Dass neue Besen gut kehren, mag zwar ein blöder Spruch sein, doch er bewahrheitet sich immer wieder. Dies gilt auch für den Frankfurter Halbmarathon, der am Sonntag mit einer Rekordteilnehmerzahl von 3511 Läuferinnen und Läufern aufwarten konnte. Grund für die massive Steigerung um annähernd 700 Aktive war nicht nur ein Ortswechsel, was die Start/Ziel-Lokalität angeht, sondern auch ein komplett neuer Streckenverlauf.
Führte die alte Route vom Nordwestzentrum in die Innenstadt und auf gegenwindigen und ansteigenden Straßen wieder dorthin zurück, so geht es nun brettflach am Mainufer entlang, durch Sachsenhausen und schließlich in die Arena. "Das ist wirklich eine super Strecke. Es waren zwar nur wenige Zuschauer da, aber die waren gut", sagte die ehemalige Eintracht-Athletin Simret Restle (jetzt Grün-Weiß Kassel), die in 1:15,33 Stunden bei den Frauen siegte.
Potenzial für 5000 Läufer
Das hören nicht nur die Veranstalter von Spiridon Frankfurt gerne. "Die Arena zieht bei den Läufern. Im menschenleeren Nordwestzentrum hieß es nur Laufen und Schluss. Da ist kaum jemand zur Siegerehrung geblieben", erinnert sich Uwe Martin, der als Pressesprecher der regionalen Main-Lauf-Cup-Serie, deren erstes Wertungsrennen der Halbmarathon ist, die vergangenen Jahre in guter Erinnerung hat. Noch drastischer drückt es Eventprofi Wilfried Raatz aus: "Das war doch ein Totentanz, eine völlig emotionslose Veranstaltung", entfuhr es dem früheren Cheforganisator des Frankfurt Marathons mit Blick auf die Vergangenheit.
Statt düster zugigem Tiefgaragenflair hat nun also Professionalität Einzug gehalten. Dies betrifft die Abwicklung genauso wie den Sanitärkomfort und die Parkplatzfrage, die sich im Umkreis der Fußballarena nicht mehr stellt. "Schon seit zwei Jahren wollten wir den Wechsel, aber es hat einfach nicht geklappt, weil der FSV Frankfurt ja auch hier gespielt hat. Da gab es terminliche Schwierigkeiten", sagte Thomas Rautenberg. Der Vorsitzende des Veranstaltervereins, der bei den Teilnehmerzahlen zuletzt Stagnation zu beklagen hatte, erkennt nach dem gestrigen Event nun weiteres Potenzial für bis zu 5000 Läufer. Dabei helfe nicht nur das neue Umfeld. Auch der von neun auf zehn Uhr verschobene Start komme den Aktiven zupass. Ins Schwärmen gerät Rautenberg aber vor allem, wenn es um die neue Strecke geht: "Die ist topschnell, ein richtiger Renner."
Das dürfte auch der Kenianer Edwin Cheserek (LAC Olympia Berlin) so gesehen haben, der in 1:08,52 Stunden gewann. Bester Deutscher war Abderrazzak Churai vom TV Waldstraße in Wiesbaden, der als Dritter in 1:09,53 Stunden ins Ziel kam. Und was Restle, die ebenfalls in Wiesbaden beheimatete Siegerin, anging, so entkam sie wegen ihrer Kopfhörer im Ohr nur knapp einer Disqualifikation. Die Annahme, dass Restle unterwegs Musik gehört haben könnte, was als leistungssteigernde Maßnahme verboten war, bewahrheitete sich allerdings nicht. Sie hatte die Ohrstöpsel als Kälteschutz benutzt. Frankfurt