Aktuell: Eintracht Frankfurt | Blog-G | Fußball-News | Formel 1 | Skyliners-Blog | Sport A-Z

Marathon Frankfurt 2014
Frankfurt-Marathon am 26. Oktober 2014: Wir berichten mit vielen Bildern.

28. Oktober 2012

Makau gewinnt Marathon: Sieger Makau muss sich rechtfertigen

 Von Frank Hellmann
Freude: Sieger Patrick Makau lässt sich feiern.Foto: Andreas Arnold

Bei seinem Sieg beim Frankfurt Marathon verfehlt Patrick Makau den Weltrekord. Für Aufregung sorgen angebliche Verbindungen des Kenianers zu Einrichtungen, die Epo anbieten.

Drucken per Mail

Es ist mittlerweile eingeübtes Ritual zum großen Finale beim Frankfurt Marathon, dass zur Ankunft des schnellsten Mannes gewaltige Kanonenschläge und großer Konfettiregen gezündet werden. Und doch ist die Zielankunft am Sonntagmittag unter infernalischem Getöse in der Frankfurter Festhalle nicht der ganz große Knalleffekt gewesen: In Patrick Makau trug sich sicherlich der prominenteste Name in der 31-jährigen Geschichte des ältesten deutschen Stadtmarathon in die Siegerliste ein, doch nach einem schmerzhaften Rennverlauf erfüllte sich die Sehnsucht nach einer neuen Fabelzeit über die 42,195 Kilometer nicht: Am Ende bliebt die Digitaluhr bei 2:06:08 Stunden stehen, was nicht einmal für die besten 20 der Jahresbestenliste reichte.

Makau durfte eingedenk der Temperaturen von knapp über der Frostgrenze für die erstmals mehr als 16000 gemeldeten Marathonläufer beim Startschuss an der Messe als kenianisches Kälteopfer gelten. „Ich hatte deswegen Problemen in den Beinen, ich konnte nicht beschleunigen, meine Muskeln haben nicht reagiert“, erklärte der 27-Jährige hinterher und sprach sodann vom „härteste Rennen meiner Karriere“. Glücklich sei er trotzdem, denn: „Die oberste Priorität hatte der Sieg.“

Manager in heller Aufregung

"Es war ein Weltrekord im Kühlschrank“, urteilte Renndirektor Jo Schindler, „von Anfang an war klar, dass wir bei diesen Temperaturen das Weltrekord-Ziel nicht umsetzen können.“ Und vom Start weg waren die Tempomacher fürs Elitefeld bei der empfindlichen Kälte nicht auf Kurs, um die Makau-Bestmarke aus Berlin von 2:03:38 zu durchbrechen. Doch die Debatte, was die von den Veranstaltern mit immer höheren Gagen und Prämien forcierte Rekordhatz wirklich bewirkt und was dahinter steckt, ist seit diesem Wochenende wieder neu zu führen.

Am Tag vor dem Rennen griffen kenianischen Medien Berichte auf, die sich darauf beriefen, ausgerechnet Makau habe Verbindungen zu Einrichtungen in seiner kenianischen Heimat, die Epo anbieten. Sogar auf der Homepage der AIPS, des Weltverbandes der Sportjournalisten, erschien eine längere Story, wobei als Quelle nach wie vor die vom Fernsehjournalisten Hajo Seppelt angeführten ARD-Recherchen zu dieser Thematik dienen. Ein Kern: Makau soll einen Shop in der Innenstadt von Nairobi frequentieren, in dem auch Dopingmittel offeriert werden. An den Wänden hängen Zeitungsausschnitte eben vom Weltrekordhalter, der tatsächlich mit seiner Frau und drei Kindern, einer vier Jahre alten Tochter und zwei sechs Monate alten Söhnen in Ngong, einem 15 Kilometer entfernten Städtchen im Hochland wohnt.

Die Berichte versetzten Makaus Manager Zane Branson in helle Aufregung: Der US-Amerikaner verbreitete am Sonntag eine Erklärung, stemmte sich vehement gegen Gerüchte, sein Athlet sei persönlich in diesen Räumlichkeiten gewesen. Der besagte Shop sei der einzige in Kenia, der Nahrungsergänzungsmittel einer bestimmten Marke importiert. Branson erläuterte, er habe lediglich isotonische Mix-Getränke dort gekauft. Makau ließ sich zitieren: „Ich bin auch nicht Kunde einer Klinik in Kapsabet. Ich finde überraschend, dass diese Nicht-Story in Englisch ausgerechnet einen Tag vor Frankfurt hochkommt.“

"Völlig quere Verbindungen"

Der wegen des verpassten Weltrekord mit 30.000 statt 130.000 Siegprämie entlohnte Sohn eines Kaffee- und Maisbauers griff das Thema auch in einem emotionalen Statement auf der Pressekonferenz auf: „Diese Vorwürfe kommen, weil ich den Weltrekord halte. Ich werde fast jede Woche getestet. Es sollen nicht Leute kommen, die keine Ärzte sind und keine Werte von mir haben, und mich beschuldigen.“

Auch für Christoph Kopp, den Sportlichen Leiter, reichen die Vorwürfe keineswegs aus, um über Makau den Stab zu brechen. Er kenne und schätze den Dopingexperten Seppelt, aber „hier werden völlig quere Verbindungen angestellt. Da wird mir zu viel Suggestion gebraucht.“

Nichtsdestotrotz könnte die Aufregung um den Ausnahmeläufer eben auch einen unrunden Auftritt erklären. Immer wieder ließ der Weltrekordmann schon Mitte des Wettkampfs abreißen. Im Rennen hielt ihn allein sein enormer Wille. „Erst nach Kilometer 35 hatte ich das Gefühl, auch wieder gewinnen zu können.“ Der dreifache Familienvater startete direkt an der Hauptwache die entscheidende Attacke, um den nach 33 Kilometern teilweise auf mehr als 50 Meter enteilten Äthiopier Deressa Chimsa (Zweiter in 2:06:52) zu überholen.

Laufexperte Dieter Baumann beschrieb den eigenwilligen Stil des Siegläufers als „unglaublich unrhythmisch“. Aber vielleicht braucht der laufende Grenzgänger solche Erlebnisse auch: Bei seinem Berlin-Weltrekord im vergangenen Jahr hatte er seinen Konkurrenten Haile Gebrselassie bekanntlich mit zwischenzeitlichen Zick-Zack-Kursen über dem Asphalt irritiert.

Um Orientierung müssen sich nun die Macher des Frankfurt Marathon bemühen. Die Lust, den Weltrekord zu brechen, sei ungebrochen, versicherte Schindler sinngemäß. Und dann bemühte der 53-Jährige noch ein nettes Wortspiel. „Wir haben den Weltrekord eingefroren, jetzt wollen wir ihn auch auftauen. Ob das nun schon 2013 oder 2014 sein wird, sei egal, „die Richtung ist völlig klar.“ Patrick Makau dürfte mutmaßlich nicht mehr der Mann für dieses Unterfangen sein.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Dossier

Beim Marathon in Frankfurt am 26. Oktober 2014 werden erneut rund 15.000 Teilnehmer erwartet. Wir berichten mit vielen Bildern.

Läufer im Video-Porträt
Weblog

Das FR-Blog zur Frankfurter Eintracht. Anmerkungen zum Verein des Herzens - subjektiv, unqualifiziert, völlig unreflektiert.

J.P.Morgan-Lauf in Frankfurt
Weblog
Quantez Robertson (Frankfurt) im Zweikampf mit Johannes Strasser (Artland Dragons).

Timur Tinç, unabhängiger Journalist ohne Vereinsbrille, schreibt im Blog über die Basketballer der Frankfurt Skyliners.

Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.