In den französischen Medien tobt ein Streit um die Nachrichtenagentur AFP (Agence France-Presse). Ausgelöst hat ihn Laurent Joffrin - Direktor der Tageszeitung Libération. In der Ausgabe vom 7. August übersetzte er das Kürzel AFP mit "LAgence France-frousse" - auf Deutsch etwa: "Agentur Frankreich-Bammel". Joffrin wirft der Agentur vor, vor den Regierenden Angst zu haben und "Zaghaftigkeit" zu zeigen.
Für seine These nennt Joffrin drei Beispiele. Bei einem Mittagessen mit konservativen Abgeordneten hatte sich Staatspräsident Nicolas Sarkozy ausgesprochen abfällig über den spanischen Ministerpräsidenten José Luis Zapatero geäußert. Sarkozys Gemeinheiten sickerten durch, Libération veröffentlichte sie. Das zweite Beispiel: Die Zeitung nannte die Zahlen der exorbitanten Verluste der Geschäfts- und Investmentbank Société Génerale, deren Management auf der ganzen Linie versagte. Zuletzt publizierte Libération die Zahlen der Bonusleistungen an das ebenso unfähige Management der "Banque Nationale de Paris Parisbas" (BNP). In allen drei Fällen verbreitete AFP keine einzige Zeile oder "ertränke" die Tatsachen in den "offiziellen Dementis" (Joffrin).
Gerade weil Laurent Joffrin von den professionellen Fähigkeiten der AFP-Mitarbeiter überzeugt ist, kann und will er im Totschweigen ungemütlicher Nachrichten keinen Zufall, sondern diskrete Einflussnahme von oben sehen, die sich direkt gegen Libération richte. "Wenn Libération schreibt, die Erde sei rund und der Elysée-Palast verkündet, sie sei flach, würde AFP zunächst das Dementi aus dem Elysée-Palast veröffentlichen oder beide Meldungen gleichwertig behandeln, ohne Stellung zu nehmen, oder - im besten Fall - mitteilen, die Wahrheit liege in der Mitte", sagt Joffrin.
Philippe Massonnet, Direktor von AFP, nannte Joffrins Vorwurf am 10. August "beleidigend" und berief sich auf das Recht der Agentur, Informationen anderer Journalisten nicht weiterzuleiten: "Und sie hat Recht damit". Diese Erklärung beruhigte die Lage nicht. Am 12. August erinnerte Le monde daran, dass AFP rund 40 Prozent ihres Budgets vom Staat bezieht, also im Unterschied zu den Zeitungsredaktionen wirklich abhängig ist.
Nicht vergessen sei im Übrigen, dass es ein Abgeordneter aus der konservativen Partei Sarkozys war, der AFP vor kurzem vorwarf, "parteiisch" zu sein, weil sie eine seiner Presseerklärungen gegen die Sozialistin Ségolène Royal nicht weitergeleitet habe.
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