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Medien

22. Dezember 2012

"Downton Abbey" im ZDF: In der Ruhe vor dem Sturm

 Von Sarah Mühlberger
Blicke als Waffen: Für Lady Violet (Maggie Smith, 2.v.l.) und ihre Enkelin Mary (Michelle Dockery, 3.v.l.) sind Familientreffen nicht unbedingt eine vergnügliche Angelegenheit. Foto: ZDF/Nick Briggs

Warmherzige Schlossgeschichten – das ZDF zeigt an den Tagen um Weihnachten die erste Staffel der britischen Erfolgsserie „Downton Abbey“.

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Nach zwei Stunden und zwanzig Minuten kommt es endlich zu einem anständigen Todesfall. Das ist insofern eine gute Nachricht, als damit etwas Schwung ins Schloss und mehr Handlung in die Serie kommt. Kurz zuvor gab es sogar eine angedeutete Unanständigkeit, womit es für die Verhältnisse von „Downton Abbey“ in der dritten Folge ausgesprochen heiß her geht.

Das hochgelobte Kostüm-Melodrama, erfolgreichste britische Serie seit 30 Jahren und von Sonntag an im ZDF zu sehen, hat es erzählerisch nicht eilig. Und weil darüber hinaus klassische Zuschauermagneten wie Sex und Crime nahezu gänzlich fehlen, ist der große Erfolg von „Downton Abbey“ in Großbritannien, aber auch in weiteren 200 Ländern ziemlich erstaunlich.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Im Mittelpunkt steht das gleichnamige herrschaftliche Anwesen im England des frühen 20. Jahrhunderts. Hier leben der warmherzige Lord Grantham (Hugh Bonneville) und seine Frau Cora mit ihren drei Töchtern – und gefühlt 50 Hausangestellten. Sie bügeln die Zeitung, heben die Seife auf, die beim Baden neben die Wanne fällt und sie sorgen dafür, dass alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, was einfach klingt, tatsächlich aber eine logistische Meisterleistung ist.

Die erste Staffel der Serie setzt im April 1912 mit dem Untergang der „Titanic“ ein. Der hat weitreichende Folgen für die Bewohner von Downton Abbey. Unter den Opfern des Unglücks ist ein Cousin des Lords, der als dessen Erbe und als Marys zukünftiger Ehemann eine wichtige Rolle spielen sollte. Die eigensinnige und attraktive Mary ist gar nicht mal so unglücklich über diese Planänderung, aber der neue Erbe Matthew, ein entfernt verwandter Arzt aus der – hier schütteln sich die Herrschaften kurz – Mittelschicht, der ernsthafter Arbeit nachgeht, entpuppt sich als das größere Übel. Denn wenn sie ihn nicht heiratet, ist das schöne Vermögen futsch, sie als Frau darf ja nicht erben.

Trotzdem hat es Mary im Gegensatz zu ihrer Familie mit dem Heiraten nicht so eilig und wird im Laufe der ersten Staffel einige Kandidaten verschleißen. Oberflächlich betrachtet ist das schon der Kern der Geschichte: Was passiert mit Haus und Hof, wen wird Mary heiraten, wird sie überhaupt je heiraten? Aber unter der Oberfläche wird es dann doch spannender.

Einerseits im Untergeschoss, wo das Hauspersonal schuftet und in einer Parallelgesellschaft lebt, die sich wiederum durch strenge Hierarchien auszeichnet. An der Spitze stehen der Butler Carson und die Hausdame Mrs Hughes, ganz unten agiert etwa die junge Küchenhilfe Daisy. Wer die Chance haben will, sich hochzuarbeiten, muss die Regeln des Hauses bestens beherrschen und zudem die richtigen Seilschaften knüpfen. Es wird geflirtet, gemobbt und intrigiert, in dieser Hinsicht handelt es sich um einen ganz gewöhnlichen Arbeitsplatz. Nur stellen die Chefs und Chefinnen eben auch eine Ersatzfamilie dar.

Die Ruhe vor dem Sturm des Ersten Weltkriegs

Maßgeblichen Einfluss auf die Handlung haben auch die äußeren Entwicklungen. Einerseits porträtiert „Downton Abbey“ die „Ruhe vor dem Sturm des Ersten Weltkriegs“, wie die New York Times die Zeit nannte, die gleichzeitig die finale Hochphase der britischen Aristokratie war. Andererseits drängen sich schon die Themen des gesellschaftlichen Umbruchs auf: Technologisierung, Frauenrechte, der Sozialismus.

„Downton Abbey“ leistet sich einen eigenen historischen Berater, auch Serienschöpfer Julian Fellowes greift höchstpersönlich in die Dreharbeiten ein, wenn der Kuchen von den Herrschaften mit einer Gabel und nicht etwa, wie damals üblich, mit den Fingern gegessen wird. „Jedes Detail ist informativ“, sagte Fellowes der Vanity Fair, „es gibt nichts in einem Haus, das nicht irgendwas über einen selbst verraten würde.“ Der Wandel der Zeit dient auch ähnlich hochgelobten Serien wie „Mad Men“ als Antriebskraft. Doch im Vergleich hierzu wirkt „Downton Abbey“ noch reduzierter und kammerspielhafter. Zum einen passiert kaum etwas. Ein bisschen spazieren, dinieren, intrigieren, das ja, aber größere Aufregung oder gar Action fehlen völlig.

Viel Handlung wird über die Dialoge erzählt, das gilt eigentlich mittlerweile als unmodern. Wer zuletzt etwa die rasante Terroristenjagd in „Homeland“ verfolgt hat, für den ist es mehr als ungewohnt, dass das Ende einer Folge einen nicht in die nächste zwingt, dass man sich nicht sorgen muss, ob die Lieblingsfigur die nächste Szene überlebt, dass die Stimmung der Serie nicht unendlich düster ist. „Downton Abbey“ handele von netten Menschen, sagt Fellowes, der einst für sein Drehbuch zum Historien-Drama „Gosford Park“ den Oscar erhielt.

In „Downton Abbey“ geht es mal nicht um die bösen Abgründe des menschlichen Seins. Stattdessen ist es eine Serie, die man bedenkenlos im Zug gucken kann, wenn einem Fremde auf den Bildschirm starren, oder in Anwesenheit von Kindern oder Großeltern – so anständig ist sie. Aber es ist eben auch eine Serie, die Geduld abverlangt. Dass das ZDF die sieben Folgen der ersten Staffel nun gebündelt an den freien Tagen um Weihnachten herum zeigt, ist deswegen eine doppelt kluge Entscheidung.

Was „Downton Abbey“ bei allen Bedenken und trotz nicht bestreitbarer Seifenoper-Nuancen letztlich sehenswert macht, sind die liebevoll entworfenen Figuren und die großartigen Schauspieler, allen voran Maggie Smith als kühles Familienoberhaupt Lady Violet. Ob sie sich englisch-kühl über ihr Kammermädchen empört („Sie verlässt mich und will sich verheiraten. Wie kann sie bloß so selbstsüchtig sein?“) oder mit modernen Errungenschaften wie einem Fernsprecher hadert – sie ist der Star jeder Szene, an der sie beteiligt ist.

Nach der anfänglichen Hysterie, die auch die so unaristokratischen USA erfasste, gab es in England, wo im September die dritte Staffel von „Dowton Abbey“ anlief, vermehrt Kritik an der Serie. Sie glorifiziere das alte Klassensystem, hieß es. Fellowes, der selbst adliger Abstammung und überzeugter Konservativer ist, konterte, seine Serie zeige, wie beide Gesellschaftsgruppen bei allen Unterschieden doch einfach nur versuchten, sich irgendwie durchzuschlagen. Die großen und kleinen Dramen des Lebens, wann würde das deutlicher als in der Weihnachtszeit, kommen eben auch in den besten Familien vor.

Downton Abbey, ab 23.12. 17.05 Uhr, ZDF

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