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"Unser Star für Oslo": Ein bisschen zu viel Frieden

"Es wird Zeit, dass Deutschland wieder jubelt." Stefan Raab spricht gern von der "nationalen Aufgabe". Doch einen landesweiten TV-Taumel hat er mit "Unser Star für Oslo" noch nicht auslösen können. Hans-Hermann Kotte

Unser Star von Oslo-Initiator Stefan Raab mit seinen Moderatoren Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich.
"Unser Star von Oslo"-Initiator Stefan Raab mit seinen Moderatoren Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich.
Foto: NDR/ProSieben/Willi Weber

Im Trailer für das Eurovisions-Casting weht es schwarz-rot-golden: "Es wird Zeit, dass Deutschland wieder jubelt." Stefan Raab spricht gern von der "nationalen Aufgabe". Doch einen landesweiten TV-Taumel hat er mit "Unser Star für Oslo" (USFO) noch nicht so recht auslösen können.

Die Show, die bislang fünfmal bei ProSieben und einmal in der ARD lief, brachte eher maue Einschaltquoten. Um die zwei Millionen Zuschauer sahen sich jeweils den Sängerwettstreit an, bei dem jetzt noch vier Kandidaten im Rennen sind. Am heutigen Dienstag steht nun das Halbfinale an, am Freitag das Finale.

Große Aufregung rund um USFO herrscht vorerst nur in den Heimatregionen der jungen Sänger - dort sind sie wirklich "Unser Star". So kennt beispielsweise die Startseite der Internet-Homepage der Ortschaft Altenlotheim in Nordhessen nur noch ein Thema - Christian "Dursti" Durstewitz, den sanften Rocker mit der Jimi-Hendrix-Frisur. Und am Gymnasium von Soulröhre Jennifer Braun aus Eltville im Südhessischen hängt längst ein großes Unterstützer-Transparent.

Dass der Hype um USFO bislang ausblieb, liegt auch am Konzept der Sendung. Sie stellt absichtlich die Musik und das individuelle Talent in den Mittelpunkt, nicht das Privatleben der Kandidaten und ihren jugendlichen Sex- oder Crime-Appeal. Die Sänger gehen nicht mit Liebesgeschichten oder Schicksalsschlägen in der Boulevardpresse hausieren. Auch Stefan Raab schirmt ja sein Privatleben übrigens schon jahrelang konsequent gegenüber der Yellow Press ab.

Unser Star für Oslo

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Die Kandidaten müssen sich bei USFO keine schlagzeilenträchtigen Boshaftigkeiten von der Jury gefallen lassen, wie das in anderen Casting-Shows üblich ist. Diese deutlichen Unterschiede zu "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) inspirierten das Nachrichtenmagazin Spiegel jüngst zu einem länglichen Essay. Überschrift: "Kampf der Kulturen". Da wurde die prollige DSDS-Welt dem Mittelschichts-Kosmos von USFO gegenübergestellt, die "Welt der Demütigungen, Zoten und Konkurrenzkriege" dem "Waldorfkindergarten bürgerlicher Boheme". USFO, so hieß es weiter, sei als "Castingshow so aufregend wie ein Taizé-Gebetskreis".

Ganz so dramatisch ist es nicht. Aber bei USFO fehlen tatsächlich die Knalleffekte, was Vor- und Nachteile hat. Dass Raab hier die Musik die Hauptrolle spielen lässt, fanden viele Kritiker durchaus angenehm. Weniger begeistert waren sie von einer gewissen Langatmigkeit der Show: Die Moderatoren Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel quatschen einfach zu viel. Außerdem verbreitet die Jury fast nur dickes Lob: Friede, Freude, Eierkuchen statt klarer Ansagen.

Mag sein, dass die Show ein bisschen unter den Kompromissen leidet, die nötig sind, wenn ein öffentlich-rechtlicher und ein kommerzieller Sender zusammenarbeiten. Aber warum nicht mal ein Wagnis? Für die ARD, schwer gebeutelt von den Eurovisions-Flops der letzten Jahre, war die Kooperation mit Raab und ProSieben ohne Alternative. Denn seit die Ära des Komponisten Ralph Siegel ("Mr. Grand Prix") zu Ende ging, hatte man mit ständig neuen Konzepten für die nationale Vorauswahl die Zuschauer verwirrt.

Wohl enttäuscht davon, dass das hiesige Pop-Establishment den Eurovisions-Wettbewerb traditionell links liegen lässt, ließ man es gleich ganz fehlen am nötigen Ernst und Ehrgeiz bei der Nachwuchssuche und dem Aufbau eines jungen Publikums. Wenn aber jemand Siegeswillen besitzt, dann ist es Stefan Raab.

Seinen fast schon krankhaften Ehrgeiz beweist er nicht nur regelmäßig bei seiner Ego-Show "Schlag den Raab". Er kennt sich auch mit Popmusik aus und weiß, wie man in die Charts kommt. Gut läuft auch sein Bundesvision-Song-Contest, bei dem Pop-Acts aus den 16 Bundesländern gegeneinander antreten. Nicht zu vergessen Raabs bisherige Erfolge beim Eurovision Song Contest - als Sänger beziehungsweise Komponist und Produzent erreichte Raab einen vierten, fünften und achten Platz.

Autor:  Hans-Hermann Kotte
Datum:  8 | 3 | 2010
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