Nie zuvor stampfte jemand mit einer solchen Präsenz durch die Gänge eines Polizeipräsidiums wie Nina Kunzendorf als Conny Mey. Doch die Zeiten, in denen die 40-jährige Schauspielerin an der Seite von Joachim Król in den Tatort-Folgen des Hessischen Rundfunks (HR) die Frankfurter Ermittlerin mit Cowboy-Attitüde mimte, sind bald vorbei. Noch zwei Folgen, am 26. Dezember und im April 2013, dann steht ihr Kollege erst einmal allein da: Kunzendorf verabschiedet sich nach nur fünf Folgen auf eigenen Wunsch aus der ARD-Krimiserie.
Von ihrer Agentin Sohela Emami gab es dazu keine Auskünfte, nur eine Bestätigung. Beim HR, für den die gebürtige Mannheimerin bis Dienstag für die letzte Folge vor der Kamera stand, bezeichnete Fernsehspielchefin Liane Jessen die Gründe als „unspektakulär“ und Kunzendorfs äußerst bedauerliche Entscheidung als „wenig überraschend“. Die alleinerziehende Mutter zweier Kinder habe von Anfang an klargemacht, sich von den Tatort-Dreharbeiten nicht allzu sehr in ihrem sonstigen künstlerischen Tun einschränken lassen zu wollen. Maximal zwei Folgen jährlich seien deshalb ausgemacht gewesen, für die im Schnitt jeweils eine zweimonatige Arbeitszeit mit 25 Drehtagen anfalle. Doch schon die habe die Grimme-Preis-Trägerin als zu viel empfunden. Durch die „spezielle Rolle der Conny Mey“, so Jessen, habe sie zu wenig andere Ausdrucksmöglichkeiten für sich gesehen.
Dass andere Aspekte eine Rolle bei dem Ausstieg spielten, etwa die Unzufriedenheit mit der „Tussi-Rolle“, wie im „Tagesspiegel“ zu lesen war, wies Jessen als „Unsinn“ zurück. „Die Schauspieler gestalten die Rolle mit“, erklärte die Fernsehspielchefin; in dem Fall habe sich die Künstlerin gewünscht, „eine sonnige, saftige, patente Person“ darzustellen. Eher sei es der große Erfolg des Duos gewesen, der das schnelle Ende brachte. Mey und ihr Partner Frank Steier hatten die Gunst des Publikums problemlos erobert. Zuletzt schauten ihnen bundesweit 9,5 Millionen Zuschauer zu. Mit dem Resultat, dass die schon zuvor beliebten Darsteller Kunzendorf und Król gern gesehene Gäste in anderen Sendungen waren. Das habe bei der Schauspielerin „eine große Erschöpfung verursacht“.
So muss der HR also auf die Suche nach einer Nachfolgerin gehen. „Mit Król wollen wir unbedingt weiterarbeiten“, verriet Jessen. Mit dem 55-Jährigen soll es deshalb auch erst einmal eine Folge als Solist geben. Für die Zeit danach „werden wir uns etwas einfallen lassen“. Eine erste Idee sei gewesen, die Rolle der Conny Mey einfach mit einer anderen Schauspielerin zu besetzen, „wie bei Aaron Spelling in Dallas“. Doch dazu müsse man erst einmal die passende finden.
Wie auch immer die Lösung aussehen wird, einen „Topstar“ zu engagieren, wie es andere Sender nach und nach täten, schwebe dem HR nicht vor. „Wir hatten damals ja eigentlich damit angefangen“, so Jessen. Jetzt jedoch sei man dieses Hypes überdrüssig.
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