München. Uli Hoeneß, Manager der Fußballclubs Bayern München, hat im Poker um die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga der ARD Einflussnahme auf das Bundeskartellamt vorgeworfen: "Ich bin sauer auf die ARD. Sie steckt hinter der Entscheidung des Kartellamts", sagte er dem Magazin Focus-Money. Hoeneß (56) bekannt für seinen Hang zu lauten Worten, will künftig die ARD-Sportschau umgehen; er fordert, die TV-Berichterstattung auf den Bezahlsender Premiere zu verlegen: "Wer sagt denn, dass wir mit der ARD weiter zusammenarbeiten müssen?", so der Bayern-Manager. "Wir müssen das Pay-TV, und damit Premiere, wie noch nie pushen."
Von ARD-Seite weist man darauf hin, dass von Einflussnahme auf die Wettbewerbshüter keine Rede sein könne. Der Senderverbund sei von der Behörde anfangs lediglich um eine Stellungnahme zur Vergabe der Bundesliga-Übertragungsrechte gebeten worden. Programmdirektor Günter Struve reagierte auf Hoeneß' Anwürfe denn auch nur mit dem Satz: "Die Behauptung, dass die ARD hinter den Entscheidungen des Kartellamts stehe, ist reiner Sommerquark, den wir nicht weiter kommentieren."
Die Wettbewerbshüter hatten Ende Juli das Modell der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die TV-Vermarktung von 2009 an gestoppt und auch in Zukunft eine Berichterstattung im Free-TV vor 20 Uhr gefordert. Nach Ansicht der Behörde sind die kartellrechtlichen Anforderungen einer angemessenen Verbraucher-Beteiligung im DFL-Modell nicht erfüllt.
Hoeneß setzt sich nun für direkte Verhandlungen mit dem US-amerikanischen Medienmogul und Premiere-Großaktionär Rupert Murdoch ein. "Nichts darf mehr tabu sein", sagte der 56-jährige Fußball-Funktionär. Den Vermarktungsvertrag mit der Firma Sirius des Unternehmers Leo Kirch hält er für so gut wie geplatzt. Durch das Kartellamt sei die Geschäftsgrundlage "mehr oder weniger entfallen", sagte Hoeneß: "Ich hätte Verständnis dafür, wenn Kirch von der Vereinbarung zurücktreten würde."
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) kündigte unterdessen an, sie wolle mit ihrem Vermarktungspartner Sirius umgehend Gespräche über die momentane Vertragssituation führen. Das teilte die DFL am Dienstag nach Beratungen von Vorstand und Aufsichtsrat mit. "Angesichts der unverständlichen Position des Bundeskartellamtes müssen wir entsprechend reagieren", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball, Sport dürfe nicht "wie eine Industrie behandelt werden". Die Kirch-Tochterfirma hat mit der DFL einen Vertrag über die TV-Vermarktung der Bundesliga von 2009 bi 2015 über drei Milliarden Euro geschlossen, der nach dem Entscheid des Kartellamtes gefährdet ist. seg/dpa/sid
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