Medien

16. April 2012

"Alle gegen Bild": Bild soll ihre Meinung behalten

 Von Marin Majica
Gegen die Verschenk-Aktion der "Bild"-Zeitung regt sich Protest. Foto: dpa

Zum 60. Geburtstag will Bild-Chef Kai Diekmann jeden Haushalt in Deutschland mit einer kostenlosen Ausgabe seines Blattes beliefern. Doch schon mehr als 100.000 Menschen wollen  auf dieses Geschenk gerne verzichten. Die Webseite der Protest-Aktion brach wegen des Interesses zwischenzeitlich zusammen.

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Geburtstagskinder werden in der Regel besonders freundlich behandelt, doch für die Bild-Zeitung scheint diese Regel der Höflichkeit nicht zu gelten. Schon jetzt, mehr als zwei Monate vor ihrem Ehrentag, bekunden  über 100.000 Menschen, dass sie von Bild nichts wissen  wollen. Die Webseite der Initiative „Alle gegen Bild“ brach am Montag unter dem Ansturm der Unterstützer sogar zwischenzeitlich zusammen.

Hintergrund des Protestes ist eine Aktion, die man sich bei der Axel Springer AG für den 60. Geburtstag der Bild (Slogan: „Bild dir deine Meinung“) am 23. Juni ausgedacht hat. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann möchte an diesem Tag jeden deutschen Haushalt mit einer kostenlosen Jubiläums-Ausgabe beliefern.  Der Verlag führe „derzeit Gespräche mit potenziellen Anzeigenkunden“, bestätigte ein Sprecher von Springer der Berliner Zeitung. 

Auf ein  solches   publizistisches, aber ungefragt angeliefertes Geschenk können die Unterstützer der Aktion „Alle gegen Bild“ gut verzichten. Seit Ende vergangener Woche mobilisieren sie im Internet zusammen  mit der Kampagnen-Plattform  campact.de gegen die Gratis-Verteilung.  Die Zahl der  Sympathisanten wächst rasant. Während die Webseite alle-gegen-bild.de am Montag wegen überlasteter Server nicht zu erreichen war, lief die entsprechende Aktionsseite bei Campact weiterhin stabil.

Adressen werden gelöscht

Auf dieser Internetseite findet sich ein Online-Formular, mit dessen Hilfe Nutzer eine E-Mail an Springer senden können. Darin enthalten ist der vorformulierte Widerspruch gegen die Zustellung der Bild-Ausgabe an die Postadresse des Absenders. Zudem können Bild-Gegner unkompliziert eine Mitteilung an Freunde und Bekannte  verschicken, um sie  ebenfalls auf die Aktion aufmerksam zu machen.  Campact sichert ausdrücklich zu, dass die E-Mail- und Post-Adressen nicht gespeichert und direkt nach dem Versand wieder gelöscht werden. Zudem bittet die Plattform  um Spenden. Wer mehr als fünf Euro zahlt, bekommt einen „Keine Bild“-Aufkleber zugeschickt. Ein Drittel der Spenden soll an die Seite bildblog.de fließen, die seit Jahren kritisch die Berichterstattung der Bild-Zeitung  verfolgt und kommentiert.

„Wir haben mittlerweile rund 104.000 Leute, die Bild nicht mal geschenkt haben wollen“, sagte Yves Venedey,  Sprecher der Plattform Campact.  „Das wird jetzt erfahrungsgemäß erstmal wieder ein bisschen abebben, aber die Aktion läuft sehr gut.“ Die Zahl der Widersprüche hat mittlerweile immerhin eine Größenordnung erreicht, die für die Verteilung der Jubiläums-Bild schwerwiegende logistische Konsequenzen haben könnte, wie Unterstützer frohlocken. 

„Das klären wir dann beizeiten mit unserem Logistik-Dienstleister“, kommentiert solche Überlegungen ein Sprecher von Springer. Er beeilt sich auch zu betonen, dass Bild „über solch eine Geburtstagsaktion nachdenkt“.  Möglicherweise ist ja selbst bei Springer nicht jedem wohl bei Diekmanns ambitionierter Verteilaktion. Eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen, sagt der Springer-Sprecher.  Er versichert aber: „Im Erscheinungsfall würden wir selbstverständlich alle Widersprüche beachten.“

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