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Rolf Aldag: "Einen Ironman machen nicht nur Wahnsinnige"

Vom Teamchef im Radsport zum Macher im Triathlon: Rolf Aldag.  Foto: Angelika Müller

Rolf Aldag äußert sich im FR-Interview über die Probleme des Radsports und erklärt seinen Rollenwechsel zum Triathlon. Dazu erläutert Aldag, wie er die Marke Ironman mit mehr Inhalt füllen möchte und die Fernsehpräsenz steigern will.

Rolf Aldag lernt über die Sportart Triathlon immer noch jeden Tag. Und trotzdem hat es in den Räumlichkeiten der Agentur Xdream, dem Ausrichter des Frankfurt Ironman , nicht den Anschein, als bewege sich der frühere Radprofi und Sportdirektor in seinem neuen Metier wie ein Fremder.

Als Managing Director Deutschland, so sein offizieller Titel, soll der 43-Jährige dem Ironman neue Impulse geben. Derzeit wohnt er noch in Hanau im Hotel, die Familie lebt weiter in Möhnesee, 40 Kilometer östlich von Dortmund, wo Aldags Frau ein Fitnesscenter betreibt.

Er selbst wirkt drahtig wie zu aktiven Zeiten beim Team Telekom.

Sie haben nicht nur zehnmal an der Tour de France teilgenommen, sondern 2006 auch den Ironman Lanzarote bestritten: Was ist eigentlich anstrengender? Auf einer 200-Kilometer Etappe ins Bergtrikot fahren oder 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen?

Beides war von extremer Müdigkeit und Befriedigung gekennzeichnet. Beim Triathlon geht es zuerst darum, sich selbst zu besiegen. Für mich war schon unvorstellbar, überhaupt mal so lange zu schwimmen – ich konnte im Freibad vorher nicht von einer Seite zur anderen kraulen, weil ich das koordinativ nicht hinbekommen habe. Und ich weiß noch, dass ich nach dem Ironman kaum meine fünf Monate alte Tochter im Ziel halten konnte.

Sie haben sich nun beim Ironman Hawaii vor Ort umgesehen. Was hat Sie da bewegt?

Das was sich später an der Finisher-Linie abgespielt hat. Die Altersklassenathleten, die sich nach 13, 14 Stunden ins Ziel quälen, leiden genauso wie Craig Alexander oder Andreas Raelert, die nur acht Stunden gebraucht haben. Aber wenn sie dort ankommen, wartet beispielsweise eine mehrfache Hawaii-Siegerin Chrissie Wellington, weil die im Stockfinsteren jedem gratuliert. So etwas ist im Profisport einzigartig. Mark Cavendish würde das nach Mailand-Remo eher nicht machen.

Wollen Sie auf Hawaii selbst noch einmal teilzunehmen?

Im Moment habe ich die Zeit nicht. Und ich würde immer noch sportliche Ansprüche an mich stellen und mir eine Zeit unter neun Stunden ausmalen, was aber überhaupt nicht realistisch wäre. Meine Faszination für den Triathlon ist aber noch viel älter.

Bilder vom Ironman Frankfurt 2011

Bildergalerie ( 10 Bilder )

Inwiefern?

Ich hatte über Bjarne Riis schon 1996 Kontakt zum Club La Santa auf Lanzarote, die sind Ausrichter des Ironman gewesen. Dort habe ich mit Thomas Hellriegel oder Lothar Leder trainiert; ich habe mich damals schon gewundert, dass die im Training immer an der Schmerzgrenze fahren. Während ich froh war, zur Massage zu gehen, sind die noch am Strand 20 Kilometer gelaufen. Damals hat mich schon gestört hat, dass deren Leistung nicht richtig wert geschätzt wurde. Ursprünglich hatte ich 2006 vor, für eine ZDF-Story auch auf Hawaii zu starten, um zu veranschaulichen, was diese Supersportler bringen. Aber dann kam Bob Stapleton dazwischen...

(Bob Stapleton war der Teammanager, der das Team T-Mobile 2007 nach den Dopingskandalen umstrukturieren sollte. Aldag hat unter ihm als Sportchef gearbeitet und war zuletzt im Nachfolgeteam HTC-Highroad um den Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin tätig. Aus dem Radsport kannte er den neuen Chef der World Triathlon Corporation (WTC,) Andrew Messick, der früher die California-Tour organisiert hatte. Als sich abzeichnete, dass es bei HTC-Highroad nicht weitergehen würde, legte Messick Aldag ein Angebot vor; Anmerk. d. Red.)

Haben Sie sofort zugesagt?

Das war nicht so, dass mir dachte, der Messick ist ein feiner Kerl, dann mache ich halt mal Ironman. Das habe ich mir gut überlegt, ich hatte auch drei andere Angebote, aber ich wollte nicht mehr in einem Szenario arbeiten, dessen Strukturen mich stören.

Was meinen Sie?

Wenn ich im Radsport weitergearbeitet hätte, dann hätte ich entweder Magengeschwüre bekommen oder mir die Zunge abbeißen müssen. Ein Hauptproblem sind häufig die Weltverbände, deren Demokratieverständnis oft nicht so ausgeprägt ist. Die Fußball-WM 2022 in Katar ist auch keine logische Entscheidung.

Ist der Radsportweltverband UCI ähnlich mafiös wie der Fußballweltverband Fifa strukturiert?

Dass die Fifa mafiös ist, haben Sie gesagt! Wenn ich sage, was ich über den Führungsstil der UCI denke, bekomme ich wieder böse Post von Pat McQuaid (UCI-Präsident, Anm. d. Red.).

Ganz raus sind Sie aus dem Radsport aber nicht.

Nein, ich halte über einen Hersteller noch beratend Kontakt zu Tony Martin – da geht es um Reifen, um Laufräder, also um technische Dinge, nicht um sportliches Management. Ich sehe mich da als ’technical advisor’ – der Radsport bleibt für mich immer eine faszinierende Sportart.

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Datum:  6 | 2 | 2012
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