Ironman Frankfurt 2014
Beim Ironman in Frankfurt starten mehr als 3000 Athleten im Alter von 18 bis 75 Jahren. Wir berichten mit vielen Bildern.

28. Juni 2007

Meike Krebs: Das Gesicht des Ironman

 Von FRANK HELLMANN
Foto: FR

Die Frankfurterin Meike Krebs ist vom unbekannten Amateur zum werbeträchtigen Profi aufgestiegen.

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Ironman European Championship
Ironblog

Der Triathlon in Frankfurt am 1. Juli ist die weltweit größte Qualifikation für den legendären Hawaii-Ironman. Von 2200 Startern qualifizieren sich 120 Athleten für die WM. 88 Prozent der Teilnehmer sind männlich.

Die Profis kämpfen um ein Gesamtpreisgeld von 100 000 Dollar, das zu gleichen Teilen zwischen Männer und Frauen aufgeteilt wird. Bei den Männern fehlt Titelverteidiger Cameron Brown wegen einer Fersen- verletzung, dafür treten erstmals die Hawaii-Sieger Normann Stadler und Faris Al-Sultan gegeneinander an.

Start ist am Sonntag um 7 Uhr am Langener Waldsee. Die Zielankunft am Römer wird gegen 15 Uhr erwartet. Der HR berichtet sieben Stunden live, das ZDF sendet ab 16 Uhr eine Stunde.

FR-Redakteur Oliver Bechmann bereitet sich auf seine zweite Ironman-Teilnahme vor - und beschreibt Trainings-Freud' und -Leid in seinem Ironblog.

Mit Film&Foto-Audioshow von der Pre-Race-Pressekonferenz zum Ironman Frankfurt 2007

Dröhnende Musik, donnernder Applaus: Die Stimme von Sprecher Andreas Richter überschlägt sich, auf dem Frankfurter Römerberg johlt die Menge. Es sind die Momente, von denen Triathleten später sagen: "Für Sekunden spürst du, warum du dir das angetan hast." Ein Erlebnis, das sich in das Gedächtnis eines jeden Ironman brennt, der zum ersten Male die Tortur über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen hinter sich bringt. Meike Krebs hat es im vorigen Jahr erlebt - vielleicht in Nuancen noch extremer. Ihre Geschichte ist eine der schönsten Episoden vom Ironman 2006.

Deshalb hat sie diese am Dienstag an der Seite von Stars wie Normann Stadler und Faris Al-Sultan auf der offiziellen Athletenpressekonferenz einer breiten Öffentlichkeit noch einmal selbst erzählen dürfen. "Ich bin einfach so rein in den Wettkampf: Als ich am Römerberg eingelaufen bin, dachte ich, ich hätte mich in der Zeit vertan. Ich dachte nur: Das kann nicht sein. Ich habe mich gefragt: Hast du eine Runde beim Laufen vergessen? Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren." Viel zu früh, so ihr Empfinden, sei die Qual vorbei gewesen; bereits exakt nach 9:50:50 Stunden. Völlig unerwartet landete sie auf Platz fünf - beste Amateurin vor vielen Profis.

4000 Dollar verloren

Dummerweise konnte die 27-Jährige die für diesen Rang ausgeschriebenen 4000 Dollar Preisgeld wegen der fehlenden Profilizenz nicht einstreichen. Und auch von der automatischen Hawaii-Qualifikation profitierte sie nicht - die WM im Oktober ließ sie sausen. "Einen Tag vorher musste ich meine Magisterarbeit abgeben, das wäre sonst nicht gegangen." Das Studium der Sportwissenschaften mit Psychologie als Nebenfach wollte sie unbedingt zu Ende machen. Seit Anfang dieses Jahres setzt sie nun ausschließlich auf die Karte Triathlon und hat den Profistatus erlangt. Ihren Nebenjob als Physiotherapeutin im Alten Wohnstift am Zoo ("Ich kümmere mich um Menschen, die im Schnitt 84 Jahre alt sind") beschränkt sie seitdem auf zwei Tage in der Woche. So bleibt genügend Zeit für Wettkämpfe wie Anfang Juni den Half-Ironman im schweizerischen Rapperswil-Jona, aber vor allem für das Training. Kaum eine Sportart erfordert so viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Mit Schwimmtrainer Christian Hildebrand (Frankfurter Schwimmclub) und Gesamtkoordinator Klaus Ludwig hat sie zwei kompetente Experten an ihrer Seite. Früher scheute sie auch nicht davor zurück, beim Spiridon-Lauftreff um Rat zu fragen.

Meike Krebs weiß, dass mehr von ihr erwartet wird. Eine Zeit zwischen 9:30 und 9:50 Stunden soll bitteschön am Sonntag herausspringen. Das würde auch den Geldgeber freuen: Der Frankfurter Sparkasse, zugleich Namensgeber und Hauptsponsor der mehr als zwei Millionen Euro teuren Veranstaltung, war der Überraschungscoup von Meike Krebs nämlich bares Geld wert.

Bezahlte Werbeträgerin

Mit 5000 Euro wird die junge Frau in diesem Jahr unterstützt. Sie hat sich im Gegenzug in diversen (sportlichen) Posen ablichten lassen, um für das Unternehmen in Frankfurt zu werben. Die Plakate sind in der Main-Metropole allgegenwärtig. Plötzlich wird Meike Krebs auf der Straße erkannt. Manche sagen gar, sie sei in der Öffentlichkeit mindestens so präsent wie ihr Freund Sebastian Gatzka, 400 Meter-Läufer und Olympiateilnehmer der LG Eintracht Frankfurt.

Die unverbrauchte Athletin genießt am Sonntag gleich doppelten Heimvorteil: Einerseits stehen an diversen Streckenabschnitten Freunde und Bekannte, Klubmitglieder oder Trainingspartner, um sie anzufeuern. Andererseits kennt kaum jemand die Kurse zum Schwimmen, Radfahren und Laufen so gut wie sie. Für die im Frankfurter Stadtteil Fechenheim aufgewachsene und nun in Frankfurt-Sachsenhausen lebende Triathletin liegen der Langener Waldsee, der Zwei-Runden-Radkurs im Mainz-Kinzig- und Wetterau-Kreis sowie die Marathon-Pendelstrecke am Mainufer quasi vor der Haustür. "Frankfurt gibt mir Kraft", sagt sie und lächelt. "Früher war es meine Heimat, heute ist es meine Wunschheimat." Dank dem Triathlon.

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