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60 Jahre Deutsche Journalistenschule: Münchens Medienmacher

Die Bundesrepublik feiert ihr 60-jähriges Bestehen, und dieser Geburtstag zieht weitere Jubiläen nach sich. So feiert auch die Deutsche Journalistenschule in München ihr 60-jähriges Bestehen. Von Moritz Baumstieger

Die Bundesrepublik feiert ihr 60-jähriges Bestehen, und dieser Geburtstag zieht weitere Jubiläen nach sich. So wird der Verband Siebenbürger Sachsen 60, genauso wie die Gewerkschaft der Polizei Niedersachsen und der Verband der freien Berufe Baden-Württemberg. Natürlich haben alle, von den Siebenbürgern bis zu Badens Freiberuflern, ihren Beitrag zur Entwicklung des demokratischen Staates geleistet. Trotzdem soll hier ein weiteres Jubiläum herausgehoben werden: das der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München.

Die Verfassungsväter hatten der jungen Republik 1949 eine Teilung der drei Gewalten verordnet. Und auch die oft als vierte Gewalt bezeichnete Presse konnte wieder frei agieren. Nur: Es mangelte an Personal. Dieses Problem trieb Werner Friedmann um, einen der Herausgeber und leitenden Redakteure der Süddeutschen Zeitung.

So schrieb Friedmann in der Abendzeitung, die er mit einer Lizenz der amerikanischen Besatzungsmacht parallel gegründet hatte, "20 Freiplätze für junge Journalisten" aus. Mindestens zwölf von ihnen sollten aus Bayern kommen, und die "Zahl der weiblichen Teilnehmer wird vier nicht überschreiten". 1700 Bewerber reichten eine Reportage ein, 91 von ihnen wurden zur Aufnahmeprüfung eingeladen. Die bestand aus einem Wissens- und einem Bildertest, einer Probe-Reportage und einem Gespräch.

Am Ende wurden 21 Teilnehmer ausgewählt. An der Zahl der Bewerber und an dem Ablauf der Aufnahmeprüfung hat sich bis heute nichts geändert - an dem Prinzip, nach dem Werner Friedmann 1949 den Unterricht abhalten ließ, auch nichts: Dozenten aus der Praxis sollten den Mitgliedern der "Lehrredaktion" das Handwerkszeug beibringen.

Andere Dinge änderten sich. Aus dem "Friedmann-Institut" wurde 1959 die Deutsche Journalistenschule. Nachdem Friedmann und die Abendzeitung in zehn Jahren fast eine Million Mark in das Projekt gesteckt hatten, wird die DJS nun von einem Trägerverein finanziert, der inzwischen 50 Mitglieder hat.

Und natürlich hat sich auch die Ausbildung der Zeit angepasst: Unterrichtsstunden, die kriegsbedingte Lücken in Allgemeinbildung und Fremdsprachen-Kenntnissen der Schüler schließen sollten, wurden gestrichen, dafür weitere Spielarten des Journalismus in die Ausbildung integriert: 1961 der Hörfunk, schon 1965 das Fernsehen, 2000 erst der Online-Journalismus.

Im Jahre 1973 begann die DJS eine Kooperation mit dem Institut für Kommunikationswissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität. Zusätzlich zur Kompaktklasse gab es nun eine Studentenklasse, deren DJS-Ausbildung mit einem Magisterstudiengang gekoppelt war. Inzwischen ist man nach einem kurzen Diplom-Intermezzo bei zwei Studienklassen angekommen, die mit einem Master abschließen.

Eines hat sich die DJS aber bewahrt: ihre Unabhängigkeit. Sie ist unter den großen deutschen Journalistenschulen die einzige, die nicht von einem einzelnen Verlag getragen wird. Doch kann man daran alleine den Wert der DJS bemessen? Oder sollte man ihn an den prominenten Absolventen festmachen, die dort ausgebildet wurden - als Qualitätssiegel quasi, stellvertretend für ihre weniger berühmten Kollegen?

Auch dieses Bewertungskriterium muss die DJS nicht fürchten: Im Fernsehen (Sandra Maischberger, Günther Jauch) wie unter den Autoren und Kolumnisten (Axel Hacke, Maxim Biller), in den Chefetagen (Jan Eric Wilhelms von der Welt, Andreas Petzold vom Stern, Tim Klotzek von Neon) und unter den Bloggern (Stefan Niggemeier, Bildblog.de) ist die DJS gut vertreten. Neben diesen Promis haben weitere 2018 Absolventen die DJS verlassen. Wenn sie zusammen kommen, bleiben nicht nur bei der Süddeutschen Zeitung in München viele Schreibtische leer.

So wie heute, beim 60. Geburtstag. Dem Hang des Müncheners zum Pompösen folgend, findet die Feier im Prinzregenten-Theater statt. Das liegt nahe bei der bayrischen Staatskanzlei, so wird Ministerpräsident Horst Seehofer ein Grußwort sprechen. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude darf einen Preis verleihen, dann kommt die Kanzlerin. Vielleicht tut sie so ihrem Regierungssprecher Ulrich Wilhelm einen Gefallen, der ebenfalls im rosa Hinterhof-Gebäude in der Münchener Innenstadt ausgebildet wurde.

Angela Merkel wird ihre Redezeit wohl nicht zu neuen Debatten mit dem Querulanten aus Ingolstadt nutzen. Sondern aller Voraussicht nach über den Wert von Qualitätsjournalismus für die Demokratie sprechen. Damit wird sie bei den 1000 Gästen nicht auf taube Ohren stoßen. Denn die DJS hat zum Werden dieser Demokratie beigetragen. Ohne den Genossen in Uniform zu nahe treten zu wollen: So viel wie die Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen, mindestens.

Autor:  MORITZ BAUMSTIEGER
Datum:  29 | 6 | 2009
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