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"Frontal 21": Gut für die Glaubwürdigkeit

Wie "Frontal 21" im Zweiten den Journalismus hoch hält - ab morgen mit neuer Moderatorin. Von Daniel Bouhs

Kennt die Wirklichkeit, sagt ihr Chef: Hilke Petersen.
"Kennt die Wirklichkeit", sagt ihr Chef: Hilke Petersen.
Foto: ddp

Der 3. April 2001 war für Nikolaus Brender ein besonderer Tag. Brender, damals seit einem Jahr Chefredakteur des ZDF, reiste an jenem Dienstag von der Mainzer Sendezentrale ins Hauptstadtstudio. Dort ging am Abend das Magazin "Frontal 21" an den Start. Es war Teil einer neuen Info-Schiene, die Brender einführte, um das Profil seines Angebots zu schärfen. Kurz zuvor waren schon die "ZDF.reporter" auf Sendung gegangen, damals noch mit journalistischem Anspruch.

In der ARD liefen bereits im Wechsel sechs Politmagazine, viele von ihnen seit Jahrzehnten. Auch die ZDF-internen Vorreiter "Frontal" mit den streitfreudigen Bodo Hauser und Ulrich Kienzle sowie das deutsch-deutsche "Kennzeichen D" legten die Messlatte hoch. Eine Überlieferung besagt, Brender sei "die Gänge auf und ab marschiert. Aus der Sendung hat er sich aber respekt- und vertrauensvoll zurückgehalten". Und was soll man sagen: Das Experiment ist geglückt. Zwischenzeitlich war "Frontal 21" sogar das erfolgreichste Politmagazin im deutschen Fernsehen.

"Panorama" hat es leichter

Erst vor einem Jahr schob sich "Panorama" in der Zuschauergunst vorbei. Das liegt vor allem am Sendeplatz: Vor "Frontal 21" laufen Dokumentationen. Das Erste zeigt donnerstags vor seinen Politmagazinen hingegen Unterhaltung. Und weil Spielfilme eben mehr Publikum ziehen, haben es "Panorama" und Co. einfacher. So verwundert nicht, dass die montags angesetzten ARD-Politmagazine schlechter laufen: Vor ihnen liegt ebenfalls ein Reportage-Platz.

"Frontal 21" hat sich seit seiner Gründung nicht wesentlich verändert. Neu ist - von morgen an - nur die Moderatorin: Hilke Petersen, bisher als engagierte wie profilierte Reporterin für "heute", "heute-journal" und "Berlin direkt" in der Hauptstadt unterwegs, folgt zu Beginn des deutschen Super-Wahl-Jahres auf Theo Koll. Koll, seit dem Start dabei, leitet inzwischen die Außenpolitik und moderiert das "Auslandsjournal". Petersen scheint für beide Seiten ein Gewinn: Sie freut sich, "in einem Magazin angekommen zu sein, in dem ich komplexe Zusammenhänge erklären kann". Und Brender ist entzückt, ein Gesicht gefunden zu haben, das "nicht wie viele andere im Reagenzglas des Studios groß geworden ist sondern die Wirklichkeit kennt". Die 42-Jährige gebe der Sendung "die Glaubwürdigkeit, die wir brauchen".

Die gut zwei Dutzend Mitarbeiter umfassende Redaktion um den altgedienten Claus Richter tritt ohnehin souverän auf. So grenzt sich "Frontal 21" von Konkurrenten wie "Monitor" ab, indem nicht wie dort mit Sonia Mikich der Chef die Sendung präsentiert. Richter spricht von "einer Unart im deutschen Fernsehen und einer Überschätzung einzelner Kollegen". Vor allem an Sendetagen müsse der Moderator den Kopf für seine Texte frei halten statt redaktionelle Entscheidungen zu treffen.

Ebenso verzichtet "Frontal 21" darauf, Beiträge mit dramatischer Musik zu unterlegen, wie das etwa "Panorama" macht. "Überflüssig" sei das, sagt Richter. Bei "Frontal 21" müssten die Beiträge an sich spannend sein, um es in die Sendung zu schaffen. Dann bräuchten sie keine düstere Untermalung. Bei Dokumentationen, die freilich einer anderen Sprache folgen als Magazinberichte, kommt aber auch Richter immer wieder von diesem Grundsatz ab.

Neue 45-Minüter sind in Arbeit

Für diesen Sommer sind gleich mehrere "Frontal 21 Dokumentationen" geplant. Die Redaktion sorgte mit solchen 45-Minütern bereits für Aufsehen, als sie sich mit großem Aufwand und filmischem Geschick dem Gebaren der Energiekonzerne, dem Pharma-Kartell und dem Organ-Handel widmeten. Die Produkte aus der Investigativ-Schmiede sind für das Zweite, was "die story" für die ARD ist. Fehlt nur noch ein regelmäßiger Sendeplatz.

Richter, einst Korrespondent in Ost-Berlin, Moskau und New York und Verfechter der amerikanischen Lehre im Journalismus, arbeitet mit Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust an einem Zweiteiler über die Finanz- und Wirtschaftskrise. Dabei wollen sie in diesem Sommer an ihren vorzeigbaren Dreiteiler "Wettlauf um die Welt" anknüpfen, der vor zwei Jahren lief. Die Reihe zu den Folgen der Globalisierung konnte damals noch nicht unter dem Dach von "Frontal 21" laufen: Aust produzierte noch "Spiegel TV, das einzige ernst zu nehmende private Politmagazin.

"Frontal 21", ZDF, dienstags, 21 Uhr.

Autor:  DANIEL BOUHS
Datum:  23 | 2 | 2009
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