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"90elf": Fußball zum Hören

Von der kommenden Saison an werden erstmals alle Spiele der Bundesliga live im Hörfunk übertragen. Zugleich streiten sich private Radiosender und Deutsche Fußball-Liga erneut im die Lizenzgebühren.

Einst markante Stimme der ARD, nun Star bei 90elf: Radioreporter Günther Koch.
Einst markante Stimme der ARD, nun Star bei "90elf": Radioreporter Günther Koch.
Foto: dpa

Das Kartellamt hat die Vergabe der Fernsehrechte an der Fußballbundesliga in diesem Jahr spannend gemacht. Doch auch im Hörfunk ist in Sachen Fußball derzeit einiges in Bewegung. Von der kommenden Saison an werden erstmals alle Spiele der Bundesliga live im Hörfunk übertragen. Zugleich streiten sich private Radiosender und Deutsche Fußball-Liga erneut im die Lizenzgebühren.

Etwas unter eine Million Euro soll das Unternehmen Regiocast für die Hörfunk-Liverechte an der Liga bezahlt haben. Das geplante Radio-Angebot "90elf" ähnelt dem, was Fernsehzuschauer bereits von Premiere kennen. Auf verschiedenen Kanälen sollen die einzelnen Begegnungen jedes Spieltags parallel live übertragen werden. Dazu kommt ein Kanal für eine Konferenzschaltung, wie bei den Radiosendern der ARD. Der Vorteil: Anders als Premiere wird "90elf" umsonst zu hören sein, finanzieren soll sich das Angebot allein über Werbung.

Der Nachteil: "90elf" hat keine eigenen UKW-Frequenzen, ausgestrahlt wird das Programm im Internet (www.90elf.de). Wer Fußball live hören will, braucht also einen Zugang zum Netz, was den Empfang auf der Wiese im Park zumindest bislang auf wenige WLAN-Nutzer beschränkt. Dafür soll der Sender aber auch mehr bieten als klassisches Radio, verspricht Regiocast-Manager Florian Fritsche. Parallel zu den Kommentaren sollen Bilder, Tabellen und Zusatzinformationen etwa zur Mannschaftsaufstellung gezeigt werden. Hinzu kommen voraussichtlich einige Spielereien, die eher unter die Kategorie "Schnickschnack" fallen: etwa Aktionen, in denen Zuhörer Fotos ihres Fußballbegeisterten Nachwuchses einsenden, die dann ebenfalls gezeigt werden.

Ursprünglich hätte "90elf" auch über das geplante Handy-TV-Angebot des Anbieters Mobile 3.0 ausgestrahlt werden sollen. Doch der bereits für die Fußball-EM angekündigte Start des mobilen Angebots mit bis zu 15 Fernsehsendern und vier Radiokanälen fiel aus. Auch zum Start der Bundesliga wird es wohl nichts. Bis heute ist es dem Unternehmen nicht gelungen, große Telekommunikationsfirmen wie die Telekom, O2 oder Vodafone als Partner zu gewinnen. Die aber verkaufen die Handys fürs Handy-TV. Das zu erwartende Scheitern des Angebots bedeutet, dass er vorerst keine Möglichkeit geben wird, ein Hörfunkprogramm bundesweit auf einer Frequenz auszustrahlen.

Kritisch beäugt werden dürfte "90elf" dennoch von anderen Privatsendern. Die klagen aktuell vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die DFL und sind der Ansicht, die Liga dürfe für Hörfunkberichte eigentlich überhaupt keine Lizenzgebühren verlangen. Anders als kommentierte Fernsehbilder seien Hörfunkberichte allein eine schöpferische Leistung des Kommentators, so das Argument. Eine Entscheidung wird aber erst im kommenden Jahr erwartet.

Solang zahlen die Privatsender weiter nur zähneknirschend Lizenzgebühren für die insgesamt ohnehin spärlichen Bundesliga-Berichte im privaten Hörfunk. Zu einem lauten Knarren wurde das Knirschen zuletzt, als die DFL neue "Lizenztatbestände" schaffen wollte, wie es der Privatsenderverband VPRT ausdrückte.

Geld für Agentur-Nachrichten?

Die Liga ging zwischenzeitlich soweit, sogar für den so genannten "Live-Tore-Ticker" Geld verlangen zu wollen. Bis zu 15 000 Euro sollten Radiosender internen Unterlagen zufolge pro Saison allein dafür zahlen, dass sie im laufenden Programm Spielstände von Vereinen aus ihrem jeweiligen Verbreitungsgebiet hätten durchsagen dürfen. Dieser Plan ist zwar inzwischen vom Tisch, aber sobald Radiosender ihren Hörern mehr bieten wollen als den Spielstand, hält die Liga die Hand auf. Ein Sender in Bayern etwa dürfte nicht ohne Lizenz im laufenden Programm berichten, wer in einer Begegnung Hamburger SV gegen Werder Bremen gerade vorn liegt. Damit verbietet die Liga den Sendern quasi das zu melden, was sie etwa von Nachrichtenagenturen geliefert bekommen oder vom Studio aus etwa auf Premiere verfolgen. Wer ins Stadion will, zahlt ohnehin extra. Über 40 000 Euro werden fällig, will ein Sender aus dem Stadion bis zu 45 Minuten pro Spieltag live über die Vereine aus dem eigenen Verbreitungsgebiet berichten.

Die ARD hält sich aus der Debatte um Lizenzgebühren für Hörfunk raus. Sie zahlt der DFL für ihre Konferenzschaltung offiziell nur eine "Technikpauschale" für die Bereitstellung von Reporterarbeitsplätzen in den Stadien. Für lizenzfreie Hörfunkberichte kämpfen will der öffentlich-rechtliche Senderverbund offenbar nicht. Vielleicht liegt es daran, dass man mit der Liga in Sachen "Sportschau" bestens im Geschäft ist.

Autor:  HENRIK SCHMITZ
Datum:  12 | 8 | 2008
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