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75 Millionen Euro minus: ZDF muss Arbeitsplätze abbauen

Jahrelang ignorierte das ZDF Sparvorgaben, jetzt kommt die Quittung: 75 Millionen Euro müssen die Mainzer beim Personal einsparen. Das sind etwa 250 Arbeitsplätze.

 Die Mainzelmännchen müssen keinen Personalabbau befürchten.
Die Mainzelmännchen müssen keinen Personalabbau befürchten.

Der im März scheidende ZDF-Intendant Markus Schächter hat seinem Nachfolger ein Erbe hinterlassen, das niemand gerne annimmt. 75 Millionen Euro müssen die Mainzer in ihrem Personaltableau einsparen, was umgerechnet etwa 250 Stellen entspricht. Vorige Woche sickerte durch, was offiziell erst am 17. Januar kommenden Jahres bekanntgegeben wird. Dann stellt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten KEF ihren 18. Bericht vor. Darin wird stehen, dass das ZDF über Jahre hinweg Sparvorgaben ignoriert hat. Zwar haben die Mainzer den Personalaufwand unterm Strich gesenkt, ohne allerdings die geforderten Stellenkürzungen umzusetzen. Im Gegenteil: Das Personal wurde offensichtlich in der Auflistung der „sonstigen Stellen“ aufgestockt.

Der Sender begründet dies mit einem „unerwarteten zusätzlichen Personalaufbau“ bei seinem Ausbau zur multimedialen Senderfamilie, die mittlerweile neben dem Hauptprogramm die Digitalsender ZDFinfo, ZDFkultur und ZDFneo umfasst. Um die KEF-Vorgaben nachträglich doch noch umzusetzen, gilt seit Oktober ein Einstellungsstopp. Da die Fluktuation beim ZDF im Vergleich zu einem privatwirtschaftlichen Unternehmen eher niedrig ist, werden jedoch weitere Weichen gestellt werden müssen – eine Aufgabe für den künftigen Intendanten, Thomas Bellut.

Heinz Fischer-Heidlberger, Vorsitzender der KEF und im Hauptberuf Präsident des Bayerischen Obersten Rechnungshofs, will die ZDF-Argumentation nicht gelten lassen. Er sagt, „das wird Konsequenzen haben“. Die KEF könne sich nicht gefallen lassen, ignoriert zu werden. Wie die Konsequenzen aussehen, zeigte sich schon einmal. Damals hatten sich die Öffentlich-Rechtlichen dazu verpflichtet, ihre Online-Ausgaben bei 0,75 Prozent ihrer Gesamtaufwendungen zu deckeln – kamen dem aber nicht nach. Um 34 Millionen Euro hatten sie den Online-Etat überzogen, was umgerechnet zwei Cent der monatlichen Rundfunkgebühr entsprach. Entsprechend niedriger fiel sie aus und beträgt seither 17,98 Euro.

Fehlbetrag kann durch Rücklagen gedeckt werden

Mit einer geringeren Gebühr kann der Zuschauer wegen der Kürzungen beim ZDF dennoch nicht rechnen. Da die neue Haushaltsgebühr eingeführt wird und nicht exakt zu berechnen ist, ob den Öffentlich-Rechtlichen dadurch mehr oder doch weniger Einnahmen zur Verfügung stehen, wird die Sparvorgabe für das ZDF keine Auswirkungen auf die bisherigen 17,98 Euro haben.

Die laufende Gebührenperiode will das ZDF mit einer „schwarzen Null“ abschließen. Zwar sei für 2012 ein Fehlbetrag von gut 75 Millionen Euro zu erwarten, den Schächter mit den vielen Großereignissen im Sport begründet. Der Fehlbetrag könne jedoch durch Rücklagen aus den Vorjahren gedeckt werden sowie durch weitere Sparvorgaben und Ergebnisverbesserungen in Höhe von 14 Millionen Euro, so dass der tatsächliche Fehlbetrag bei 61,3 Millionen Euro liegen wird. Dennoch, so Schächter: Die zusätzlich von der KEF geforderten Kürzungen im Personalaufwand seien „sehr erheblich“.

Insgesamt entfallen von den Rundfunkgebühren 4,735 Euro auf das ZDF. In der Summe sind das 1,72 Milliarden Euro pro Jahr. Hinzu kommen Einnahmen unter anderem aus Werbung und Sponsoring. Doch zwischen den Gesamterträgen in Höhe von 2,03 Milliarden Euro und den Aufwendungen klafft eine Lücke von 116 Millionen Euro. Sie wird immerhin noch durch einen um 41 Millionen Euro positiven Investitionshaushalt vermindert. Daraus berechnet sich der besagte Fehlbetrag von 75 Millionen Euro.

Autor:  Ulrike Simon
Datum:  22 | 12 | 2011
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