Tricksen geht nicht. Auch wenn die Versuchung noch so groß ist. Man könnte etwa, nur um das mal durchzuspielen, am Bahnhof Nied in die S-Bahn steigen. Dann hat man 28 Kilometer in den Knochen, und so langsam fängt es an, weh zu tun. In wenigen Minuten wäre man an der Hauptwache, bei Kilometer 39, hätte also zehn Kilometer gespart und könnte locker die noch verbleibenden 3200 Meter ins Ziel in der Festhalle laufen.
Könnte... Konjunktiv. Tatsächlich haben die Veranstalter des Frankfurt Marathons unsportlichen Überlegungen dieser Art vorgebeugt und irgendwo auf der Strecke an streng geheimen Punkten Matten ausgelegt. Die müssen die Läufer überqueren, der Zeit-Chip an ihren Sportschuhen registriert das. Wer nicht über alle Matten gelaufen ist, kommt nicht in die Wertung.
Und überhaupt: Warum sollte man schummeln? Schließlich haben die Läuferinnen und Läufer, die am Sonntag quer durch die Stadt rennen, bis zu 85 Euro Startgeld gezahlt, um die vollen 42,195 Kilometer zurückzulegen. Und den von vielen Athleten als geniales Erlebnis beschriebenen Einlauf in die Festhalle kann man ja ohnehin nur genießen, wenn man so richtig fertig ist.
Glücksgefühle schon vor dem Start
Jo Schindler erlebt bereits vor dem Start, der am Sonntag um 10 Uhr am Messeturm erfolgen wird, Glücksgefühle. Der Renndirektor des Marathons verkündete am Freitag die Zahl der Voranmeldungen: 11.986 Läuferinnen und Läufer aus 71 Nationen. Dazu dürften noch 800 Nachmeldungen kommen, "ein neuer Teilnehmerrekord ist nur noch Formsache", meint Uwe Martin, Sprecher des Veranstalters. Zumal das Wetter einigermaßen läuferfreundlich werden dürfte: nicht zu kalt, nicht zu windig und aller Wahrscheinlichkeit trocken.
2,2 Millionen Euro hat Schindler für den Marathon zur Verfügung. Der Etat setzt sich zusammen aus den Startgebühren, dem Zuschuss der Stadt und dem Geld des neuen Titelsponsors Commerzbank sowie anderer Unternehmen. Rund 400.000 Euro gibt Schindler für Spitzenläufer aus. Am Sonntag treten 14 ostafrikanische Profis an, die die Strecke in 2:09 Stunden oder schneller zurücklegen können - darunter auch Vorjahressieger Robert Kiprono Cheruiyot aus Kenia. Der heute 21 Jahre alte Läufer hatte seinerzeit von den 50.000 Euro Preisgeld seiner Mutter ein Stück Land und sieben Kühe gekauft.
Die Zeit, an der sich Cheruiyot und die anderen Top-Läufer am Sonntag orientieren, liegt bei 2:07 Stunden. Das wäre Streckenrekord. Wer die neue Bestzeit läuft, bekommt 75000 Euro. Jo Schindler hofft sehr, dass es mit dem neuen Rekord klappt. Zumal er für diesen Fall eine Versicherung abgeschlossen hat, die die Prämie bezahlen müsste.