teilnehmen will, ist gesetzlich dazu verpflichtet, ein Attest vorzulegen. In Deutschland gibt es das nicht.

Wäre die gesetzliche Attestpflicht eine Forderung von Ihnen? Immerhin ist Marathon im Trend, auch immer mehr ältere Frauen und Männer rennen mit.
Nein. Das kann man dem Einzelnen überlassen und muss man nicht per Gesetz regeln. Denn so viele Tote gibt es ja nicht. Das sind immer Einzelfälle. Die können auch sterben, wenn sie Alltagsbelastungen absolvieren. Es muss nicht immer eine Extrembelastung sein. Das Risikoprofil ist nun mal eine Zeitbombe, die bei irgendeiner Gelegenheit hochgeht. Ob beim Marathon, oder bei etwas anderem.

Was ist mit den Leuten, die weniger auf Leistung aus sind. Die in den Fitnessstudios oder Vereinen? Sollen sie sich auch vorher vom Arzt checken lassen?
Es ist sinnvoll, sich an den Hausarzt zu wenden. Der kennt die Laborwerte und weiß, ob Vorsorgeuntersuchungen gemacht wurden. Er kann auch beraten, ob noch ärztliche Zusatzuntersuchungen notwendig sind.

#artilce[all]

Die heißen Tage sind zum Glück vorbei. Aber Samstag klettern die Temperaturen wieder hoch. Was raten Sie? Soll man komplett auf Sport verzichten?
Nein. Ich rate Alternativen zu suchen. Frühmorgens zum Beispiel ist die Hitzebelastung noch nicht so hoch und auch die Ozonwerte belasten die Lunge noch nicht so stark wie etwa um 17 Uhr.

Interview: Jutta Rippegather

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