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05. Juli 2012

Triathlon in Roth: "Der Ironman ist Abzocke"

Zuschauermagnet: Der Triathlon in Roth Foto: dpa

Ein Gespräch mit Felix Walchshöfer, dem Organisator des traditionellen Triathlons in Roth, der auch in diesem Jahr wieder zeitgleich mit dem Ironman in Frankfurt stattfindet.

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Ein Gespräch mit Felix Walchshöfer, dem Organisator des traditionellen Triathlons in Roth, der auch in diesem Jahr wieder zeitgleich mit dem Ironman in Frankfurt stattfindet.

Felix Walchshöfers, 32, führt als Veranstalter des traditionsreichen Triathlons in Roth das Erbe seines 2007 verstorbenen Vaters Herbert Walchshöfer fort. Bis 2001 war Roth Schauplatz des einzigen deutschen Ironman, dann erwarb Kurt Denk vom Weltverband WTC die Lizenz für Frankfurt. Seitdem konkurrieren die Veranstaltungen miteinander. Walchshöfer richtet mittlerweile eine eigene Challenge-Serie über die Mittel- und Langdistanzen aus. Er versteht sich als Bewahrer der Triathlon-Ideale.

Wie kann es sein, dass die beiden wichtigsten deutschen Rennen über die Langdistanz an einem Tag stattfinden? Im Fußball steigen doch EM-Endspiel und Champions-League-Finale auch nicht zeitgleich.

Ich finde das auch äußerst ungeschickt. Wir hatten unseren Termin bereits im Januar vergangenen Jahres kommuniziert, weil das Hotelangebot in unserer Region sehr gering ist und Athleten sich darauf einstellen. Als Frankfurt denselben Tag wählte, konnten wir das nicht mehr verschieben. Wir sind an dieser Kollision also nicht schuldig. Das ist übrigens bereits das dritte Mal so.

Wiederholt sich das 2013?

Nein. Wir bleiben bei unserem zweiten Wochenende, das ist dann der 14. Juli 2013. Frankfurt rückt eines vor, wie ich gehört habe, das wäre dann der 7. Juli.

Sie sollen mit Kai Walter, dem Frankfurter Ausrichter, eigentlich ein gutes Verhältnis haben, anders als ihr Vater Herbert?

Das stimmt, gegenüber den Frankfurter Kollegen hege ich keine Ressentiments und pflege keine Animositäten, aber das Problem ist ja, dass Kai Walter und Rolf Aldag an der strengen Leine der WTC (World Triathlon Corporation, der Ironman-Weltverband, Anm. d. Red.) liegen und in Frankfurt nichts mehr entschieden werden darf. Und mit der WTC habe ich schon meine Probleme.

Inwiefern?

Den neuen WTC-Chef Andrew Messick musste ich von meinen Rechtsanwälten belehren lassen. Sie hatten versucht, unser Rennen in Australien zu übernehmen und unter unserem Dach auszurichten. Das ging natürlich gar nicht. Will ich, dass  wie bei einem Ironman in Kanada den Athleten im Ziel ein Stück Pizza gereicht wird? Das will ich nicht! Also haben wir den Vertrag mit unserem Partner in Australien gekündigt und dort hat der Ironman Cairns stattgefunden. Aber kein Challenge-Rennen mehr. Das sind offenbar die WTC-Methoden, wenn man Roth nicht bekommen kann!

Gab es also auch einen Übernahmeversuch ihres Rennens?

Ja, als ich mit Andrew Messick gesprochen habe, gab es wieder die Anfrage, ob wir nicht verkaufsbereit wären. 

Kommt ein Ironman Roth nicht in Frage?

Ich mache diese Veranstaltung für die Athleten. Zu unserem Triathlon kommen die Sportler, weil sie wollen; nach Frankfurt gehen sie, weil sie müssen, weil sie sonst nicht die Hawaii-Qualifikation kriegen. Aber die Wurzeln und die Tradition liegen bei uns. Die Zahlen sind doch eindeutig: Wir waren innerhalb von drei Stunden ausgebucht, bei uns sind 5400 Triathleten am Start, in Frankfurt hat es diesmal acht Wochen gedauert, bis die 2800 Plätze weg waren. Und der Ironman Regensburg hat 1000 Teilnehmer verloren. Das ist eine Statement und ich möchte loyal und ehrlich gegenüber dem Triathlon bleiben. Handlanger der Amerikaner zu sein, kommt für mich nicht in Frage. Das wäre auch nicht im Sinne meines Vaters, der Roth mit Blut, Schweiß und Tränen als familienfreundliches Festival aufgebaut hat. 

Ihre Veranstaltung ist auch billiger für die Basis.

Mein Vater hat gesagt, wir müssen 100 Euro billiger als Frankfurt sein. Mittlerweile kostet unser Startplatz 350 Euro, in Frankfurt sind es mit der Servicegebühr fast 200 Euro mehr. Das ist Abzocke. Und genauso verkehrt wie die Armstrong-Geschichte. 

Was kritisieren Sie da konkret?

Wie kann man so einen hochgradigen problematischen Athleten nach vorne schubsen und die gesamte Kommunikation über den Ironman auf Lance Armstrong fokussieren? Ich hätte auf so einen nie gesetzt. Alle Triathleten fühlten sich überrumpelt, damit ist der Bogen überspannt, wenn die WTC auch noch Geld an Armstrongs Stiftung zahlt. Und jetzt haben sie den Salat.  Ich bin mal gespannt, ob da nicht noch finanzielle Konsequenzen folgen, weil sich Armstrong die Ausbootung bestimmt nicht gefallen lässt. Er hat gute Anwälte. 

Sie wirken sehr erregt.

Ja, das bin ich auch. Der Triathlon-Kunde lässt sich nicht verarschen. Aber dieser Hedgefonds tun uns einen großen Gefallen: Der Wind hat sich bereits gedreht, 99 Prozent der Triathleten sind auf unserer Seite.

Wo soll also der Triathlon-Interessierte am Sonntag vorbeischauen – in Roth oder Frankfurt?

Er soll nach Roth kommen, wo 50.000 Menschen am Solarer Berg stehen. In Roth ist die Geschichte seit 1984 waren alle Legenden hier. Und wenn einer keine Zeit hat, dann soll er einfach beide Veranstaltungen im Internet verfolgen, auch da schneiden wir mit unseren Angeboten deutlich besser ab.

Das Interview führte Frank Hellmann

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