Nun also doch. Jan Hofer geht am 27. September zur Wahl. Der"Tagesschau"-Sprecher hat in den vergangen Wochen viele empörte Zuschriften bekommen. In einem Video-Clip hatte er getönt, er werde nicht wählen gehen. Rund 1000 Mails habe er daraufhin verschickt, um irritierte Freunde und Kollegen zu beruhigen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.
Nun hat sich offiziell geklärt: Hofers Aufruf zum Wahlboykott war ironisch gemeint und sollte zum Nachdenken anregen. "Wir haben gehofft, dass das Ganze Wellen schlägt, aber so hoch das hätten wir nicht gedacht", sagt Stefan Gehrke, Geschäftsführer von politik-digital.de. Gemeinsam mit der Produktionsfirma Probono hat die Informationsplattform die Aktion "Geh nicht hin" gestartet und neben dem adretten Hofer weitere Prominente wie Sandra Maischberger, aber auch Gangster-Rapper und mehr oder weniger bekannte Schauspieler vor die Kamera geholt. Sie alle tun so, als sei ihnen das Wählengehen wurscht.
"Geh nicht hin!" - Der Film
Sie wirken allerdings so wenig überzeugend, dass schnell Zweifel an ihren Aussagen laut wurden. Innerhalb einer Woche wurde der Clip rund 100000-mal bei YouTube aufgerufen. Erst zehn Tage später, Anfang dieser Woche, folgte die Auflösung in Form eines zweiten Video-Clips. Die Botschaft diesmal: Geh wählen! Schauspieler Ralf Richter merkt darin an: "Man muss ja nicht die Bekloppten wählen." Und Jan Hofer verkündet glaubwürdig: "Ich lese fast jeden Tag die Meldungen, dass Menschen ihr Leben geben würden, um wählen gehen zu können." Genau darum ging es den Machern: Der erste Video-Clip sollte provozieren, um Aufmerksamkeit zu erregen und die Leute erst einmal mit dem Thema Meinungsbildung und Wählen zu konfrontieren. Ob sie dann ihr Kreuzchen machen oder nicht, bleibe ihnen selbst überlassen, sagt Stefan Gehrke.
Die Provokation ist gelungen. So stört es die Initiatoren auch nicht, dass sie zunächst Prügel einstecken mussten, weil viele die Ironie für bare Münze genommen haben. "Viele waren der Meinung, dass wir spinnen", sagt Gehrke. Und der arme Jan Hofer sollte sogar boykottiert werden. Zuschauer hätten verkündet, sie würden jetzt nicht mehr die Tagesschau gucken, erzählt Gehrke.
Die Idee zur Kampagne stammt aus den Vereinigten Staaten. Im vergangenen Jahr hatten Stars und Musiker wie Tom Cruise, Julia Roberts und Snoop Dogg unter der Regie von Steven Spielberg "Don´t Vote!" in die Kamera gerufen. Dieser Spot lieferte allerdings die Auflösung gleich mit.
Jan Hofer hofft nun, dass der zweite Teil dieselbe Aufmerksamkeit erfährt wie der erste Clip. Auch wenn oder gerade weil ihn die Reaktionen doch sehr überrascht haben.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.